Ennetbürgen in Musikfeststimmung

Die Musikgesellschaft von Ennetbürgen hat am Wochenende in die Welt der Geschmäcker «entführt». Dabei überzeugte sie auch mit exotischen Klängen – eine gelungene Hauptprobe für das Innerschweizer Musikfest.

Kurt Liembd
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Die Musikgesellschaft Ennetbürgen unter der Leitung von Michael Schönbächler zeigte am Jahreskonzert ihr Können. (Bild: Kurt Liembd (Ennetbürgen, 7. April 2019))

Die Musikgesellschaft Ennetbürgen unter der Leitung von Michael Schönbächler zeigte am Jahreskonzert ihr Können. (Bild: Kurt Liembd (Ennetbürgen, 7. April 2019))

Grosse Ereignisse werfen bekanntlich ihre Schatten voraus. So auch bei der Musikgesellschaft Ennetbürgen, die am vergangenen Wochenende in der zweimal ausverkauften Mehrzweckanlage ihr Jahreskonzert präsentierte. Mitte Juni nimmt die rund 60-köpfige «Birger-Musik» am Innerschweizer Musikfest in Hergiswil teil. Als einziger Verein im Kanton treten die Ennetbürger in der 1. Stärkeklasse auf und spielen dabei in der gleichen Kategorie wie etwa die Feldmusik Baar, die Feldmusik Triengen oder die Harmoniemusik Kerns.

Bereits am Jahreskonzert ist es gelungen, so etwas wie Musikfeststimmung, gepaart mit Vorfreude, zu verbreiten. Denn auf dem Programm stand bei den Ennetbürgern auch das Selbstwahlstück «Nahr-Al-Alwaan» vom holländischen Komponisten Alex Poelman.

Durch orientalische und westliche Länder

Auch wenn der Titel etwas exotisch klingen mag, kann man sich sehr gut vorstellen, wie ein Bach seinen Weg bis ins Meer findet. Dies ist der Inhalt des Werkes – Regentropfen und Schneeflocken aus den Bergen finden in den Bach und verschiedene quirlige Bäche münden in den Fluss. Dieser setzt seinen Lauf fort durch orientalische und westliche Länder. Den Ennetbürgern gelang dabei eine überaus spannende Mischung aus orientalischer und westlicher Musik. Die «Hauptprobe» fürs Musikfest ist gelungen. Faszinierend, wie Dirigent Michael Schönbächler die Gegensätze herausarbeitete und den unterschiedlichen Melodien viel Raum und Zeit gibt. Alles wirkte transparent und farbig. Dazu trugen auch eher seltene Instrumente wie etwa die Es-Klarinette bei, gespielt von Evelyne Gander, oder das Englischhorn, gespielt von der Oboistin Nadia Lischer.

Das Orientalische wie auch das Farbige in der Musik zogen sich wie ein roter Faden durch den Abend, der unter dem Thema «Flavor Power – musikalische Gerüch(t)eküche» stand. Zahlreiche Gewürze und Gerüche kommen bekanntlich aus exotischen Ländern. So erwies sich auch «Dance from the East» vom jungen Tonschöpfer Thomas Doss als Volltreffer, in dessen Werke Farben und Klänge immer eine grosse Rolle spielen. Den Ennetbürgern gelang ein überaus feuriger Tanz im orientalischen Stil, gespielt mit grosser Leidenschaft. Das Publikum zeigte sich schon zu Beginn begeistert ob dieser ansteckenden Darbietung.

Solist überzeugt mit Ton und Technik

Auch die weiteren Werke waren voller guter Geschmäcker und boten eine würzige Mischung aus verschiedenen Kulturen. So von der Filmmusik aus «Ratatouille» oder «Slumdog Millionaire» über John Williams «Excerpts from Far and Away» bis zu ansteckenden irischen Volksklängen in atemberaubenden Tempi.

Solistischer Höhepunkt bildete eine Flügelhorn-Fantasie über das traditionelle Volkslied «Chum übers Mätteli». Als überragender Solist entpuppte sich Marcel Krummenacher, der mit warmem Ton und technischer Brillanz die Gerüche in der Natur faszinierend darstellte. Eine Sonderleistung gelang dabei auch der Akkordeonistin Christa Mathis, welche den Solisten zusammen mit dem Musikkorps einfühlsam begleitete. Damit aber nicht genug. Das Publikum begehrte mehrere Zugaben, die es in sich hatten, so der «Balkan Blues», welche die Holzbläser in den Vordergrund stellte. Dass die «Birger-Musik» auch Traditionelles beherrscht, bewies sie mit dem Solothurner Marsch von Stephan Jaeggi aus dem Jahre 1945. Mit originellen Ansagen begleiteten Fiona Monn und Karin Odermatt durch den «würzigen» Abend.