Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben jetzt den Aktivierungslink für Ihr Benutzerkonto per E-Mail erhalten.

Vielen Dank für Ihre Anmeldung.

Ihr Konto ist aktiviert. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

Vielen Dank für Ihre Bestellung. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

Kolumne

Eine Velotour mit Folgen

Ich meinti
Christian Hug

Viele meiner Freunde sind Biker. Die rasen mit ihren Velos die Berge rauf und runter und nochmal rauf und wieder runter, dann tapsen sie mit ihren klackenden Veloschuhen und ihren wattierten Hosen in eine Beiz, bestellen mit gutem Gewissen einen halben süssen Eistee mit Zitronenschnitz und sind glücklich. Und dauernd bestürmen sie mich: «Das muesch im Fall au mache, da blibsch fit.» Das hat immer so ein bisschen was Hysterisches. Manchmal werde ich das Gefühl nicht los, Ü50-Biker wollen ihrem eigenen Tod davonfahren.

Christian Hug. (Bild: PD)

Christian Hug. (Bild: PD)

Trotzdem haben vor ein paar Tagen die Predigten meiner todesfürchtigen Freunde Früchte getragen: Es war schönes Wetter, ich bin auf mein Velo gestiegen und zielstrebig Richtung Grafenort gedüst. Natürlich wurde ich unterwegs von sämtlichen Halbprofiradlern überholt, wahrscheinlich, weil sie atmungsaktive Acryl­shirts trugen. Ich selber schaffte bloss ein paar junge Mütter mit Kinderwagen.

Aber hey: In Grafenort angekommen, überströmte mich ein wohliges Gefühl von Glück und kosmischer Liebe. Ich war ziemlich geschlaucht und deshalb froh, dass ich im Hof Neufallenbach diesen wunderbaren Blumen-Eistee trinken konnte. Ich fühlte mich fit für die Heimfahrt – und plante bereits meinen nächsten Velo-Trainingsausflug. Am liebsten schon morgen. Und übermorgen grad nochmal. Das ist, glaub, so ein Männerding, dass man sich in der Euphorie immer gleich ein neues Ziel steckt, kaum hat man das erste erreicht.

Am Abend rief mich meine Mutter an. Ich erzählte ihr von meinem sportlichen Tun, was sie natürlich begeisterte, weil sie findet, ich sei sowieso ein fauler Sack. Bewegung sei gut für meinen hohen Blutdruck. Und dann sagte sie: «Aber legg de e Helm aa!» Mit Ausrufezeichen.

Das war ein liebevoller, fürsorglich gemeinter mütterlicher Rat. Aber gopf, ich bin jetzt 53! Das hat mich ein bisschen verärgert, in meinem Alter gilt man schliesslich als erwachsen. Aber dann wurde mir einmal mehr klar: Mütter sind so. Machen sich immer Sorgen um ihre Kinder. Ihr ganzes Leben lang. Väter auch. Ich mache mir ja auch Sorgen um meine eigenen Kinder, obwohl die alle längst ausgeflogen sind.

Aber beim Nachdenken über ewige Mutterliebe und kurzzeitige Freude am Velofahren kam ich dann ins Grübeln. Ich fühlte mich irgendwie zwischen Stuhl und Bank. Einerseits: Kann ich nie wirklich erwachsen werden? Und anderseits: Habe ich jetzt auch angefangen, meinem eigenen Tod davonzuradeln? Beides brachte ich nicht unter einen Hut. Vielleicht sind es genau diese Fragen, über die meine Bikerfreunde nachdenken, wenn sie die Höger rauf und runter düsen. Ich glaube, ich frage sie mal, wenn sie das nächste Mal süssen Eistee in ihren wattierten Hosen trinken.

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.