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Endlich Zeit für tiefere Gespräche auf dem Versöhnungsweg in Büren

Stimmungsvoll und besinnlich ist der Versöhnungsweg. Seit vielen Jahren gehen ihn zumeist Eltern mit ihren Kindern. In Büren waren kürzlich 25 Familien unterwegs. Das Echo fiel offensichtlich positiv aus.
Marion Wannemacher
Erwin Gut und Tochter Melya begaben sich in Büren auf den Versöhnungsweg. (Bild: Dominik Wunderli (7. Februar 2019))

Erwin Gut und Tochter Melya begaben sich in Büren auf den Versöhnungsweg. (Bild: Dominik Wunderli (7. Februar 2019))

Es dämmert und regnet aufs Dach vom «Brüggli-Chäppeli». Ringsum taut der Schnee und hinterlässt schmutzige Rinnsale. Eigentlich ein Wetter, an dem man lieber daheim wäre in der Wärme. Esther Bühlmann und ihre Tochter Anouk Scheuber aus Büren scheint das nicht zu stören. Ja, sie sei schon gespannt auf das, was da auf sie warte, erzählt die Neunjährige. «Den Weg haben wir uns im Unterricht schon mal zusammen angeschaut, ansonsten ist alles eine Überraschung», sagt sie.

Erwartungen hat vor allem ihre Mutter: «Der Versöhnungsweg kann ein neuer Denkanstoss, ein Impuls sein», hofft sie. Er biete die Möglichkeit, sich ganz bewusst Zeit zu nehmen füreinander. «Es gibt mir Gelegenheit, mit meiner Tochter über Dinge zu reden, die man sonst auf die Seite schiebt.»

Und welche Farbe hat eigentlich Gott?

Anouks Religionslehrerin Hildegard Zumbühl weist die beiden kurz ein, dann geht es los. Die Familien starten gestaffelt. Vor ihnen befinden sich Erwin und Melya Gut aus Oberdorf. Für die Posten mit verschiedenen Aufgaben ist jeweils eine Viertelstunde vorgesehen.

Station eins ist das von Kerzen beleuchtete «Chäppeli». Auf folierten Blättern gibt es Denkanstösse: «Unter dem Motto ‹Läbäsfarbe› habt ihr die Möglichkeit, die Sonnen- und Schattenseiten in euerm Leben zu suchen und unter die Lupe zu nehmen. Jedes Familienteam darf sich überlegen, welche Farben zu welchen Stimmungen passen, welche Farbe der eigenen Stimmung entspricht und ein bisschen ins Philosophieren kommen: Welche Farbe hat eigentlich Gott?»

Auf einem von Kerzen beleuchteten Pfad geht es weiter zum Schulhaus ins Musikzimmer im Untergeschoss. Dieser Posten heisst «Raum der Familie». Dort ist ein Tisch für zwei gedeckt, ein lebensnahes Beispiel vom Streit beim Znacht gibt es via DVD. Ein Aufsteller regt das persönliche Gespräch an: «Was gefällt mir an meiner Familie, was mag ich an den anderen? Was läuft nicht immer gut und was hat Probleme gegeben?», ist da zu lesen.

«Wichtig ist einfach miteinander ins Gespräch zu kommen», findet Religionspädagoge Markus Leuthold. «Auch die anderen Seiten dürfen angesprochen werden». Wichtig sei ihm, dass die begleitende Person fürs Kind jemand Vertrautes sei. Auch sollten nicht nur Schwächen, sondern auch Stärken zur Sprache kommen. Es gehe ausserdem darum, etwas zu lernen, etwa zu verstehen, warum Versöhnung wichtig sei.

«In der katholischen Kirche sind Versöhnung und Busse ein Sakrament, die Beichte als Form ist nicht mehr zeitgemäss, mit der Zeit hat sich entwickelt, dass es eine andere Form der Versöhnung braucht», erklärt Leuthold zum Hintergrund. Hildegard Zumbühl, die die Kinder im Religionsunterricht auf den Versöhnungsweg vorbereitet hat, lobt das ökumenische Angebot: «Es ist eine zeitgemässe Form der Versöhnung mit Kopf, Herz und Hand. Auf diesem Weg werden alle Sinne mal angesprochen.»

Seit rund 15 Jahren gibt es den Versöhnungsweg in Büren. In Stans etwa wird er alle zwei Jahre angeboten, da der Religionsunterricht von Dritt- und Viertklässler zusammen stattfindet. Über 60 Familien haben in diesem Januar im Hauptort am Versöhnungsweg teilgenommen. Auch in anderen Gemeinden gibt es ähnliche Angebote.

Sorgensteine gemeinsam ablegen

An den Stationen geht es um Familie, Beziehung zu Freunden, Mitschülern, Kollegen im Verein und um die Beziehung zur Schöpfung. Ein Raum der Stille auf dem Estrich lädt dazu ein, die Gedanken zu vertiefen. In der von Kerzen erleuchteten Kirche nebenan dürfen die Familien symbolische Steine ablegen für das, was sie belastet, beten und die Kinder dürfen Kerzen basteln. Beim gemütlichen Imbiss mit Suppe, Wienerli und Chräpfli finden die Familien zusammen.

Das Duo Erwin und Melya Gut zeigt sich begeistert. «Ich bin nicht mit grossen Erwartungen gestartet und sehr positiv überrascht», erzählt der Vater. «Man hat sich die Zeit genommen, was im Alltag nicht immer vorkommt. Zuletzt gab es auch mal eine kleine Meinungsverschiedenheit, wir konnten darüber diskutieren und die andere Seite hören. Das war eine gute Sache.»

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