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El Ritschi – Pavarotti von Engelberg kam nach Stans

Der gemeinnützige Verein Job-Vision präsentierte im Brockenhaus Nidwalden Second-Hand-Artikel. Einzig der Songwriter und Alleinunterhalter El Ritschi, der da mittendrin auftrat, war erste Wahl.
Romano Cuonz
El Ritschi (Richard Blatter) gastierte im Brockenhaus in Stans. Einmal ohne Hut..... (Bilder Romano Cuonz, 28 März.2019)

El Ritschi (Richard Blatter) gastierte im Brockenhaus in Stans. Einmal ohne Hut..... (Bilder Romano Cuonz, 28 März.2019)

Ein richtiger Engelberger redet eigentlich gar nichts», erklärt der eben 50-jährig gewordene Songwriter und Performer Richard «El Ritschi» Blatter im bis auf den letzten Stuhl besetzten Brockenhaus Nidwalden. Und warnt dann das Publikum gleich einmal: «So gesehen bin ich ein völlig untypischer Engelberger.»

Nun ja: Dass er bei seinen Auftritten während zweier Stunden fast ohne Unterbruch redet, voller Herzlichkeit und mit ureigenem Charme, dabei seine Lieder kommentiert und augenzwinkernd vorträgt, ist seine ganz grosse Stärke. Und die wird an diesem Abend im «Brocki» besonders gut hörbar, wenn er so dasitzt, zwischen altem Geschirr, Möbelstücken, Büchern und Kleidern. Dabei seine Gitarre in den Händen hält, plaudert und räsoniert und seine Liedlein singt, völlig ohne Verstärker oder Mikrofon. Und all dies stets im schönsten Engelberger Dialekt: «Natuirli», mit «Luit» und all ihrem üblichen «Gschyys».

Der «Gesslerhut» wanderte flugs auf seinen Kopf

Einzig sein typisches Markenzeichen – und wohl auch der Glücksbringer – die schwarze Melone, hängt während des ersten Teils wie ein Gesslerhut an einer Stange. Als ihn ein Zuhörer darauf anspricht, erschrickt El Ritschi beinahe. «Ohne meinen Hut geht sonst gar nichts», gesteht er und setzt ihn unverzüglich auf. Und weiter geht’s.

«Ich bin kein Schusli», verrät er, «beim Liedermachen lasse ich mir viel Zeit, und da gibt es nur gut einen Song pro Jahr.» Und wenn’s denn wahr wäre – es täte nichts zur Sache: Blatters Soloauftritte – er ist ja auch Sänger bei «Jolly & the Flytrap» – leben ebenso von den Geschichten rund um die Lieder herum wie von diesen selber. Ist er nun eigentlich Kabarettist oder doch Songwriter? Diese Frage stellt man sich unwillkürlich, wenn man mit Lachen beinahe nicht mehr aufhören kann.

Den Abend im Brocki gestaltet Blatter geografisch. Er führt sein Publikum von Engelberg nach Nidwalden und, beinahe tollkühn, auch noch in den guten alten Obwaldner Kantonsteil. Hin zum 47er-Bataillon, in dem er offenbar als unverzichtbarer Gitarrist und Sänger gedient hat. Die paar ersten musikalischen Noten setzt er fast nostalgisch: für seinen früh verstorbenen Vater oder eine schöne Hüttenwartin in zwei hinter dem Titlis versteckten SAC-Berghütten. Zu erreichen nur in stundenlangem Marsch nach dem Motto «Uifä, uifä, uifä.» Gleich darauf lässt er das Bergbähnchen der Familie Langenstein wieder richtig «chrosen»: und zwar musikalisch. So wie es sich gehört. Auch vom Gasthaus Grünenwald, das er und seine Band samt Gespenst (sprich «Hefä» Fabian Christen) als Probelokal für ein Butterbrot gekauft haben, erzählt er in einem seiner unvergesslichen Hits.

Am präzisesten umschreibt Liedermacher El Ritschi seine Kunst so: «Bei mir kann man nicht mitsingen, ich singe nie originalgetreu, hört einfach zu, das ist auch schön.» Und so hören sich denn auch all jene Lieder, von denen er den Text, die Melodie oder beides irgendwo entlehnt und von jedem Staub befreit hat, neu und oft witzig an: das Nidwaldner «Tanzliedli» von Heinrich Leuthold etwa, «Dr alt Bueb» von Walter Käslin, ein traditionelles Engelberger- oder ein Melchtalerlied. Wunderschön, komisch und originell, wie er Luciano Pavarottis Loblied auf die Frauen von Triest in Engelberger Dialekt übersetzt. Und damit beweist, dass Dallenwiler Mädchen ebenso schön sind wie jene in Triest.

... und im zweiten Teil mit Hut.

... und im zweiten Teil mit Hut.

Erst nach drei Zugaben ist Schluss

El Ritschis Stimme übrigens, auch wenn sie punkto Umfang nicht an Pavarotti herankommt, ist nicht minder interessant. Wie Richard Blatter zum Schluss noch seinen grössten Hit hervorholt – jenen von den Zwergen und dem Gotthardtunnel – gerät das Publikum aus dem Häuschen und dem Sänger bleibt nichts anderes übrig, als gleich noch drei Lieder obendrein zum Besten zu geben.

Die Konzertreihe im Nidwaldner Brockenhaus Stans geht weiter. Am 24. Oktober wird um 19 Uhr die Kapelle «Bircherix» auftreten.

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