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Gastkommentar

Ein Wal mit einem Magen voll Müll – schöne neue Plastikwelt

Franziska Ledergerber aus Hergiswil schreibt in ihrer Gastkolumne über Plastikverschmutzung in den Meeren und über unseren eigenen Umgang mit allerhand Dingen aus Plastik.
Franziska Ledergerber

Vor der Küste Thailands verendete kürzlich ein Wal, dessen Magen mit neunundzwanzig Kilogramm Plastikmüll gefüllt war. In Magen und Darm des jungen Wales steckten Plastiksäcke, Stücke von Fischernetzen, Seile, Plastikdeckel von Kanistern und andere Kunststoffteile, die er gefressen hatte. Der Wal verhungerte mit vollem Magen!

Gastkolumnistin Franziska Ledergerber aus Hergiswil. (Bild Corinne Glanzmann)

Gastkolumnistin Franziska Ledergerber aus Hergiswil. (Bild Corinne Glanzmann)

Die Bilder der Autopsie des Wales und die Zahl der toten Tiere machen das Ausmass der Verschmutzung unserer Ozeane auf drastische Weise sichtbar.Bis zu dreizehn Millionen Tonnen Plastik gelangt jedes Jahr ins Meer. Nach Jahrzehnten leichtfertigen Umgangs mit dem vielseitigen Werkstoff sind unsere Ozeane zugemüllt mit Relikten unserer Wegwerfgesellschaft.

Zeit also zum Umdenken und Handeln, auch wenn der eigene Beitrag klein ist. Auf Plastikröhrli, -besteck, -geschirr und andere unnützen Dinge aus Kunststoff könnte ohne Not verzichtet werden. Auch in der Lebensmittelbranche wird viel Unfug getrieben. Die Grösse der Zucchinis zum Beispiel muss sich neuerdings ihrer Verpackung anpassen und nicht umgekehrt. Zu grosse oder zu kleine Stücke werden einfach weggeworfen. Letzthin entdeckte ich geschälte Zwiebeln in Plastik eingeschweisst. Zuerst schälen und dann wieder mit Plastik umhüllen: Offenbar lohnt sich auch ein solcher Unsinn.

Als ich früher einmal als Sekretärin in einem Büro arbeitete, rechnete uns eines Tages der Chef vor, wie viel ihn unser und sein morgendlicher z’Nüni-Kaffee koste, wenn wir a) die Kaffeetassen abwaschen oder b) Wegwerf-Plastikbecher verwenden würden. In der Summe machten die Plastiktassen das Rennen, und zwei Tage später traf ein grosses Paket mit Plastiktassen ein.

Diese Tasseli-Rechnung geht nach Jahrzehnten leider immer noch auf. Kunststoff ist viel zu billig. Seit die Säcklein beim Supermarkt an der Kasse fünf Rappen kosten, ist in kürzester Zeit der Konsum um achtzig Prozent zurückgegangen. Auch die roten gebührenpflichtigen Abfallsäcke «Suibr!» werden satter gefüllt als vorher die schwarzen Säcke. Seit das Verursacherprinzip gilt, wird disziplinierter sortiert, und die Abfallmenge ist insgesamt rückläufig. Ja, wenn es ans Portemonnaie geht, wird allgemein sparsamer gewirtschaftet. Als ich letzthin den Sack derart stopfte bis er fast platzte, meinte mein Mann lachend, ich sei in dieser Hinsicht ein Geizkragen. Beleidigt wies ich diesen Spott von mir und behauptete, vorher die Säcke genau gleich gefüllt zu haben. Na ja, sagen wir einmal fast voll.

Mit einem bewussteren Umgang mit diesem unverzichtbaren Kunststoff wäre schon viel gewonnen. Die Ozeane kann der Mensch zwar mit aller Anstrengung nicht mehr in den Urzustand ver- setzten, aber eine achtzig Prozent-Marke wäre anzustreben. «Suibr» nach dem Verursacherprinzip für Konsumenten und Grosskonzerne mit einem lückenlosen Recycling. Halleluja!

Das Rad lässt sich nicht mehr zurückdrehen. In biblischen Zeiten wurde der Prophet Jonas von einem Wal verschluckt. Der spie ihn allerdings nach drei Tagen wieder aufs Land zurück!

Zur Person: Franziska Ledergerber, Hausfrau und ausgebildete Lehrerin, wohnt in Hergiswil. Sie äussert sich in der Kolumne «Ich meinti» abwechselnd mit anderen Autoren zu einem selbst gewählten Thema.

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