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Einbruch, Betrug, Hehlerei und mehr vor dem Nidwaldner Kantonsgericht

Ein Nidwaldner Garagist geriet in die Fänge eines Autohändlers. Früher hat er mit ihm geschäftlich verkehrt, jetzt ist er um 200000 Franken leichter.
Kurt Liembd
Gerichtssaal im Rathaus in Stans - in diesem Saal finden in der Regel die Sitzungen von Kantonsgericht und Obergericht statt. (Archivbild Markus von Rotz)

Gerichtssaal im Rathaus in Stans - in diesem Saal finden in der Regel die Sitzungen von Kantonsgericht und Obergericht statt. (Archivbild Markus von Rotz)

Was der Garagist und Autohändler Walter Odermatt vor Kantonsgericht erleben musste, hat ihn emotional sehr aufgewühlt. «Ich habe in meinen 58 Jahren noch nie erlebt, dass soviel gelogen wurde», sagte er vor Gericht. Dabei war nicht etwa er angeklagt, vielmehr trat er als Kläger und Geschädigter auf. Seit Jahrzehnten führt er erfolgreich eine Autogarage und gilt als ehrbarer und loyaler Geschäftsmann. Er war auch ausdrücklich einverstanden, dass der Name seines Betriebs in Wolfenschiessen in der Zeitung erwähnt wird. Angeklagt war ein 46-jähriger Mazedonier wegen Einbruch, Diebstahl, Betrug, Hehlerei und Urkundenfälschung. Dieser wohnt im Kanton Schwyz und ist dort auch als Autohändler tätig.

Der Fall geht auf das Jahr 2007 zurück. Damals wurde beim Wolfenschiesser Garagisten innert elf Monaten gleich dreimal in die Geschäfts- und Privaträume eingebrochen. Während beim ersten Einbruch keine Beute gemacht wurde, raubten die Täter beim zweiten Mal insgesamt 200000 Franken. Gemäss Anklageschrift spielte sich dies wie folgt ab: Der angeklagte Autohändler heuerte einen unbekannten Landsmann aus Mazedonien an, welcher drei Tage vor der Tat in die Schweiz ein- und vier Tage danach wieder ausreiste. Am 29. September 2007 fuhren die beiden Männer nach Wolfenschiessen mit dem klaren Plan, einzubrechen und Beute zu machen.

Nach drei Einbrüchen in flagranti verhaftet

Die unbekannte Person sollte in die Räumlichkeiten eindringen und das Bargeld zu suchen, während der Angeklagte draussen «Schmiere» stand und seinem Komplizen telefonisch Anweisungen gab. Der Helfer brach zwei Fenster auf, drang in die Büros und später in die Wohnung des Garagisten ein und fand eine Kassette mit 200000 Franken. Die Beute teilten sie auf.

Ein dritter Einbruch am 16. Dezember 2007 scheiterte. Für diesen hatte der Mazedonier zwei Landsleute angeheuert. Zu dritt gingen sie wieder in Wolfenschiessen nach der gleichen «Arbeitsteilung» vor, diesmal mit einer Leiter via Flachdach und aufgebrochener Balkontüre. Doch der Garagist war diesmal im Büro und rief die Polizei, welche sieben Minuten später das Haus umstellte. Einer der Einbrecher wurde in der Wohnung verhaftet, der andere flüchtete und wurde wenig später am Ufer der Engelbergeraa verhaftet. Der Angeklagte konnte unerkannt flüchten. Gegen die beiden Verhafteten läuft ein separates Verfahren.

Zahlreiche Handys, Nummern und SIM-Karten

An der Gerichtsverhandlung vom vergangenen Donnerstag stritt der Mazedonier alles ab und wollte mit den Einbrüchen nichts zu tun haben, obwohl die Beweislage mehr als erdrückend war. Staatsanwalt Alexandre Vonwil listete in akribischer Kleinarbeit Telefonate und SMS auf, die ihre Kommunikation belegten. Zudem wurden die SMS-Texte übersetzt und die Handys in der Einbruchszeit lokalisiert. Das war sehr aufwendig, telefonierte doch allein der Angeklagte mit etwa zehn verschiedenen Handys, zahlreichen SIM-Karten und ebenso vielen Handy-Nummern. Teilweise waren die Handys auch mit gefälschten norwegischen Pässen abonniert worden.

In einem fast zweiständigen Plädoyer legte Vonwil eine lückenlose Beweiskette dar. Den Angeklagten bezeichnete er als «Drahtzieher» und «Dirigenten» der Einbrüche, die bis heute spurlos verschwundene Beute von 200000 Franken als «Geldregen». Die Beweisführung des Staatsanwalts machte den Pflichtverteidiger so perplex, dass dieser sein vorbereitetes Plädoyer umkrempeln musste. Er sagte in seinem improvisierten Ad-hoc-Plädoyer, es gebe keine Beweise, dass sein Mandant an den Einbrüchen beteiligt gewesen sei. Er kehrte den Spiess gar um und beschuldigte den Garagisten, die Einbrüche selbst inszeniert zu haben, was aber eher einer Verschwörungstheorie glich. Ausserdem warf er dem Garagisten Verstoss gegen die Rassismus-Strafnorm vor und kritisierte die lange Verfahrensdauer.

Sogar mit dem Tod bedroht

Nebst den Einbrüchen ging es um Betrug und Urkundenfälschung. Der angeklagte Mazedonier soll bei einem Occasionsfahrzeug den Kilometerstand von 215 000 auf 140 300 Kilometer zurückgesetzt haben, das er später der Garage Odermatt verkaufte. Zudem habe er Abgasdokumente und Serviceheft gefälscht. Ausserdem war er der Hehlerei angeklagt, weil er 2012 Landsleuten von ihm seine Garage zur Verfügung gestellt habe, um einen Tresor aus einem anderen Einbruch dort gewaltsam zu öffnen. Dabei habe er ihnen auch Werkzeuge organisiert. Auch diese Taten stritten der Mazedonier und sein Pflichtverteidiger ab, obwohl er damals dabei von der Polizei verhaftet worden ist.

In der Verhandlung wurde auch erwähnt, dass der Garagist aus Wolfenschiessen von Kumpanen des Angeklagten schon mit Waffen und gar mit dem Tod bedroht worden sei. Staatsanwalt Alexandre Vonwil beantragte eine bedingte Freiheitsstrafe von zwei Jahren sowie die Übernahme der Verfahrenskosten von rund 32 000 Franken sowie der Gerichtskosten. Der Pflichtverteidiger beantragte vollumfänglichen Freispruch und Übernahme aller Kosten durch den Staat. Kein Thema war eine Ausschaffung, denn die Taten waren alle erfolgt, bevor die Ausschaffungs-Initiative in Kraft trat. Das Urteil erscheint nächste Woche.

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