Elektroautos kommen auch in Nidwalden und Obwalden in Fahrt – aber langsam

Die Elektromobilität ist auch in Nid- und Obwalden angekommen. Allerdings liegt der Anteil unter dem Schweizer Durchschnitt.

Matthias Piazza
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Die Elektrotankstelle am Bahnhof Stans.

Die Elektrotankstelle am Bahnhof Stans.

Bild: Corinne Glanzmann (11. Februar 2020)

Die spezielle Zapfsäule beim Bahnhof Stans ist begehrt. Das parkierte Auto, das mit Strom betankt wird, ist zum gewohnten Anblick geworden. Von den rund 41'000 Fahrzeugen mit Nidwaldner Nummernschild fahren 4 Prozent mit einem alternativen Antrieb, wie das Verkehrssicherheitszentrum Obwalden/Nidwalden (VSZ OW/NW) auf Anfrage bekannt gab. Fast 700 sind mit einem Hybridantrieb ausgestattet, der sowohl mit Strom als auch mit Benzin oder Diesel funktioniert.

Die «reine» Elektromobilität ist zwar noch immer ein zartes Pflänzchen. Erst jedes 50. Nidwaldner Fahrzeug wird von einem Elektromotor angetrieben. Ein ähnliches Bild präsentiert sich in Obwalden. Dort sind 3,2 Prozent der Fahrzeuge mit einem alternativen Antrieb ausgestattet.

Ob- und Nidwalden hinken hinterher

«Die Elektromobilität ist definitiv in Nid- und Obwalden angekommen, auch wenn sie noch in der Startphase ist», sagt dazu Markus Luther, Geschäftsführer des VSZ OW/NW. Allerdings hinken Ob- und Nidwalden der schweizweiten Entwicklung etwas hinterher. Denn landesweit betrug der Anteil der Elektro-, Hybrid-, Gas- und Wasserstoffmodelle im vergangenen Jahr 5,6 Prozent. Erstmals wurde im vergangenen Jahr mehr als jedes zehnte Auto (13,1 Prozent) mit einem alternativen Antrieb verkauft, wie es auf der Homepage von Auto-Schweiz, der Vereinigung der offiziellen Automobilimporteure, heisst. Rein elektrische Autos konnten ihren Marktanteil von 1,7 Prozent 2018 auf 4,2 Prozent im vergangenen Jahr mehr als verdoppeln.

Markus Luther überrascht der unterdurchschnittliche Wert in Nid-/Obwalden nicht. «Elektroautos mit ihrer teilweise begrenzten Reichweite sind in städtischen Gebieten beliebter, wo man kürzere Distanzen zurücklegt und das Netz an Elek­trotankstellen bedeutend dichter ist.» Er sei aber überzeugt, dass der Trend auch in den ländlichen Gebieten Einzug halte. «Im Gespräch mit unseren Kunden spüre ich eine steigende Akzeptanz gegenüber Autos mit alternativen Antrieben.»

Nachfrage stieg in einem Jahr um 60 Prozent

Das Elektrotankstellennetz wird denn auch stetig dichter. Vergangenes Jahr hat das Elektrizitätswerk Nidwalden (EWN) drei neue Stromtankstellen in Betrieb genommen: beim Gemeindehaus Ennetmoos, beim Kantonsspital Nidwalden in Stans und beim Gemeindeparkplatz in Emmetten. 2015 wurden mit Stans und Hergiswil die ersten Nidwaldner Bahnhöfe mit Stromtankstellen ausgerüstet, später folgten Stansstad, Dallenwil und Wolfenschiessen. Auch beim EWN-Hauptsitz in Oberdorf kann man sein Elektroauto aufladen. EWN-Direktor Remo Infanger spricht von einer Nachfragesteigerung von 60 Prozent gegenüber 2018. Der Strom, der zu 80 Prozent aus Nidwaldner Wasserkraft und zu 20 Prozent von Nidwaldner Solarzellen kommt, kann zurzeit bei den Zentralbahn-Bahnhöfen noch gratis bezogen werden, weil diese Ladesäulen nicht mit einem Zahlsystem ausgerüstet sind.

Gemäss Remo Infanger gehen Studien davon aus, dass der Stromverbrauch der Schweiz wegen der Elektromobilität bis in zehn Jahren um rund 6 Prozent zunimmt, wenn auch in immer mehr privaten Liegenschaften Ladestationen eingerichtet werden. Dies sei gut zu bewältigen, da der Stromverbrauch dank Lastmanagementsystemen, die das EWN auch anbietet, über eine längere Zeit, zum Beispiel eine ganze Nacht, verteilt werden könne. Auch rechnet Infanger damit, dass ein Grossteil der Elektroautos mit Solarstrom von der eigenen Siedlung geladen und so das EWN-Netz nur wenig belasten werden.

Die Elektrotankstelle am Bahnhof Sarnen.

Die Elektrotankstelle am Bahnhof Sarnen.

Bild: Corinne Glanzmann (11. Februar 2020)

Auch bei den Stromtank­stellen des Elektrizitätswerks Obwalden (EWO) wird von Jahr zu Jahr mehr geladen. 2019 wurde bei den Bahnhöfen Sarnen, Sachseln, Alpnach, Alpnachstad, Giswil, Engelberg, Lungern sowie in Kerns beim Gemeindehausparkplatz und beim EWO-Hauptsitz total 2364 Mal ein Auto angeschlossen für rund 44000 Kilowattstunden. Das sind 20 Prozent mehr als im Vorjahr. Auch in privaten Liegenschaften entstehen gemäss EWO-Chef Thomas Baumgartner immer mehr Ladestationen. Selbst bei steigendem Bedarf könne das EWO genug Strom liefern, der aus Wasserkraft oder anderen erneuerbaren Quellen kommt, auch wenn das EWO Strom hinzukaufen müsse.

Noch im einstelligen Prozentbereich

Bei der Garage Pargger in der Stanser Riedenmatt bewegt sich der Anteil verkaufter elektrischer Autos noch im einstelligen Prozentbereich. «Aber dieser Anteil wird in den nächsten Jahren deutlich ansteigen», ist Christian Pargger, der Geschäftsführer einer der grössten Nidwaldner Garagen mit über 30 Mitarbeitern und etwa 3500 Kunden, überzeugt. «Wir unterstützen die Elektromobilität. Aber ein Hemmnis bei unseren Kunden sind zurzeit noch die teils fehlende Ladeinfrastruktur, die höheren Anschaffungspreise und die zu geringe Reichweite.»

Christian Pargger betrachtet den Plug-in-Hybrid mit grosser Reichweite, der auch auf langen Strecken ohne Ladestation auskommt, als gute Zwischen­lösung.