Emmetter Bürger kämpfen für ein Trottoir – nun steht eine Urnenabstimmung an

Der Abschnitt zwischen Sagendorf und Hattig-Hostatt braucht ein Trottoir – findet Anwohnerin Olivia Käslin. Der Gemeinderat sieht dies anders. Nun können sich die Emmetter an der Urne dazu äussern.

Matthias Piazza
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Olivia Käslin ist mit ihrer Tochter Ladina unterwegs auf der Seelisbergstrasse ohne Trottoir.

Olivia Käslin ist mit ihrer Tochter Ladina unterwegs auf der Seelisbergstrasse ohne Trottoir.

Bild: PD

Wer vom Quartier Hattig-Hostatt zu Fuss ins Dorf geht, muss ohne Trottoir auskommen. Stattdessen muss man sich seinen Weg auf einem schmalen Grasstreifen zwischen der stark befahrenen Strasse und dem Zaun suchen. Olivia Käslin, die im Hattig-Hostatt-Quartier wohnt, findet dies unzumutbar für die gut 40 Erwachsenen und 12 Kinder des Quartiers. «Vor allem für die Kinder ist der Schulweg gefährlich und je nach Stundenplan ist das Postauto keine Option. Und auch für uns Erwachsene ist der Weg ins Dorf nicht ungefährlich, gerade bei Nebel oder im Winter bei Schnee», meint die Mutter eines dreieinhalbjährigen Buben und eines zweijährigen Mädchens.

«Dabei sollten die Kinder doch zu Fuss unterwegs sein dürfen, ohne sich sorgen zu müssen.»

In ihrem Antrag, den auch ihre Nachbarn unterstützen würden, fordert sie vom Gemeinderat, dass ein Trottoir oder sonst eine geeignete Langsamverkehrsverbindung auf dem rund 500 Meter langen Abschnitt zwischen Sagendorf und Hattig-Hostatt geplant und gebaut wird. Die Gemeindeversammlung hätte innert Jahresfrist über die Pläne und die Kosten zu befinden. Das in den vergangenen Jahren stark angestiegene Verkehrsaufkommen mache ein Trottoir umso wichtiger. Gemäss der nationalen Verkehrsmessung 2016 hätten täglich 1390 Fahrzeuge beziehungsweise stündlich 58 Fahrzeuge die Seelisbergstrasse bei der Stelle Radelfingboden befahren. «Bei einem zehnminütigen Fussmarsch kreuzt man so gegen 10 Fahrzeuge auf dieser teilweise sehr unübersichtlichen Strasse, die mit Tempo 80 befahren wird.»

Urne statt Gemeindeversammlung

Die Emmetter können nun über den Antrag befinden, der verlangt, dass der Gemeinderat die Planung für ein Trottoir an die Hand nehmen soll. Allerdings nicht wie von Olivia Käslin verlangt an der Gemeindeversammlung vom 26. November, sondern an der Urnenabstimmung vom 29. November. «Der Entscheid ist damit breiter abgestützt», begründet Gemeindepräsident Anton Mathis den Entscheid.

Allerdings unterstützt der Gemeinderat das Begehren nicht. «Der Bau eines solchen Trottoirs wäre unverhältnismässig teuer für dieses kleine Quartier», begründet Anton Mathis die ablehnende Haltung. «Die Kinder können mit dem Postauto oder mit dem Velo zur Schule fahren. Mit 19 Kurspaaren und einem Abendbus mit Reservationspflicht ist das Gebiet Hattig ausreichend erschlossen.»

Als unrealistisch erachtet er auch die Fristen. «Für eine Langsamverkehrsverbindung müssten verschiedene Optionen geprüft werden wie Trottoir, Kombiweg, Wiesenweg. Ein Ingenieurbüro müsste ein Bauprojekt erarbeiten, um die Kosten zu ermitteln. Der Landerwerb und die Koordination würden zusätzlich Zeit beanspruchen.» Zudem sei diese Langsamverkehrsverbindung weder im Verkehrsrichtplan noch im Fusswegplan enthalten. Diese wäre in einem ersten Entwurf wohl frühestens im Herbst 2021 der Fall. Erst danach könnte die vom Kanton geforderte Mobilitätsstrategie erarbeitet werden, als Voraussetzung für die Realisierung der Langsamverkehrsverbindung.