ENNETBÜRGEN: Eine Hirse macht Kühen weiterhin Bauchweh

Auch nach fünf Jahren ist der Kampf gegen die Borstenhirse noch nicht gewonnen. Sie lässt sich nicht ausrotten.

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Dass sich die Borstenhirse vermehrt, ist für viele Bauern ein Problem. Auch der Ennetbürger Thomas Agner ist betroffen. (Bild Corinne Glanzmann/Neue NZ)

Dass sich die Borstenhirse vermehrt, ist für viele Bauern ein Problem. Auch der Ennetbürger Thomas Agner ist betroffen. (Bild Corinne Glanzmann/Neue NZ)

«Besonders extrem war es im Sommer 2003. Wir hatten bis zu einem Drittel Ertragsausfall. Die Kühe bekamen Probleme beim Fressen», erinnert sich Thomas Agner. Er ist einer der Landwirte, deren Felder von der so genannten Borstenhirse befallen sind. Agner betreibt auf seinem Hof Neuhaus in Ennetbürgen Milchwirtschaft mit 16 Kühen und 20 Tieren Jungvieh. Das 15 bis 60 Zentimeter hohe Lückenfüllergras verdrängt mit seiner ausgeprägten Vermehrungskraft wertvolle Futtergräser.

Schlechteres Futter und weniger Milch als Folge
Seit über zehn Jahren beobachten Bewirtschafter und landwirtschaftliche Berater vor allem auf intensiv bewirtschafteten Naturwiesen in Ennetbürgen eine starke Zunahme der Graugrünen Borstenhirse und teilweise auch anderer Hirsearten. Die Konsequenzen sind schwerwiegend: Es gibt weniger und schlechteres Futter und weniger Milch. Die Tiere verletzen sich im Mund, wenn sie eine grosse Menge Borstenhirse fressen.

Der Nidwaldner Bauernverband suchte darum schon 2002 Unterstützung beim Kanton. Daraufhin hat das kantonale Amt für Landwirtschaft im Jahre 2003 ein fünfjähriges Projekt lanciert, welches nun zu Ende ist. Sechs betroffene Bauern nahmen am Versuch teil. Einer unter ihnen war Thomas Agner mit drei Versuchsfeldern. Davon wurde eines normal bewirtschaftet. Auf dem zweiten Feld konnten die Gräser versamen. Sie wurden nicht vor der Samenreife geschnitten. Das dritte Feld wurde übersät. Hierbei werden fremde Gräsersamen zugekauft und von Hand oder maschinell ausgebracht.

Zurückdrängen ist möglich, die Ausrottung wohl nicht
Peter Wyrsch, landwirtschaftlicher Berater beim Kanton Nidwalden, bezeichnet das nun abgeschlossene, 40 000 Franken teure Projekt als erfolgreich: «Die Versuche zeigten Lösungen auf und brachten zu Tage, dass die Borstenhirse sehr hartnäckig ist.» Er gibt zu bedenken, dass eine vollständige Ausrottung unrealistisch sei. Aber Betriebe, welche die Anzahl Schnitte reduzieren, ihre Mähwerke höher stellen, die Gräserbestände wieder regelmässig natürlich versamen lassen und Lücken im Bestand schliessen, können die Borstenhirsen stark zurückdrängen.

«Geschadet hat das Mitmachen am Versuch auf keinen Fall», sagt Thomas Agner. Sein Fazit: «Ein Patentrezept im Kampf gegen die Borstenhirse gibt es nicht.» Die Wahrheit liege wohl zwischen allen drei Massnahmen.  Sepp Odermatt, Vorstand im Nidwaldner Bauernverband, bezeichnet den Erfolg des Projektes als teilweise ernüchternd. Versamen der Italienisch-Raigraswiese (Futtergras) habe sich als erfolgreichste Massnahme herauskristallisiert. Auf jeden Fall schätzten er und seine Bauernkollegen die Unterstützung durch den Kanton. Für Odermatt ist aber klar: «Das Problem haben wir noch nicht im Griff, und es wird uns noch über Jahre beschäftigen.»

Matthias Piazza

Den ausführlichen Artikel lesen Sie am Mittwoch in der Neuen Nidwaldner Zeitung.