ENNETBÜRGEN: Beinahe hätte sie die Premiere verpasst

Zuerst wollte Vreni Barmettler bei den Berufsmeisterschaften gar nicht teilnehmen. Jetzt gehört die angehende Schreinerin zum Nationalkader.

Marion Wannemacher
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Vreni Barmettler beim Zuschneiden von Brettern für eine Bar und mit dem Blumenständer, mit dem sie sich für die Schweizer Meisterschaften qualifiziert hat. (Bild Marion Wannemacher)

Vreni Barmettler beim Zuschneiden von Brettern für eine Bar und mit dem Blumenständer, mit dem sie sich für die Schweizer Meisterschaften qualifiziert hat. (Bild Marion Wannemacher)

«Also damit hätte ich wirklich nicht gerechnet. Ich wäre schon froh gewesen, wenn ich unter die ersten zehn gekommen wäre», erzählt Vreni Barmettler und lacht. Als Zweite konnte sie sich bei den Schreinermeisterschaften in Aarau durchsetzen und sich damit für die Schweizer Nationalmannschaft qualifizieren. Im September ist Schweizer Meisterschaft in Bern. Dabei wäre sie beinahe schon nicht zur Vorentscheidung, den Sektionsmeisterschaften, angetreten. «Soll ich, oder soll ich nicht?», hatte sie sich gefragt, als man sie dazu eingeladen hatte.

Zum Glück ging Vreni Barmettler. Sie wurde Zweitbeste und nahm dann an der überregionalen Meisterschaft in Aarau teil. An der Aargauer Messe wetteiferten 30 angehende Schreiner um den besten Blumenständer. «Im Messezelt stand ich ausgerechnet zuvorderst, wo die Leute einem über die Schulter schauen und einen kommentieren konnten.» Die 21-Jährige setzte ihren Gehörschutz auf und versuchte, sich nicht beirren zu lassen. Der Erfolg gab ihr Recht. Die strengen Blicke der Jury befanden ihr Werk für gut.

Als erste Frau an der Meisterschaft

Gemeinsam mit Reto Ettlin aus Kerns hat sie sich in die neunköpfige Nationalmannschaft geschreinert. Ein seltener Erfolg, den der Schreinerverband Unterwalden kürzlich an seiner GV feierte: gleich zwei Teilnehmer und dann – noch nie da gewesen – eine Frau. Vor der Schweizer Meisterschaft in Bern gilt es nun Trainingsweekends und Anlässe zu bewältigen, die bereits zur Wertung mitzählen. Die zwei Besten in Bern gehen im nächsten Jahr nach Brasilien zu den World Skills.

Stolz ist nicht nur der Freund, sondern sind auch die Eltern, vor allem der Vater. Ihr Ausbildungsbetrieb, die Klosterschreinerei Engelberg, widmet ihr eine offizielle Gratulation auf der Webseite.

Mit Liebe zum Holz gross geworden

Offensichtlich hat die junge Ennetbürgerin den richtigen Beruf für sich gefunden. «Ich wollte schon immer etwas Kreatives machen», berichtet sie. Zum Werkstoff Holz habe sie eine besondere Beziehung. «Wir wohnen daheim in einem Rundholzhaus», erzählt sie von ihrer Familie, den Eltern und den drei Geschwistern (19, 18 und 16 Jahre).

Schon allein der Geruch von Holz beim Arbeiten sei speziell. «Wenn man eine ganze Serie aus Arve, Esche, Ulme oder Nussbaum macht, riecht man sofort, welches Holz es ist.» Das Verarbeiten von Massivholz bringt sie zum Schwärmen: «Es geht nicht einfach darum, etwas zuzuschneiden oder zusammenzuleimen. Man muss ganz viele Dinge beachten, aufs Bild achten und darauf, dass die Jahrringe richtig laufen.»

Zierlich ist sie, die angehende Schreinerin. Nur zögernd antwortet sie auf Nachfragen, dass sie 1,55 Meter misst. «Muss das in den Artikel?», fragt sie. «Mit dem Heben habe ich nicht so viel Probleme», versichert sie. «Wenn wir was Schwereres haben, helfen mir meine Kollegen.» Schreiner sei vielleicht ein Männerberuf, es gebe aber immer mehr Frauen. Bei der Klosterschreinerei arbeiten ausser ihr noch zwei andere Frau im achtköpfigen Schreinerteam.

Vorurteile begegnen ihr höchstens mal von älteren männlichen Kunden. «Wenn Leute zu uns kommen, sind sie zuerst mal in der Werkstatt. Wenn ich sie dann frage, wie ich ihnen helfen könne, schenken mir ältere Männer eher mal einen kritischen Blick. Die glauben dann, ich arbeite im Büro.»

Zu einem Drittel Restauration

Als Betrieb hat die Klosterschreinerei Aufträge vom Kloster und auch von ausserhalb. Diese reichen vom Innenausbau bis zur Fertigung von neuen Möbeln und zur Restaurierung von antiken Möbeln. Ausserdem restauriert die Schreinerei Parkettböden. Zu einem Drittel übernimmt sie Restaurationen, so die Renovation der Klosterkirche oder des klostereigenen Gasthauses Grafenort.

Am Morgen hat Vreni Barmettler einen Gesangbuchwagen für die Klosterkirche fertiggestellt. Jetzt ist sie an kleineren Aufträgen. Ein Dossier belegt ihre Arbeiten von einer Hochzeitsbank aus Nussbaum über einen Tisch oder ein Hochbett für ein Kinderzimmer und viel mehr. Ihre Abschlussarbeit kann sie sogar selbst nutzen: ein Regal aus Birnbaum mit Tablaren zum Herausnehmen. «Das steht jetzt in meinem Zimmer daheim», erzählt sie.

Weiterbildung im Blick

Im Sommer schliesst Vreni Barmettler ihre Lehre ab. Sie darf bei der Klosterschreinerei bleiben. Als berufliches Weiterbildungsziel lockt die Projektleiterschule auf dem Bürgenstock.

Und in der Freizeit? Vreni Barmettler nimmt Gesangsstunden, zweimal im Jahr ist sie bei einen Auftritt mit einem Ensemble im Ort zu hören. Ausserdem ist die aktive 21-Jährige Jubla-Lagerleiterin. «Im Juli gehen wir ins Entlebuch», freut sie sich bereits jetzt.