ENNETBÜRGEN: «Der Zeitpunkt war nicht absehbar»

In Ennetbürgen ist die Stützmauer eines Wanderweges eingestürzt. Passiert ist dies trotz Kontrolle. Völlig ausschliessen liessen sich solche Vorfälle nicht, sagt Rudolf Günter, Leiter der Fachstelle für Wanderwege Kanton Nidwalden.

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Rudolf Günter, Leiter der Fachstelle für Wanderwege und stellvertretender Oberförster des Kantons Nidwalden. (Bild pd)

Rudolf Günter, Leiter der Fachstelle für Wanderwege und stellvertretender Oberförster des Kantons Nidwalden. (Bild pd)

Wie schon beim Felsenweg hat wieder eine Stützmauer eines Wanderweges am Bürgenstock nachgegeben. Werden solche Trockensteinmauern kontrolliert?
Rudolf Günter: Die Kontrolle von Kunstbauten entlang von Wanderwegen gehört zum Unterhalt, für den die Gemeinden verantwortlich sind. Die Wanderwege werden regelmässig begangen und kontrolliert, mindestens einmal pro Jahr, in der Regel vor der Wandersaison. Zu diesen Kontrollgängen gehört auch die Beurteilung von Bauwerken wie Brücken oder Stützmauern.

Warum hat man die Schwachstelle beim Wanderweg zur Nas trotzdem nicht bemerkt?
Günter: Der Zeitpunkt des Einsturzes war nicht absehbar. Anzeichen für eine schwächelnde Mauer sind beispielsweise einzelne fehlende Steine oder wenn die Mauer ausgebaucht ist. Ich gehe davon aus, dass solche Anzeichen beim Kontrollgang des Wegverantwortlichen fehlten. 

Wie alt ist die Trockensteinmauer beim Wanderweg zur Nas?
Günter: Sie wurde im Zweiten Weltkrieg von internierten Polen gebaut und ist demnach etwa 60- bis 70-jährig. Der Weg an der Nas diente dem Militär als Zugang zu seinen Anlagen.

Wie sind solche Stützmauern gebaut?
Günter: Trockensteinmauern zeichnen sich dadurch aus, dass kein Beton oder Mörtel verwendet wird. Die Steine müssen so genau gerichtet werden, dass nur feinste Fugen entstehen. Fachgerecht aufgebaut sind sie sehr langlebig und stabil. Solche Mauern bieten zudem diversen Lebewesen einen geschützten Lebensraum. Sie sind oftmals Zeugen vergangener Zeiten. Der Bau einer guten Trockensteinmauer verlangt viel Erfahrung und Geschick. 

Wie lange halten erfahrungsgemäss solche Mauern?
Günter: Je nach Grösse der Mauer, je nach Machart und handwerklicher Qualität, aber auch je nach Exposition und Beanspruchung durch die Benutzer kann eine Trockensteinmauer mehr als 100 Jahre halten. Entscheidend für die Lebensdauer ist jedoch immer, dass die Erbauer etwas von ihrem Handwerk verstehen und die Mauern nicht durch äussere Einflüsse wie etwa Steinschlag oder Auswaschung beschädigt werden.

Interview Geri Wyss

Das ausführliche Interview lesen Sie am Mittwoch in der Neuen Nidwaldner Zeitung.