Ein Hergiswiler «Hölzerner» erzählt seine Geschichten

Der ehemalige Hergiswiler Schreinermeister und Grünen-Politiker Josef Blättler berichtet über Freuden und Leiden des Schreinerberufs.

Romano Cuonz
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Der Hergiswiler Schreinermeister Josef Blättler.

Der Hergiswiler Schreinermeister Josef Blättler.

Bild: Romano Cuonz  (Hergiswil, 8. Januar 2020)

«Eigentlich wollte ich ja nur ein paar Geschichten und Anekdoten zum 100. Geburtstag unserer Schreinerei niederschreiben», gesteht der heute 69-jährige Hergiswiler Schreinermeister Josef Blättler. Doch, je länger er in Schriftstücken und Akten seines über drei Generationen gehenden Betriebs geschmökert habe, desto mehr Geschichten seien zusammengekommen. Und so wurde Seppi Blättler – in ganz Nidwalden bekannt als DN-Landrat der ersten Stunde, WWF-Umweltpolitiker und begabter Laienschauspieler – gar zum Autor.

In seiner noch druckfrischen kleinen aber feinen Broschüre sinniert und berichtet er über das bisweilen goldene, oft aber auch ziemlich «harzige» Handwerk der «Hölzernen». Fachsimpeln wolle er nicht, verspricht er. Und begründet: «Dieses Büchlein habe ich für Personen geschrieben, die sich ein Leben in einem Familien-Handwerksbetrieb nicht vorstellen können.»

Handwerkstradition ging vom Grossvater aus

Bevor der Erste Weltkrieg ausbrach, kehrte der Hergiswiler Schreiner Josef Blättler-Wyss (Gründer und Inhaber der Schreinerei von 1913 bis 1940) von seiner jahrelangen «Walz» zurück. Als Geselle in Karlsruhe, Köln und Berlin hatte er seinen Rucksack mit genügend Erfahrungen und fremdem Wissen gefüllt. Nun wagte er es, in Hergiswil am Bach eine Schreinerei samt Wasserrad zu gründen. Bald entstand auch eine eigene Werkstatt. «Damals stellten sie Fenster, Türen, Schränke, Buffets – einfach alles – her», erzählt der Autor des Büchleins. Doch Firmengründer, Josef der I, verstarb mit nur 54 Jahren. Darauf übernahm seine Witwe, Marie Blättler-Wyss, das Zepter. Ihrem Sohn, Josef II, befahl sie, unverzüglich von seiner Stelle in der Ostschweiz nach Hergiswil zurückzukehren. Er kam und führte das Geschäft von 1940 bis 1980 zusammen mit der Mutter und seinem Bruder. Der Betrieb wurde modernisiert und ausgebaut. Zeitweise beschäftigte man bis zu acht Mitarbeiter. 1951 erhielt die Schreinerei den Namen «J. Blättler-Wyss Söhne». Und genau in diesem Jahr kam der nunmehr bereits dritte Josef zur Welt. Als eines von vier Kindern. «Ich bewunderte vor allem meine Grossmutter, die das Geschäft führte und zog zeitweise samt Köfferchen zu ihr», erinnert sich Josef III (Inhaber der Schreinerei von 1980 bis zum Verkauf an Eugen Huser im Jahr 2011).

In Marokko wurde Blättler politisiert

Dass «Seppi» wie seine Vorfahren eine Schreinerlehre machen sollte, war mindestens erwünscht. Und er sagte auch Ja dazu. Doch ging er vorerst eigene Wege. Wege, die sein Vater nur schwer verstehen konnte. Schon als Jugendlicher organisierte er in der eher linken «Action Jeunesse» eine Diskussion über Sinn und Unsinn der Schweizer Armee, die niemand besuchte. Nach der Lehre in Horw aber lernte er in Besançon Französisch. Zog dann für drei Jahre nach Marokko, wo er zusammen mit Freiwilligen in einem Entwicklungsprojekt arbeitete. «Wir bildeten Jugendliche aus ärmlichen Verhältnissen zu Schreinern aus, ohne jede Buchhaltung und Kalkulation», erzählt er. Und Blättler bekennt: «In Marokko wurde ich politisiert.» Als er heimkehrte und die väterliche Bude übernahm, war er Gründungsmitglied des oppositionellen, rot-grünen Demokratischen Nidwalden (DN). Wurde Landrat. Und kandidierte gleich zweimal als Regierungsrat. All dies sehr zum Leidwesen seines eher konservativen Vaters. «Dieser verstand die Welt nicht mehr», erinnert sich Josef Blättler. Die Schreinerei aber als neue AG blühte auf. 2003 zog man vom Idyllweg hinauf zum Bahnhof in ein ehemaliges Lagergebäude der Glasi. In seinem Büchlein gibt Josef Blättler köstliche Episoden und Anekdoten zum Besten. Erinnerungen aus der Kinder- und Jugendzeit ebenso wie an interessante und skurrile Begegnungen mit Kundschaft. Von wertvollen Massivholzküchen wie vom Geschäft mit den Toten als Sargmacher ist die Rede. Oder von den guten und weniger guten Erfahrungen als Lehrmeister zahlreicher künftiger Schreiner.

Die Buch-Vernissage «Die Freuden und Leiden des Schreiners» findet statt im «Berggasthof zum Glück» in Hergiswil am Samstag, 18. Januar 2020, 17 Uhr.