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Ein Belgier malt in Stansstad Bilder, die wie Fotografien aussehen

Wer Bilder von Jean De Clercq sieht, glaubt vorerst Fotografien vor sich zu haben. Auf den zweiten Blick entdeckt man aber, dass der aus Belgien stammende Künstler seine Sujets selbst auf die Leinwand malt.
Romano Cuonz
Jean de Clercq malt wirklichkeitsgetreue Werke: Aktuell beschäftigt er sich mit Bahngleisen. (Bild: Romano Cuonz (Stansstad, 9. August 2018))

Jean de Clercq malt wirklichkeitsgetreue Werke: Aktuell beschäftigt er sich mit Bahngleisen. (Bild: Romano Cuonz (Stansstad, 9. August 2018))

«Ich lebe seit 22 Jahren in Nidwalden, und doch hat man mich hier als Künstler kaum wahrgenommen», sagt der 66-jährige frühere Koch und Hobbykünstler Jean De Clercq. An der Wand seines Stansstader Appartements hängen grossformatige Bilder. Da ist ein Bahnhof mit Gleisen, Fahrleitungen, Tafeln und Schuppen. Mitten im Wohnraum aber steht eine Staffelei. Darauf das Bild, an dem er gerade arbeitet: ein Weichenstellwerk, vielleicht von der Luzern-Stans-Engelberg Bahn. Man erkennt jedes Detail. Mit fast unglaublichem Realismus – ja in geradezu fotografischer Genauigkeit – gibt De Clercq, was er entdeckt und mit der Kamera aufgenommen hat, auf der Leinwand wieder.

Unter der Prämisse, dass Kunst ursprünglich vom Wort «Können» abstammt, darf man De Clercq bestimmt als Künstler bezeichnen. Seine grössten Stärken sind seine intensive, genaue Beobachtungsgabe von Landschaften, Objekten und Menschen und dann auch die erstaunliche Fähigkeit, all dies mit dem Pinsel auf die Leinwand zu bringen. Von sich selber sagt De Clercq: «Für mich muss ein Bild punkto Perspektive und Darstellung ganz genau stimmen, mit abstrakter Kunst kann ich wenig anfangen.»

Trotz kunsthandwerklichem Können seien seine Bilder nie Fotografien. Vor allem mit dem Licht oder mit Überschneidungen von mehreren Bildelementen greife er künstlerisch und grafisch gestaltend in seine Malereien ein. Dazu kommt, dass er sehr oft Motive aussucht, die in der Kunst kaum anderswo zum Zuge kommen.

«Nidwalden gefiel uns einfach am besten»

Jean De Clercq wurde 1952 im belgischen Antwerpen geboren. Dort machte er eine Lehre zum Koch. «Zeichnen faszinierte mich schon immer und es brachte mir den nötigen Ausgleich zu meiner oft stressigen Tätigkeit», sagt er. An der grafischen Abteilung der Kunstakademie Belgien schloss er eine Kunstausbildung ab. Dabei befasste er sich mit Techniken wie Kupferstich, Holzschnitt, Lithografie, Aquarell oder Ölbild.

Aus familiären Gründen zog er 1986 in die Schweiz. Hier arbeitete er als Koch an vielen Orten. Namentlich auch im Oberengadin. «Ich hatte vorübergehend kein Zuhause und kein Atelier mehr», erzählt De Clercq. Trotzdem machte er auch in dieser Zeit – zum Beispiel mit sehr dynamischen Bildern von Pferderennen auf dem Eis in St. Moritz – auf sich aufmerksam. Etwa mit einer Ausstellung in Sils Maria. Das Zusammenspiel und die Harmonie zwischen Jockey und Pferd faszinierten ihn. «Als ich dann im Hotel Fürigen arbeitete und meine Frau Esther heiratete, wurden wir in Stansstad sesshaft. Dort sind auch unsere drei Kinder aufgewachsen», sagt De Clercq. Und fügt bei: «Nidwalden gefiel uns einfach am besten.»

«Für Jean De Clercq ist es nach wie vor sehr schwer, in einem Museum in Nidwalden zu einer Ausstellung zu kommen», sagt die Kunstschaffende Vreni Zumbühl. Sie ist auch unter dem Künstlernamen Art De Boga bekannt. Deshalb habe ihm diesen Sommer das Museum Schneggli im aargauischen Reinach Gelegenheit geboten, sich mit 70 Werken vorzustellen. Die Ausstellung sei ein erstaunlich grosser Erfolg gewesen.

Er will künftig Auftragsmalereien annehmen

Und wie sieht nun die Zukunft des in Nidwalden lebenden Belgiers nach der kürzlich erfolgten Pensionierung aus? «Jetzt kann ich mich ausgiebig meiner Leidenschaft widmen und bin bereit, Herausforderungen – wenn immer möglich auch Auftragsmalerei – anzunehmen», sagt er selber. Einen ganz eigenen Stil wolle er dabei entwickeln und diesen am ehesten als «Perfektionismus» oder «Hyper-Realismus» bezeichnen. Dabei seien für ihn Künstler wie Mike Dargas, Jung Hwan und Gioacchino Passini wichtige Vorbilder.

Sagt es und nimmt dann den Pinsel zur Hand, um in seinem Atelier – mitten im Wohnraum mit der Staffelei auf einer Unterlage – das Weichenstellwerk nochmals zu perfektionieren. Stets hoffend, dass er die neuen Werke früher oder später auch in seinem Wohnkanton einmal an einer Einzelausstellung der Bevölkerung präsentieren darf.

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