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Emotionaler Abschied alter MNA-Kämpfer in Stans

Auf dem Höhepunkt seines Kampfes gegen ein Atommülllager im Wellenberg zählte das MNA 800 Mitglieder. Die Nidwaldner Volksbewegung war auf allen politischen Ebenen siegreich. Nun löste sie sich in einem emotionalen Akt selber auf.
Romano Cuonz
Drei alte «Winkelriede» im Kampf gegen ein Atommülllager Wellenberg blickten nochmals zurück (von links): Leo Odermatt, Fredi M. Murer und Peter Steiner. (Bild: Romano Cuonz (Stans 29.Juni 2019))

Drei alte «Winkelriede» im Kampf gegen ein Atommülllager Wellenberg blickten nochmals zurück (von links): Leo Odermatt, Fredi M. Murer und Peter Steiner. (Bild: Romano Cuonz (Stans 29.Juni 2019))

«Noch habe ich das unglaubliche Bild vor mir, wie gleich zwanzig schwere Traktoren den Neuauftritt der Nagra in Wolfenschiessen störten und ein Bauer drohte, dass man ein nächstes Mal mit ‹Güllenfässern› auffahren werde», schildert Peter Steiner, heutiger Präsident des MNA (Komitee für die Mitsprache des Nidwaldner Volkes bei Atomanlagen). Diese Kundgebung fand 2009 statt, als das Bundesamt für Energie gegen den Willen des Nidwaldner Volkes eine Neuauflage des Projekts Wellenberg erwog. «Vor der Halle in Stans, wo die Nagra ihre Pläne erläutern wollte, protestierten Aberhunderte, in der Halle aber blieben an einer Hand abzählbare Offizielle unter sich», lacht er.

Und nochmals sieht man in seinen Augen das alte Feuer aufglühen. Die Grossdemonstration führte damals zu einem der vielen Teilsiege, die das MNA ab 1986 erringen konnte. Meist war der Kampf hart und nur dank grossem Engagement vieler eigentlicher «Winkelriedfiguren» zu gewinnen. Sehr eindrücklich zeigte sich dann das Resultat 2018: Nochmals unterstützten nicht weniger als 89 Prozent aller Nidwaldnerinnen und Nidwaldner den Regierungsrat, als dieser in einer Vernehmlassung das endgültige Ausscheiden des Wellenbergs als möglicher Standort für ein Tiefenlager forderte.

1986 offerierte der damalige Justizdirektor Hugo Waser der Nagra das Nidwaldner Kantonsgebiet als Standort für ein Atom-Endlager. Der berüchtigte Brief von damals scheint an der Leinwand nochmals auf. Er war es, der die beinahe unendliche und emotionale Geschichte, die das MNA in 34 Jahren geschrieben hat, initiierte. Einige Eckdaten: 1987 reicht die Nagra ein Sondiergesuch für den Wellenberg ein. Vorgesehen ist auch ein Tiefenlager für langlebige Abfälle. Die Landsgemeinde verwirft darauf die positive Stellungnahme der Regierung.

Wohl entscheidende Volksinitiative 1994

1994 wird die wohl entscheidende Volksinitiative gutgeheissen: Sie verlangt, dass künftige Entscheide über den Wellenberg an der Urne gefällt werden müssen. Mithin ein Grund dafür, dass 1997 die Landsgemeinde abgeschafft wird. 1998 dann ein wichtiger Erfolg: MNA-Präsident Leo Odermatt wird als bislang einziger Grüner in den Regierungsrat gewählt. Doch die Nagra hält am Wellenbergprojekt fest. Und: Wie nun der Bund, mittels Kernenergiegesetz, auch noch die kantonale Mitentscheidung ausser Kraft setzt, ist Feuer im Dach. Jetzt kommt es zu eingangs erwähnten Grossdemonstrationen und Mahnfeuern. Nur so gelingt es dem geeinten Volk, endlich auch die Regierung auf seine Seite zu ziehen. Indessen, so Steiner: «Erst als ein im Auftrag der Regierung erstelltes Gutachten die Einschätzung des MNA bezüglich Erdbebengefahr bestätigt, ist der Wellenberg wirklich vom Tisch.»

Viele Erinnerungen werden wach

Bevor sich das MNA an seiner 34. Generalversammlung selber auflöst, ergreifen viele der alten Kämpfer nochmals das Wort. Zu wach sind die vielen Erinnerungen. Leo Odermatt besinnt sich darauf, wie schwer es ihm gefallen ist, als er als Landammann einen Mehrheitsentscheid der Regierung zu Gunsten der Nagra hätte mittragen müssen. Weil er sich nie kaufen lassen wollte, hatte er sich dann standhaft geweigert. Filmemacher Fredi M. Murer eröffnet der Versammlung, dass sein damals so wichtiger Film «Der grüne Berg» dieses Jahr in Locarno wieder zu sehen sein wird. Anlässlich der Verleihung eines Leoparden an ihn. Und Murer fragt: «Wie viele Kinder, die damals redeten, sitzen heute da?» Professor Fredy Breitschmied, der wichtige MNA-Berater in Sachen Geologie überreicht dem sichtlich gerührten Peter Steiner als symbolisches Andenken einen Valanginien-Mergelstein.

Die Auflösung des Vereins, der heute noch 150 Mitglieder zählt, geht dann sehr schnell und ohne jede Gegenstimme über die Bühne. Ein Darlehen von 41 416 Franken an die Genossenschaft für erneuerbare Energien Nidwalden wird in eine Schenkung umgewandelt. Mit 2000 Franken will man eine Publikation im Nidwaldner Kalender zum Kampf um den Wellenberg ermöglichen. Auch die Schweizerische Energiestiftung, der WWF und Greenpeace erhalten noch kleine Beiträge aus dem Restvermögen.

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