Ennetbürgen
Die Bereitschaft, Blut zu spenden, ist während Corona gestiegen

Zweimal jährlich findet in Ennetbürgen eine Blutspendeaktion statt. Alleine am Dienstag kamen über 100 Spender und liessen sich auch von Wartezeiten nicht abschrecken.

Irene Infanger
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Es ist kurz nach 18 Uhr am Dienstagabend. Seit gut einer Stunde findet im Gemeindesaal von Ennetbürgen die Blutspendeaktion dieses Frühjahres statt. Draussen, neben dem Fahrzeug des SRK-Blutspendedienstes Zentralschweiz, warten vier Personen. Eine Art Triage: Bevor man rein darf, fragt eine Samariterin nach dem Befinden, ob man in den letzten zwei Wochen Erkältungs- oder Grippesymptome, Kontakt zu Coronaerkrankten sowie in den vergangenen vier Wochen selbst eine bestätigte Coronainfektion hatte. Nur, wer die Fragen mit Nein beantworten kann, darf die Spende-Einrichtung betreten. Die Wartenden nehmen es gelassen, wie jene Frau, die nach langer Pause wieder Blut spenden will. Zeit spielt ihr keine Rolle und Bedenken, gerade während der Pandemie zu spenden, hat sie keine. «Ich gehe davon aus, dass die Organisatoren alles im Griff haben», sagt sie und darf bereits einen «Posten» weiter.

Daniel Flüeler seinerseits ist regelmässig zu Gast an der Blutspendeaktion. Er kommt direkt von seiner Arbeit. Die Schlange draussen überrascht ihn, dennoch bleibt er stehen. Seit vielen Jahren lässt er sich Blut entnehmen, daran ändert auch Corona nichts. «Deswegen habe ich überhaupt keine Bedenken.»

Trotz gutem Willen: Nicht alle Anwesenden dürfen spenden

Im Eingangsbereich weist Ruth Weber jedem Eintretenden einen Platz zu und fragt nach dem medizinischen Fragebogen. Erstspender können diesen an einem Tisch ausfüllen, was Mehrfachspender meist schon zu Hause erledigen. «Es sind bereits sehr viele Leute gekommen, auch viele Erstspender», erklärt die Ennetbürger Samariterin erfreut. Sind alle Unterlagen parat, schickt sie die Spender weiter zu einem kurzen medizinischen Check. Sind Blutdruck und Puls in Ordnung, wird mit einem kleinen Stich in den Finger noch der Hämoglobinwert gemessen. Zeigt sich dabei, dass die Zahl der Blutkörperchen zu gering ist, darf kein Blut gespendet werden. Auch die Einnahme medikamentöser Produkte in den letzten Tagen kann für einen Negativentscheid sorgen.

«Die Kriterien sind enorm, es kommen immer wieder neue Punkte dazu, die wir beachten müssen», erklärt eine Mitarbeiterin des Blutspendedienstes. Trotz des guten Willens: Auch an diesem Abend mussten Spender abgewiesen werden. «Die Zahl der Abweisungen aufgrund von Reisetätigkeiten ist während Corona stark zurückgegangen. Dafür gibt es mehr Rückweisungen wegen Erkältungssymptomen», sagt Kathrin Brunner, eine der sieben Fachpersonen, die den Spendern Blut entnehmen. Corona halte die Menschen aber erfreulicherweise nicht vom Spenden ab. «Wir zählen definitiv nicht weniger Spender.»

10'000. Spender erhält ein Geschenk

Für Daniel Flüeler geht es bereits in die finale Runde. Er darf es sich auf einer Liege bequem machen und wird für die Blutspende vorbereitet. Plötzliches Trommeln lässt alle aufhorchen: Paul Mathis, Präsident des Samaritervereins Ennetbürgen, verkündet die frohe Botschaft, dass an diesem Abend der 10'000. Spender in Ennetbürgen seit Beginn der Zählung durch den Blutspendedienst Zentralschweiz gezählt werden darf. Es ist dies Miroslav Pinos aus Ennetbürgen. Flüeler ist der 9999. Spender. Er lacht. «Was für ein Zufall, ich war schon der 8999. Spender.» Er kann es kaum fassen, dass er gut fünf Jahre später wiederum ein kleines Präsent des Samaritervereins entgegennehmen darf. Gemeinsam mit Miroslav Pinos und Marco Odermatt, welcher der 10'001. Spender ist.

Über 10'000 Blutspender durfte der Samariterverein Ennetbürgen seit Beginn der Zählung begrüssen. Am Dienstag wurden der 9999., 10'000. und 10'001. Spender mit einem Geschenk geehrt.

Über 10'000 Blutspender durfte der Samariterverein Ennetbürgen seit Beginn der Zählung begrüssen. Am Dienstag wurden der 9999., 10'000. und 10'001. Spender mit einem Geschenk geehrt.

Bild: Irene Infanger (Ennetbürgen, 20. April 2021)

Um 20 Uhr – die drei Beschenkten haben sich mittlerweile auf den Nachhauseweg gemacht – sind immer noch sämtliche 14 Liegen für die Blutentnahme besetzt. Zahlreiche Spender warten noch auf ihren Moment. Die Mitarbeiter des Blutspendedienstes betreuen jeweils zwei Personen. Stefan Mathis aus Ennetbürgen hat in der hinteren Ecke Platz genommen und streckt seinen linken Arm hin. Der Stich sitzt, das Blut läuft langsam durch den Schlauch in den Beutel. Gut zehn Minuten dauert es, um die 450 Milliliter Blut abzupumpen. Die Ennetbürger Samariter unterstützen die Fachleute, weisen die Leute auf ihre Plätze, bringen Material und desinfizieren die Liegen, bevor die nächsten Spender kommen.

Stefan Mathis aus Ennetbürgen war eine von zahlreichen Personen, die am Dienstag in Ennetbürgen Blut spendeten.

Stefan Mathis aus Ennetbürgen war eine von zahlreichen Personen, die am Dienstag in Ennetbürgen Blut spendeten.

Bild: Irene Infanger (Ennetbürgen, 20. April 2021)

Sie sind es auch, die den Spendern am Schluss ein Getränk und ein Sandwich in die Hände drücken. Gemütlich zusammensitzen und sich gemeinsam stärken, geht wegen Corona nicht. Via Hinterausgang geht’s gleich wieder raus, wo versetzt zahlreiche Stühle stehen. «Setzen Sie sich noch einen Moment hin oder bewegen Sie sich. Sie sollten aber nicht stehen bleiben», erklärt Paul Mathis den Spendern.

Kein gemütliches Zusammensein: Ein Sandwich und ein Getränk gab es trotzdem.

Kein gemütliches Zusammensein: Ein Sandwich und ein Getränk gab es trotzdem.

Bild: Irene Infanger (Ennetbürgen, 20. April 2021)

An den zwei Blutspendeaktionen im Jahr zählt der Verein durchschnittlich 180 Spenden. Alleine am Dienstag waren es 112. Ein sehr guter Wert, wie Claus Werle, Leiter Blutspendemanagement, sagt. «Erfreulicherweise hat die Spendebereitschaft während der Pandemie zugenommen und die Blutversorgung konnte immer gewährleistet werden. Der SRK-Blutspendedienst Zentralschweiz würde sich dies auch weiter wünschen, auch wenn man wieder mehr unternehmen darf und kann. Bitte auch dann nicht ganz das Blutspenden vergessen.»