Emmetter Segler verbringen Weihnachten unter Palmen statt unter dem Tannenbaum

Christian und Vreni Perret haben kurz vor Weihnachten mit ihrer Segeljacht Tringa die Atlantiküberquerung geschafft.

Philipp Unterschütz
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Christian Perret hat einen Leckerbissen gefangen: Bald landet der Kingsfisch in der Pfanne.

Christian Perret hat einen Leckerbissen gefangen: Bald landet der Kingsfisch in der Pfanne.

Bild: Christian Perret/PD

«Was ist es doch für ein unbeachteter Komfort, ein Werkzeug, sei es ein Schraubenzieher, Bleistift oder ein Glas Wein, einfach hinzustellen und nach 10 Sekunden ist es immer noch da!» Für Segler wahrlich eine nachvollziehbar bedeutende Feststellung. Insbesondere wenn man wie das Emmetter Ehepaar Christian und Vreni Perret während Tagen den Elementen auf dem offenen Atlantik getrotzt hat.

Der mehrfach ausgezeichnete bekannte Fotograf hatte im Mai 2018 seinen Beruf an den Nagel gehängt, um mit seiner Frau einen nächsten Lebensabschnitt auf der Segeljacht Tringa zu verbringen. Am 27. November lichteten sie in der Bucht von Mindelo auf den Kapverden den Anker. Nach 18 Tagen auf dem offenen Atlantik haben sie vor wenigen Tagen die Karibikinsel Martinique erreicht. Die auch für erfahrene Segler anspruchsvolle Atlantiküberquerung – 2300 Seemeilen – ist geschafft.

Weihnachten werden sie nun in einer kleinen Ankerbucht verbringen. «Wir fahren mit dem Beiboot an den Strand und schauen, dass uns keine Kokosnüsse auf die Köpfe fallen», scherzt Christian Perret in einem E-Mail. Natürlich würden ihnen Familie und Freunde fehlen. «Aber wir können ja nicht alles gleichzeitig haben.»

Vreni Perret beim Start zur Atlantiküberquerung am 27. November auf den Kapverden.
19 Bilder
2300 Seemeilen offener Atlantik liegen vor Vreni und Christian Perret.
Blick ins Innere der Segeljacht Tringa.
Für Nahrung wird auch selber gesorgt.
Immer wieder fantastische Sonnenuntergänge und Wolkenspiele auf hoher See.
Die Sonnenuntergänge bestätigen das Feeling "going West".
Zwischendurch bleibt auch etwas Zeit zum Geniessen.
Die Flagge lässt die Kraft von Wind und Wetter erahnen.
Beeindruckende Wetterspiele über dem Atlantik.
Immer wieder landen fliegende Fische auf Deck.
Wetterspiele auf hoher See.
Die bis zu drei Meter hohe Dünung kombiniert mit Wellen sorgt für anspruchsvolle Segelverhältnisse.
Christian Perret hat wieder einen Leckerbissen gefangen.
Die Beute ist ein Wahhoo oder Kingsfisch.
Was macht man auf hoher See mit dem Abfall? Ins Meer werfen kommt nicht in Frage. Vreni Perret zerkleinert Plastik und stopft ihn in grosse Pet-Flaschen, die dann im Hafen entsorgt werden.
Weissbauchtölpel kündigen an, dass es bald heisst: Land in Sicht!
Ein gewaltiges Gefühl: Nach 18 Tagen ist es geschafft. Der Leuchtturm an der Südspitze von Martinique.
Die Perrets sind nicht die einzigen. Hinter dem Mastenwald liegt Port Marin.
Die Bucht von Port Marin auf Martinique.

Vreni Perret beim Start zur Atlantiküberquerung am 27. November auf den Kapverden. 

Bild: PD/Christian Perret

Es blieb nichts anderes, als durchzusegeln

Sie hätten sich die Atlantiküberquerung etwas entspannter vorgestellt, schreibt Christian Perret. Man möge vielleicht denken, 18 Tage nur Wasser, nichts als Wasser, sei doch furchtbar langweilig. «Darüber konnten wir uns nicht beklagen.» Während der ganzen Passage hätten sie den Passat von hinten gehabt. «Diese Windrichtung ist für unser Boot mit nur zwei Crewmitgliedern und mit bis zu drei Meter hohen Wellen nicht bequem.» So kam es in der siebten Nacht auch zu einem Schaden durch eine «gemeine, hohe Welle». Und nach der notdürftigen schweisstreibenden Reparatur stürzte Christian Perret nach dem Duschen durch einen erneuten Wellenschlag die Treppe zur Kajüte hinunter. «Meine Rippen und die Schulter waren mit diesem Abgang sehr unzufrieden. Vreni auch, da sie ab diesem Sturz nun fast alles alleine machen musste.» Schmerzmittel, die sie dabei hatten, machten die weitere Reise für Christian Perret erträglicher. «Unsere Seglerei wurde aber sehr defensiv, ganz nach dem Motto: ‹Möglichst bequem und einfach, Geschwindigkeit ist kein Thema mehr!›»

Mittlerweile war er in Martinique beim Arzt. «Meine Rippen sind zum Glück nicht gebrochen, aber gestaucht und die Muskeln dazwischen angerissen. Bitte nicht husten, niesen oder lachen! Das Atmen fällt mir inzwischen wieder etwas leichter und das Schlafen im ruhigen Schiff wirkt Wunder», schreibt Christian Perret. Und so ist das Paar denn auch zu Recht einigermassen stolz, trotz Havarie und Verletzung die Überquerung ohne grosse Krisen geschafft zu haben. «Allerdings blieb uns ja auch nichts anderes übrig, als durchzusegeln.»

Frischer kann der Fisch gar nicht sein

Trotz dieser Zwischenfälle genossen die beiden Segler das Leben auf hoher See in vollen Zügen. Sie freuten sich über Begegnungen mit Walen, Delfinen, Sturmtauchern, Wellenläufern, und an den fliegenden Fischen, die sie beinahe jeden Morgen auf Deck einsammelten. Aber auch an den imposanten Wolkenbildern, an kitschigen Sonnenuntergängen, am Vollmond und am gewaltigen Sternenhimmel. «Wir haben tagsüber fast immer gefischt. So bescherte uns der Atlantik viermal einen schönen Fang, der für einige Tage reichte. Allerdings wussten wir nicht immer genau, was für Fische das waren. Aber es schmeckten alle ausgezeichnet und sie waren offenbar nicht giftig.»

Wie es nun weitergeht, haben Christian und Vreni Perret noch nicht beschlossen. «Nach einer so langen Reise möchten wir nun diese Inselwelt geniessen. Ein erfahrener Weltumsegler riet uns, mindestens zwei Wochen zu warten, um die Überquerung zu verdauen und erst dann grundsätzliche Entscheidungen zu treffen.»