EMMETTEN/NIEDERRICKENBACH: «Das ist Teamwork mit dem Höchsten»

Seit Studienzeiten sind sie alte Freunde. Innert einer Woche werden sie 80 Jahre alt. Ihre 160 Jahre feiern Pfarrer Albert Fuchs und Pfarrer Walter Mathis mit einem Dankgottesdienst morgen in Emmetten.

Marion Wannemacher
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Albert Fuchs, Kaplan von Niederrickenbach (links), mit Walter Mathis vor dessen Pfarrkirche in der Gemeinde Emmetten. Bild: Marion Wannemacher (Emmetten, 2. Februar 2017)

Albert Fuchs, Kaplan von Niederrickenbach (links), mit Walter Mathis vor dessen Pfarrkirche in der Gemeinde Emmetten. Bild: Marion Wannemacher (Emmetten, 2. Februar 2017)

Marion Wannemacher

marion.wannemacher@ nidwaldnerzeitung.ch

Es ist nicht der erste Geburtstag, den Pfarrer Albert Fuchs und Walter Mathis zusammen feiern. «Als wir beide zusammen 100 wurden, haben wir auch schon gemeinsam gefeiert,» erzählt Fuchs, Kaplan in Niederrickenbach. Freund Walter Mathis ist Pfarrer in Emmetten. Beide kennen sich seit ihrer Studienzeit am theologischen Seminar in Chur. Am Sonntag können sie nun den Hundertsechzigsten zusammen feiern. Innert einer Woche haben sie Geburtstag.

«Es wird ein Dankgottesdienst», erklären beide. Denn dankbar sind die beiden Freunde für so vieles in ihrem Leben. «Wir wohnen unter den Leuten, wir leben Kirche und Gemeinschaft. Wir können noch da sein, weil wir gesund sind», sagt Albert Fuchs. «Das ist Teamwork mit dem Höchsten», schmunzelt Walter Mathis. «Wir hören nicht auf zu arbeiten, solange wir gesund sind. Aber das können wir nicht selbst machen», ist er überzeugt.

Seelsorge gehört für beide zum Kerngeschäft

Zu ihren Aufgaben gehören vor allem Seelsorgedienste. Walter Mathis geht zu den Pfarreiangehörigen im Altersheim und im Spital, mittwochs hält er die Messe in der Dorfkirche Emmetten. Eins vom Wichtigsten sind für ihn Hausbesuche, «dahin zu gehen, wo die Menschen leben», sagt er. Als Kaplan an einem Wallfahrtsort betreut Albert Fuchs eine kleine Gemeinde mit 50 Menschen, 13 von ihnen sind Schwestern im Benediktinerkloster. Von Mai bis Oktober besuchen viele Pilger aus der Schweiz und dem Ausland den Marienwallfahrtsort. Seelsorge ist auch bei Kaplan Fuchs grossgeschrieben. Ausser dem direkten Kontakt führt er eine ausgiebige Korrespondenz mit Menschen, die ihm ihre Anliegen schildern.

Zu Pferde bis zu 30000 «Schäfchen» betreut

Viel haben Walter Mathis und Albert Fuchs in ihrem Leben als Pfarrer gesehen und erlebt. Nach einem kurzen Ausflug zu einem Psychologiestudium bei C. G. Jung in Zürich kehrte Mathis zur Theologie zurück ans theologische Seminar. Seine erste Stelle trat er in Näfels im Kanton Glarus an, ging dann für einen neunjährigen Einsatz nach Kolumbien als Diözesanpriester, wo er teils zu Pferd im Urwald einige seiner 30000 «Schäfchen» betreute. Danach arbeitete er 13 Jahre als Pfarrer in Ennetmoos und ging von dort aus nach Südafrika in die Nähe von Lesotho, in ein Apartheidsgebiet, wo Rassenhass, Aids und Armut noch immer an der Tagesordnung sind. Von Südafrika aus kam Walter Mathis nach Emmetten.

Albert Fuchs ist gebürtig aus Rickenbach bei Schwyz, wurde 1961 zum Priester geweiht, arbeitete 5 Jahre in Wädenswil im Kanton Zürich in einer Diasporagemeinde, war dann Pfarrhelfer in Hergiswil, danach 8 Jahre Pfarrer in Arth am Zugersee und 24 Jahre in Stans, bevor er Kaplan in Niederrickenbach wurde.

Gemeinsames Werk in Südafrika

In Südafrika betreuen Walter Mathis und Albert Fuchs das Zentrum Mount Carmel in der Diö­zese Aliwal North, das einheimische Jugendliche unterstützt. Das Projekt stammt aus der Zeit, als Mathis dort war. Einmal im Jahr fahren sie mit einer Delegation des Trägervereins dorthin. Der Bischof der südafrikanischen Diö­zese, Michael Wüstenberg, ist zur Geburtstagsfeier eigens nach Emmetten gereist. Noch viele andere werden morgen am Dankgottesdienst teilnehmen, die Mathis und Fuchs auf ihren Stationen begleitet haben.

«Bei uns beiden gehen Beruf und Hobby ineinander über», erzählt Mathis und bekennt auf sympathische Art: «Wir brauchen euch auch.» Für ihn steht fest: «Das ist ein Grundprinzip von Seelsorge. Man muss die Menschen gern haben. Das spüren die Leute.» Beide haben einen guten Draht zu den Schäfchen ihrer Gemeinden. Vielleicht liegt das auch an ihrer Herkunft: «Wir sind stolz darauf, beide aus Bauern­familien zu kommen. Das ist die ‹Graswurzeltheorie›», sagt der gebürtige Oberrickenbacher. Berggänger Mathis fachsimpelte einmal mit einem Bauern, der ihn nicht kannte, auf einer Alp über dessen Vieh. Als dieser vernahm, dass er einen Pfarrer vor sich hat, erschrak er über seine eigene derbe Ausdrucksweise und sagte: «Wenn ich das gewusst hätte, hätte ich schöner geredet.» Und jemand, dem Albert Fuchs früher einmal als Pfarrer von Stans vorgestellt wurde, gab zur Antwort: «Wenn das der Pfarrer von Stans ist, fresse ich einen Besen quer.» Ob ihm die Mahlzeit gemundet hat, ist nicht überliefert.

Hinweis

Dankgottesdienst für Pfarrer Albert Fuchs und Pfarrer Walter Mathis mit Handorgelklub Obbürgen, 10 Uhr, Pfarrkirche Emmetten mit anschliessendem Bauernbrunch im Mehrzwecksaal..