Postauto umfährt Ennetbürgen am Wochenende: Gemeinde fühlt sich vom Kanton übergangen

Der Kanton Nidwalden hat in Ennetbürgen Postautokurse am Wochenende gestrichen, ohne die Gemeinde zu informieren. Diese ist verärgert und stellt Forderungen.

Christian Glaus
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Mehr ÖV bei tieferen Kosten. Der Kanton Nidwalden hat sich mit dem Fahrplanwechsel im vergangenen Dezember gleich selber ins gute Licht gerückt. Dank einer Erhöhung der Bundesmittel, gestiegener Nachfrage und der Umsetzung der ÖV-Strategie habe das Angebot ausgebaut werden können. Sowohl bei der Bahn wie auch beim Postauto gibt es seit Dezember vor allem morgens und abends zusätzliche Verbindungen.

Der Rahmenkredit beträgt 12,75 Millionen Franken statt 14,4 Millionen wie im Jahr zuvor. Darüber informierte der Kanton Nidwalden in einer Medienmitteilung vom 13. Juni 2019 ausführlich. Was er dabei nicht erwähnte: dass es auch Verschlechterungen gibt. Den Leistungsabbau mussten sich die ÖV-Nutzer im Fahrplanentwurf zusammensuchen, welcher jeweils im Mai publiziert wird. Die zweite Möglichkeit: Sie mussten sich von den Verschlechterungen überraschen lassen, weil sie nichts davon erfahren haben. So ergangen ist es den Einwohnern in Ennetbürgen. Am Wochenende und an Feiertagen gibt es nachmittags ab Ennetbürgen nur noch einen Stundentakt nach Stans. Jedes zweite Postauto fährt direkt von Beckenried via Buochs nach Stans, und nicht auf der Standardroute via Ennetbürgen.

Gemeinde fordert Halbstundentakt ab sofort

Ein verärgerter Leser meldet sich bei unserer Zeitung. Die Reise nach Zürich etwa dauere nun 38 Minuten länger als bisher. Dass der Kanton nicht aktiv informiert hat, sondern auf den Fahrplanentwurf verweist, kritisiert Karin Blättler, Präsidentin der Kundenorganisation Pro Bahn: «Man kann dem ÖV-Nutzer nicht zumuten, dass er sich die Angebotsveränderungen selber zusammensucht. Es ist Pflicht des Kantons gegenüber seinen Bürgern, auch über Verschlechterungen zu informieren.» Den Widerstand aus der Gemeinde versteht sie: «Wenn man ein Angebot einmal bereitgestellt hat, ist es schwierig, dieses wieder zu reduzieren.»

Ein Postauto bei der Haltestelle Post in Ennetbürgen.

Ein Postauto bei der Haltestelle Post in Ennetbürgen.

Bild: Corinne Glanzmann (Ennetbürgen, 7. März 2018)

Der Leser ist mit seinem Frust nicht allein. Wie Recherchen unserer Zeitung zeigen, wurde nicht einmal der Ennetbürger Gemeinderat über die Angebotsverschlechterung informiert. Vizepräsident Peter von Flüe, zuständig für den öffentlichen Verkehr, sagt auf Anfrage:

«Ich erwarte, dass der Kanton derart wesentliche Veränderungen im ÖV-Angebot mit den betroffenen Gemeinden diskutiert.»

Das Amt für öffentlichen Verkehr des Kantons verweise hingegen auf den Fahrplanentwurf. Für von Flüe keine gute Art der Zusammenarbeit, denn: «Das ist wie das Suchen nach der Nadel im Heuhaufen.»

Die Gemeinde hat inzwischen beim Kanton interveniert. «Wir fordern den Halbstundentakt am Wochenende – per sofort.» Laut von Flüe hatte man in der Gemeinde schon vor Jahren die Befürchtung, dass es früher oder später zu einem Angebotsabbau kommen könnte. Grund dafür war die Einführung eines Direktkurses zwischen Beckenried und Stans. «Der Kanton versicherte uns damals, dass diese neue Linie auf die Postautoverbindungen in unserer Gemeinde keinen Einfluss haben wird.» Leere Worte, wie sich nun zeigt. Hanspeter Schüpfer vom Amt für Mobilität des Kantons Nidwalden erklärt auf Anfrage, dass hinter der neuen Verbindung Beckenried–Stans keine Abbaupläne stehen. «Uns ging es darum, die bisherigen Zusatzbusse bei grossem Andrang zwischen Emmetten und Beckenried an den Wochenenden durch fahrplanmässige Kurse zu ersetzen. Um dies ohne Zusatzkosten machen zu können, fahren die drei betroffenen Kurse nicht mehr über Ennetbürgen.» Dabei seien auch die bisherigen Frequenzen berücksichtigt worden.

Täglich 30 Fahrgäste von Ennetbürgen nach Stans

Im Durchschnitt fuhren 2019 zwischen Beckenried und Ennetbürgen in der betreffenden Zeit drei bis sechs Personen. Die Verbindung von Ennetbürgen nach Stans nutzten rund 30 Personen.

«Für uns war das nur eine kleine Anpassung, zumal sie nur die Wochenenden betrifft und dies nur während drei Stunden.»

Für die Direktbetroffenen sieht dies anders aus, von einer kleinen Anpassung reden sie nicht, auch der Gemeinderat nicht. «Wir können dazu stehen, dass wir den Abbau falsch beurteilt haben», sagt Schüpfer. Es sei auch ein Fehler gewesen, die Gemeinde Ennetbürgen nicht direkt zu informieren. «In Zukunft werden wir die Gemeinden aktiv auf Veränderungen hinweisen.» Der Kanton hat inzwischen Postauto beauftragt, Varianten aufzuzeigen, damit auf der Linie Beckenried–Ennetbürgen–Stans wieder ein durchgehender Halbstundentakt gefahren werden kann. Demnächst findet auch ein Gespräch mit der Gemeinde statt. Schüpfer ist zuversichtlich, eine gute Lösung zu finden.

Wie diese aussieht und per wann sie umgesetzt werden kann, ist offen. Auch zu den Kosten kann Hanspeter Schüpfer noch keine Angaben machen. Weniger optimistisch klingt Gemeinderat Peter von Flüe: «Aufgrund der ersten Rückmeldung des Kantons bin ich eher pessimistisch. Dennoch halten wir an unserer Forderung fest.»