ENNETBÜRGEN: FASNACHT: Regent Heiri I. hält Bauernstand hoch

Für die nächsten zwei Jahre ist Heiri Odermatt Zunftmeister in Ennetbürgen. Unterstützt wird er von seiner Partnerin Bernadette.

Richard Greuter
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Zunftpaar Heiri (Odermatt) I. mit Partnerin Bernadette von Holzen. Bild Richard Greuter

Zunftpaar Heiri (Odermatt) I. mit Partnerin Bernadette von Holzen. Bild Richard Greuter

«Dä Buirästand im Hasliland». Das Motto der diesjährigen Ennetbürger Fasnacht lässt vermuten, dass es sich beim neuen Zunftmeisterpaar um eine Bauernfamilie handelt. Seit Anfang Jahr herrschen der 53-jährige Heiri Odermatt und die 43-jährige Bernadette von Holzen über die Ennetbürger Fasnacht. Seit sechs Jahren lebt der verwitwete Landwirt mit seiner Partnerin auf dem Bergbetrieb Hasli hoch über Ennetbürgen auf rund 750 Meter über Meer. Im gleichen Haushalt leben auch seine Kinder Pius und Sonia sowie Bernadettes Söhne Patrick, Roland und Marcel. Zusammen mit dem 77-jährigen Onkel, Toni Odermatt, sitzen bei dieser Patchwork-Familie regelmässig acht Personen am Tisch. Den Leitspruch möchte das Zunftpaar benutzen, um der nichtlandwirtschaftlichen Bevölkerung die Landwirtschaft etwas näherzubringen. Es dauerte 38 Jahre, bis es wieder ein Landwirt in dieses hohe Amt schaffte.

Voller Terminkalender

Doch wer das umtriebige Paar kennt, fragt sich bald einmal: Wie kriegen die das unter einen Hut? Heiri Odermatt ist Kassier bei der Älplergesellschaft, aktiv bei den Honegg-Schützen und beim Artillerie- und Obstbauverein. Bernadette von Holzen war viele Jahr Spielgruppenleiterin. Heute ist sie Aktuarin im Pfarreirat Ennetbürgen und auch in der Liturgiegruppe tätig. Zudem wirkt sie im Vorstand des Ennetbürger Bauern- und Bäuerinnenvereines mit.

Seit rund fünf Jahren führt das Paar die Festwirtschaft bei der Ennetbürger Theatergesellschaft. Also ein randvoller Terminkalender, welcher durch die Ernennung zum Zunftpaar noch um einiges umfangreicher geworden ist. «Es wird schon ein wenig eng», gibt Heiri I. zu, meint aber: «Sie haben versprochen, uns zu entlasten.» Dies ist auch auf dem Bauernbetrieb Hasli der Fall. Bernadettes Sohn, der 16-jährige Marcel, der in diesem Sommer mit der Berufslehre als Landwirt beginnt, besorgt zusammen mit Toni Odermatt während der Abwesenheiten des Zunftpaares die notwendigen Arbeiten auf dem Betrieb. Er war auch der Einzige, der in das streng gehütete Geheimnis eingeweiht war.

Fasnächtlicher Nachholbedarf

Die Fasnacht in dieser Form ist für das frischgebackene Zunftpaar zwar nicht Neuland. Aber zu den klassischen Urfasnächtlern gehören beide nicht. Trotzdem sehen sie sich nicht als Quereinsteiger. «Ich hab schon etwas Fasnachtsblut», meinte Heiri I. und verwies auf Erlebnisse aus seiner Schulzeit. Sie liebe die Strassenfasnacht und die Guuggenmusig, berichtet die Zunftmutter. Auch Zunftmitglied war bisher keiner der beiden. «Als Verein kenne ich die Zunft erst seit der Generalversammlung», gibt Heiri I. zu. Dies wird sich in Zukunft zweifellos ändern. Heiri I. und Bernadette werden als Zunftpaar automatisch Zunftmitglieder.

Das Zunftpaar hat sich denn auch vorgenommen, die Fasnacht zusammen mit ihren Kindern in vollen Zügen zu geniessen. «Es ist eine persönliche Bereicherung und Erfahrung, die ich positiv erleben werde», sagt Zunftmutter Bernadette. Heiri I. ergänzt: «Für mich ist das ein wenig Ferien und eine Abwechslung zum Beruf.»

Wie auch seinem Vorgänger wurde dem Zunftpaar eine prächtige Tanne gewidmet. Ein Erlebnis, welches Heiri I. und Bernadette nicht so schnell vergessen werden. «Für mich war es ein schönes Ritual, und die Emotionen waren stärker, als ich es mir vorher vorgestellt habe», bestätigte der Zunftherrscher.

Nur von Buochs sichtbar

Normalerweise wird die Ehrentanne von der Korporation Ennetbürgen gespendet. Doch diesmal ist es etwas anders. Da der Korporationswald im vergangenen Dezember als Folge der starken Schneefälle mit dem Lastwagen nicht zugänglich war, wurde eine Tanne aus dem eigenen Wald von Heiri I. gefällt. Seit Mitte Dezember ziert die bis unter die Krone geschälte Tanne den Landwirtschaftsbetrieb Hasli in Ennetbürgen.

Wer allerdings den Betrieb anhand der Tanne suchen will, sucht lange. Denn der Hof Hasli ist einer der wenigen Betriebe, die von Ennetbürgen aus nicht sichtbar sind. Dies hat der Zunftmeister auch in seiner Proklamation berücksichtigt. Darin verlangt er, dass in Buochs ein grosser Spiegel aufgestellt werden muss, damit die Tanne auch von Ennetbürgen aus wahrgenommen werden kann.