ENNETBÜRGEN: Der Frieden erhält noch mehr Platz

Heute vor 70 Jahren pflanzten die Dorfbewohner zum Kriegsende die Friedenslinde. Heute gibt es dazu wieder eine Feier. Zeitzeugen erinnern sich.

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Zeitzeugen unter der Friedenslinde (von links): Werner Gabriel und Arnold Odermatt aus Ennetbürgen.

Zeitzeugen unter der Friedenslinde (von links): Werner Gabriel und Arnold Odermatt aus Ennetbürgen.

Marion Wannemacher

Ein älterer Mann sitzt auf der Bank unter der mächtigen Friedenslinde. Es ist Werner Gabriel. Vor genau siebzig Jahren war er dabei, als die Linde als zartes Bäumchen von der damaligen Jungmannschaft eingepflanzt wurde. «Ich war vermutlich das erste Mal an einem Abend im Dorf», erinnert er sich. «Ich war damals erst sechseinhalb Jahre, ich durfte mit meiner Mutter und ein oder zwei Geschwistern an der Feier teilnehmen.» Gabriel erinnert sich, dass die Glocken läuteten.

Zwei Zeitzeugen unter der Linde

Zu ihm hat sich Arnold Odermatt auf die Bank gesellt. Sie ist neu und mit einer weiteren zum Jubiläum 70 Jahre Kriegsende auf Initiative vom Gemeinderat ergänzt worden. Am Abend ist Bankeinweihung, es gibt ein Friedenskonzert, Werner Gabriel gehört zu den Festrednern. Auch Arnold Odermatt war damals dabei: «Ich war in der fünften Klasse, und wir haben ein Lied gesungen, vermutlich die Landeshymne.»

«Sicher waren die Leute glücklich und befreit», erinnern sich beide, «aber es war nicht direkt Feststimmung.» Vom Pfarrhaus aus sei per Radioempfänger eine Ansprache des Bundespräsidenten übertragen worden. Die Friedenslinde habe damals auf der Schifflände in Buochs gewartet, beschreibt Elmar Rotzer, Leiter der katholischen Pfarrei St. Anton im Pfarreiblatt. Einige Schulklassen hätten den Baum dann mit dem Genossenschaftskarren der Volg abgeholt. In den Sechzigern erhielt die Strasse, die von der Friedenslinde aus Richtung See führt, deshalb den Namen «Friedensstrasse».

Anbau sogar am Berg

Ruhiger als heute sei es damals gewesen, sind sich die beiden älteren Männer einig. Es habe ja auch kaum mehr als eine Handvoll Autos im Ort gegeben. Geprägt war das Dorf von der «Anbauschlacht» nach dem Plan Wahlen. Die Anbaufläche für Selbstversorgung war vorgeschrieben: «Sogar noch am Berg musste Ackerbau betrieben werden», sagt Gabriel und zeigt auf den Hang, wo heute Wohnblöcke stehen. «Auf der ganzen Allmend wurde Getreide und Kartoffeln angebaut», weiss er.

Zu tun gab es daheim auf der Birchen immer etwas: Auf dem Hof wurde Milchwirtschaft betrieben, Schweine, Schafe, Hühner und «Küngel» wurden gehalten. Kleintiere waren begehrte Fleischlieferanten. Die Landwirtschaftliche Genossenschaft stellte den Bauern Pflug, Egge, Walze und Sämaschine zur Verfügung. «Mein Vater war oft tagelang mit seinem Ross und den Maschinen auch für andere auf der Allmend im Einsatz», erzählt Werner Gabriel. Auch als Jüngster von neun Kindern hatte er seine Aufgaben: «Mutter hatte zwei grosse Gärten, das war ein Nebenverdienst.» Die Hausaufgaben wurden nach dem Znacht erledigt.

Rationierung ab 1942

1942 habe die Rationierung angefangen, bis 1948 sei immer mehr dazugekommen. Der Tauschhandel blühte. «Wir tauschten in dieser Zeit Kleider gegen Brot», erinnert sich Arnold Odermatt. Alles in allem sei aber niemand verhungert, sind sich beide einig. «Es war eine strenge, aber auch eine lustige Zeit. Die Leute haben einander geholfen», so Gabriel.

Hinweis

Die Pfarrkirche Ennetbürgen feiert 70 Jahre Kriegsende: Sitzbankeinweihung 19 Uhr an der Friedenslinde, 19.45 Friedenskonzert in der Pfarrkirche, 20.45 Uhr Friedensfeuer, 22 Uhr Kaffee und Kuchen im Gemeindesaal.