Ein Festprediger mit Heimvorteil

Robert Hess
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Kinder betteln die Butzis um Süssigkeiten an. (Bilder Robert Hess)

Kinder betteln die Butzis um Süssigkeiten an. (Bilder Robert Hess)

Herzlich dankt der Wolfenschiesser Pfarrer Erich Lehmann am Schluss des Älplerchilbi-Festgottesdienstes vom Sonntag dem Alpina-Cheerli für die schönen Darbietungen zur Umrahmung der Messe. Sein Dank gilt auch Ehrenprediger Pfarrer Walter Mathis aus Emmetten für «die ermutigenden und erfrischenden Worte.» Nach dem Gottesdienst ziehen die 33 Älplerpaare unter Führung der Dallenwiler Musik zum Festplatz Gewerbe an der Aa, während Ehrenprediger Walter Mathis im Dorf weilt und von vielen Bekannten begrüsst wird. «Ich hatte heute Heimvorteil», meint er schmunzelnd, «denn ich bin in Oberrickenbach aufgewachsen.» Und welche Gedanken lagen seiner Predigt zugrunde? «Ich behaupte, dass man von den Älplern noch viel lernen kann, denn nicht Geld, sondern bleibende Werte halten sie auf den Alpen zusammen.» Das Leben auf der Alp sei ein «Chrampf, aber schön», so Pfarrer Mathis weiter, «und da geht es einfach nicht ohne gute Kameradschaft.»

Um der Älplerbruderschaft anzugehören, muss man nicht mehr Bauer oder Älpler sein. Kein Bauer ist etwa Peter Mathis, der dem Vorstand der Älplergesellschaft angehört, für die Führung des Bruderschaftsverzeichnisses verantwortlich ist und zudem als Rechnungsrevisor amtet. «Für mich ist die Älplerchilbi eine schöne Tradition, und für die Gemeinschaft Wolfenschiessen bedeutet sie sehr viel», sagt er.

Als hübsches Älplerpärchen präsentieren sich die Medizinische Praxisassistentin Laura Wyrsch aus Hergiswil und ihr Freund, der einheimische Metallbauer Lars von Büren. Sie freuen sich, neue Leute kennen zu lernen, und «wollen das spezielle Fest geniessen», sagt Laura. Weil das Paar bereits zum zweiten und damit letzten Mal bei den ledigen Älplern dabei ist, hat Lars zudem die Aufgabe, einen Nachfolger zu suchen.

Butzis mit Früh-Französisch?

Ein nicht gerade hübsches Paar sorgt derweil für viel Stimmung bei Kindern und Jugendlichen auf dem Festplatz, wo sich die Bevölkerung zu einigen gemütlichen Stunden zusammengefunden hat. Die Kinder betteln bei den Butzis um Süssigkeiten, und der Berichterstatter möchte vom wilden Paar wissen, wie es den nassen Sommer überstanden hat. Statt einer Antwort geben die Butzis aber nur ihre gewohnten Urlaute von sich. «Vielleicht ist das Früh-Französisch», meint ein Spassvogel, der die Sache mitbekommen hat.

Vor dem Mittagessen verlassen die Älplerpaare den Festplatz und ziehen sich zu den Fotoaufnahmen bei der Kirche zurück. Ein Älpler fällt besonders auf. Es ist der 1. Heiligenvogt Sacha Christen, der den heiligen Wendelin als Opferstock mitträgt. «Ich habe dafür zu sorgen, dass etwas Geld in die Kasse der Älplerbruderschaft kommt», verrät er. «Und ich bin die moralische Unterstützung meines Mannes», ergänzt Doris Christen.

Ein weiteres Älplerpaar sind Klaus Hess aus Wolfenschiessen und seine Kollegin Romy Scheuber aus Ennetmoos. «Es ist herrlich, dabei sein zu dürfen», schwärmt Romy Scheuber. Begleiter Klaus Hess war während vieler Jahre Butzivater und musste die Butzis auf ihre Aufgabe vorbereiten und sie instruieren, welches ihre Grenzen sind und was sie besonders beachten müssen. Diese Aufgabe hat nun Christoph Mathis übernommen.

