EMMETTEN: Hotel Seeblick kämpft mit Altlasten

Für das Seminarhotel Seeblick läuft eine Nachlassstundung. Die Zukunft des Hotels sei aber nicht gefährdet. Es geht um alte Forderungen, auf welche die Gläubiger jetzt pochen.

Matthias Piazza
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Das Seminarhotel Seeblick mit seinen beiden Gebäuden in Emmetten, hoch über dem Vierwaldstättersee. (Bild: PD)

Das Seminarhotel Seeblick mit seinen beiden Gebäuden in Emmetten, hoch über dem Vierwaldstättersee. (Bild: PD)

Matthias Piazza

matthias.piazza@nidwaldnerzeitung.ch

Der Eintrag im Nidwaldner Amtsblatt vom 1. März liess aufhorchen: Dem vom Seminarhotel Seeblick in Emmetten beziehungsweise dessen Aktiengesellschaft eingereichten Gesuch um definitive Nachlassstundung wurde vom Gericht stattgegeben. Ist das beliebte Seminarhotel mit 200 Betten nach 45 Jahren am Ende? Diese Frage stellten sich offenbar viele Leute. «Wir haben verschiedene Telefonanrufe von besorgten Menschen erhalten. Sie sorgten sich zum Beispiel um ihre Vereins-GV, die sie bei uns für Frühling gebucht hatten», sagt «Seeblick»-Direktor Willy Graf auf Anfrage. «Wir müssen gegen viele Gerüchte ankämpfen, was sich auch negativ auf den Geschäftsgang auswirkt. Die Publizierung einer Nachlassstundung schreckt potenzielle Gäste ab. Das ist operativ sehr mühsam und bedauerlich.»

Dabei seien die Sorgen völlig umsonst. «Dass das Gericht dem Gesuch um Nachlassstundung stattgegeben hat, ist ein klares Zeichen dafür, dass Aussicht auf Sanierung besteht, was den entscheidenden Unterschied zum Konkurs ausmacht.» So auch in diesem Fall: Die Nachlassstundung wurde beantragt zur Sanierung und Weiterführung dieses gemäss eigenen Angaben bisher grössten Hotels im Kanton Nidwalden. Graf spricht von einem notwendigen Schuldenschnitt. Denn obwohl in den letzten zehn Jahren die Verschuldung deutlich verringert und die Hypothekar- und Darlehensschulden um 4,4 Millionen Franken reduziert werden konnten, ist die aktuelle Schuldenlast laut Graf immer noch zu hoch. Ausserdem haben in den letzten Monaten Darlehensgeber vermehrt ihr Geld zurückgefordert, das sie der Gesellschaft vor 20 bis 30 Jahren gewährt hatten. «Die Rückzahlung weiterer Darlehen und die Finanzierung anstehender Erneuerungsinvestitionen übersteigen den finanziellen Spielraum der Hotel Seeblick AG», so Graf.

Abgesehen von der immer noch zu hohen Schuldenlast befinde sich das Hotel in guter Verfassung und freue sich über kontinuierliche Buchungen von Seminar- und anderen Anlässen. «Es gibt weder Ausstände bei den Lohnzahlungen noch bei den Kreditorenrechnungen», beteuert Willy Graf. Überhaupt habe diese Nachlassstundung nicht den geringsten Einfluss auf das Tagesgeschäft. «Es geht alles seinen gewohnten Gang. Die Lieferanten und 30 Mitarbeiter bleiben uns treu und werden auch korrekt bezahlt.»

Nachlassstundung ermöglicht Schuldenschnitt

Das bestätigt auch Sachwalter Hans-Peter Lötscher. «Die Mitarbeiter als privilegierte Gläubiger mussten und müssen sich keine Sorgen machen.» Die Nachlassstundung habe vor allem einen Einfluss auf die Gläubiger der dritten Klasse – also auf die privaten Darlehensgeber. «Sie müssen je nach Ergebnis des Nachlassvertrages auf einen Teil ihrer Forderungen verzichten.»

Mit dem Entscheid zur definitiven Nachlassstundung, welche bis maximal zum 20. August dieses Jahres dauert, bestätige das Kantonsgericht den eingeschlagenen Weg und stufe die Sanierung als aussichtsreich ein, so Graf. Die Nachlassstundung ermöglicht die Erzielung eines Schuldenschnittes, der vor zehn Jahren deutlich höher ausgefallen wäre und der von den verbleibenden Gläubigern hoffentlich akzeptiert werde. «Mit einem Schuldenschnitt könnte sich das Seminarhotel Seeblick neu für die Zukunft positionieren», erläutert Graf. Voraussichtlich wird eine neue Trägerschaft das Hotel übernehmen. Bisher war die evangelische Freikirche Schweizerische Pfingstmission Mehrheitsaktionärin.

«Wir sind auf gutem Weg»

Es bestehe seitens Investoren Interesse. Man sei mit verschiedenen Käufern in Verhandlung, welche allerdings noch nicht bekanntgegeben werden dürften. In die Zukunft blickt Hoteldirektor Willy Graf deshalb zuversichtlich. «Mit den neuen Besitzverhältnissen werden auch eine erfolgreiche Weiterführung und die notwendigen Erneuerungen des Hotels möglich.» Dieser Einschätzung schliesst sich auch Hans-Peter Lötscher an. «Wir sind auf gutem Weg.»