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ENNETBÜRGEN: Frauen in der Kirche: «Wir müssen rebellisch sein»

«Frauen in der Kirche» war das Thema am Gottesdienst zum Bettag in Ennetbürgen. Einen besonderen Beitrag leistete eine junge Frau, die katholische Priesterin werden will.
Carina Odermatt
Vier Frauen, denen die Kirche am Herzen liegt (von links): Jacqueline Straub, Moni Amstutz, Theres Odermatt und Margrit Odermatt. (Bild: Carina Odermatt (Ennetbürgen, 17. September 2017))

Vier Frauen, denen die Kirche am Herzen liegt (von links): Jacqueline Straub, Moni Amstutz, Theres Odermatt und Margrit Odermatt. (Bild: Carina Odermatt (Ennetbürgen, 17. September 2017))

Carina Odermatt

redaktion@nidwaldnerzeitung.ch

«Die Frauen hatten es nicht immer leicht in der katholischen Kirche. Nun gilt es, aufzuzeigen, was Frauen in der Kirche bewirken können», begann Diakon und Gemeindeleiter Elmar Rotzer die Messe am Bettag und bat gleich um kräftigen Applaus für die Frauen. Sie waren der Mittelpunkt eines besonderen Gottesdienstes, der die Dankbarkeit für die Frauen in der Kirche ausdrücken wollte.

Besonders war der Gottesdienst nicht nur wegen der Präsenz des Fernsehens, sondern weil eine junge Frau die Predigt hielt. Jacqueline Straub (27) aus Luzern, Theologin, Autorin und freie Journalistin, hat ein ehrgeiziges Ziel: Sie will katholische Priesterin werden. In ihrer Predigt erzählte sie von verschiedenen Frauen, von denen in der Bibel berichtet wird, wie sie der Jesusbewegung folgen und sie gar erst ermöglichen. «Die Jesusbewegung hätte kaum ohne vermögende Förderinnen existieren können», ist sie sich sicher.

Kirche würde ohne Frauen zusammenbrechen

Und heute würde die Kirche ­zusammenbrechen, wenn die Frauen nur eine Woche lang streiken würden, sagte Straub. Im Gespräch nach der Predigt erklärte sie warum: «Es gibt Kirchen, die fast ausschliesslich aus Frauen bestehen. Sie haben von Natur aus ein grösseres Bedürfnis nach Spiritualität, wie Forschungen aus der Soziologie zeigen.» Werden diese Frauen frustriert, etwa weil sie keine wichtigen Ämter besetzen können, so würden sie aus der Kirche austreten und ihre Kinder nicht religiös erziehen.

Die erste Person, die im christlichen Glauben predigte, sei eine Frau gewesen: Maria Magdalena. Sie war mit anderen ­Frauen Zeugin der Auferstehung Christi und habe sie als Erste ­verkündet. «Maria Magdalena war in ihrer Zeit eine Rebellin. Auch wir müssen rebellisch sein und hinausgehen, um die frohe Botschaft zu verkünden», ermutigte Straub die Frauen. Auch Dorothee von Flüe, Ehefrau von Bruder Klaus, lobte sie in ihrer Predigt. Sie habe allein zehn Kinder grossgezogen, damit ihr Ehemann seiner Berufung folgen konnte. «In meinen Augen sollte sie heilig oder zumindest selig gesprochen werden.»

Jesus sehe in jedem den glaubenden Menschen, unabhängig vom Geschlecht. Nur wenn Frauen und Männer zusammenarbeiteten, sei es möglich, die Kirche in die Zukunft zu bringen, glaubt Straub. Passend zum Thema wurde der Gottesdienst vom Chifonet-Chörli aus Dallenwil begleitet, einem reinen Frauenchor. «Es ist toll, dass wir mit dem Chor einen Beitrag zur Kirche leisten können», freute sich Chorleiterin Theres Odermatt

Kirche kann Veränderung bringen

In Ennetbürgen scheint die Integration der Frauen in die Kirche zu gelingen. Rund 75 Prozent der Mitwirkenden sind weiblichen Geschlechts. Das war nicht immer so, sagt Margrit Odermatt, die seit fast 50 Jahren in Luzern lebt: «Als ich in Ennetbürgen zur Schule ging, war die Kirche noch sehr männerdominiert. Die Frauen produzierten den Blumenschmuck in der Gärtnerei, aber er wurde von Männern in die Kirche gebracht», erinnert sie sich. «Es ist, schön zu sehen, dass heute so viele Frauen in der Kirche mitwirken. Das ist bereichernd.»

Eine dieser fleissigen Frauen ist Moni Amstutz, seit über 20 Jahren Mitarbeiterin in der Pfarrei. Sie bereitet Gottesdienste vor, leitet Projekte für Erwachsene und Kinder und führt spirituelle Wanderungen durch. Sie spürt, dass ihre Arbeit sehr geschätzt und unterstützt wird: «Wenn man mit dem Herzen dabei ist, wird man akzeptiert, ob man nun Mann oder Frau ist.» Trotzdem brauche es Veränderungen, damit in der Kirche Gleichberechtigung der Geschlechter herrschen könne. Genau dafür kämpft Jacqueline Straub von ganzem Herzen. «In Europa passt sich die Kirche der Gesellschaft an, in ­Afrika oder Südamerika formt die Kirche die Gesellschaft. Wären die Geschlechter in der Kirche gleichberechtigt, so würden die Frauen auch in der Gesellschaft mehr respektiert.» Auch Elmar Rotzer stimmt ihr zu. «Die Kirche hat nicht nur die Möglichkeit, sondern sogar den Auftrag, für positive Veränderungen in der Gesellschaft zu sorgen.»

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