Am Morgen noch «i Gadä»

Vom Altzellerberg sind Willi und Heidi Ambauen gekommen. Sie gehören zu den «Routiniers». «Wir freuen uns aber immer wieder über diese schöne Tradition und sind gerne dabei.» Auch zu den Bauersleuten unter den Älplerpaaren gehören Sepp und Erika Blättler. Ihr hat vor allem das Alpina-Cheerli beim Gottesdienst gefallen. Sie wollen die zwei Tage «so richtig geniessen» und sicher auch beim Chässpruch vom Sonntagabend und beim zweiten Teil der Älplerchilbi mit dem Älplertanz vom Montag dabei sein. Bevor sich Sepp Blättler jeweils zur Chilbi aufmacht, geht er am Morgen noch «i Gadä». Am Abend besorgt sein Vater das Vieh.

Aus dem Chässpruch

Gasch durhindärä durs Tal,
gsesch ä Brugg us Beton und Stahl.
Hiä wird gschaffäd, hiä wird glochäd,
und mid Tämper umä blochäd.

Ufäm Holzplatz stahd äs Huis,
säb gsed wunderprächtig uis.
Am Bahnhof gid’s kei Reywä,
will miär hend ja jetz ä neywä.

Luägsch a eysä Zäuglirank,
frischä Asphalt blitz und blank.
S Ferieheim, das isch jetz Gschicht,
uber das gäbs mängs Gedicht.

Iähr gsend, dahiä duäd eppis ga,
Fortschritt, miär bleybid nid stah.
Miär drey hend’s i dr Hand,
Verleiid im Dorf äs neys Gwand.

Ai wens dä eintä ufä Wecker gad,
dass voräm Dorf äs Rotliächt stahd.
Wer A seid, muäs s B ai näh,
Schusch duäd äs neyd rächts gäh.


Schneeschuäh laiffä, das isch toll,
psunders wenn dr Mond isch voll.
Hechi Bargä, Pulverschnee,
all das chasch ohni Lampä gsee.

Ufä Jochpass uifä chamä ga,
det biädids sertig Tuirä aa.
Ä scheenä Flyer hed dr Erwin druckt,
bim Läsä sinds gmerkig zämäzuckt.

Schneeschuh laufen mit Mondschein.
doch cho duäd keis Schwein.
D’Leyt gsend’s nu cheibä gley,
a denä Datum duäd Lährmond sey.


Dr Uli Hoeness, Ma mid huiffä Sigu,
hockäd jetz hindär Schloss und Rigu.
Im Stadion chasch nä nimmä gseh,
hei weisch wiä duäd ihm das weh.

Mängä hed ähndlichs tribä,
är hed äs frischäs Kapitel gschribä.
Fascht 30 Millionä hed är hinderzogä,
und so dr Fiskus bim steyrä betrogä.

Drey Jahr muäs är i d Chischtä,
bim Küsche häuffä Riäbli rischtä.
Doch einä wo sefu Cholä duäd haa,
dä lands eppä friächer la gaa.

Wo isch ächd s Gäud? Nid schwär,
Schweyz?, komisch wens anders währ.
Dett durä simmär äs sozials Land,
hend immär eppä ä dargebotni Hand.


Dr Gheimdiänscht oder d CIA,
wissid alläs, vo gross bis chley.
Das dend diä Deytschä erläbä,
d Amis benänd sich voll drnäbä.

S Angi findäts katastrophal,
Ä neywä Abher-Skandal.
D Schuld hed einisch meh dr Barack,
Ihräs Natel zapft är aa, dä huärä Sack.


Hender morä eppis vor? Lands la sey,
chemid ä Äupertanz ins Happy Day.
S Fracine Jordi chemmär nid holä,
d Hergisweyler hend äbä me Cholä.