ENNETBÜRGEN: Jetzt geht die Schule ans Eingemachte

Sammeln, pflücken, fischen, jagen – dann verarbeiten, konservieren und verkaufen. Die Oberstufe bricht auf in das Leben ohne Kühlschrank.

Philipp Unterschütz
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Raphael und Lehrer Bebbi Imhof bei der Wurstproduktion. (Bilder Corinne Glanzmann)

Raphael und Lehrer Bebbi Imhof bei der Wurstproduktion. (Bilder Corinne Glanzmann)

Philipp Unterschütz

Es brutzelt, kocht, dampft, duftet nach Knoblauch, Butter und Konfi. In den Küchen des Schulhauses, des Gemeindesaals und in einigen Schulzimmern verarbeiten die Oberstufenschüler die Produkte, die sie am Montag auf Exkursionen besorgt haben. Während drei Projekttagen begibt sich die ganze Oberstufe in Ennetbürgen auf eine Art Reise in die Vergangenheit. «Wir wollen die Schüler für regionale Produkte sensibilisieren und zeigen, was man daraus alles machen kann», erklärt Projektleiter Sandro Jöri. Stufenkoordinator Stefan Gisler ergänzt, es sei ein wenig wie im Leben vor vielleicht hundert Jahren, als man mangels Kühlmöglichkeiten die Frischprodukte haltbar machen musste, um über den Winter zu kommen. «Ein idealer Start nach den Ferien für die Schüler. Mal etwas anderes als Mathe und Deutsch.» Und tatsächlich, die rund 100 Schülerinnen und Schüler zwischen 12 und 16 Jahren sind mit viel Elan an der Arbeit. Ihre Produkte werden sie heute Abend an einem Markt im Gemeindesaal zubereiten und verkaufen. «Wir hoffen, damit die Unkosten decken zu können», meint Stefan Gisler.

Pommes-Chips am beliebtesten

Zehn verschiedene Ateliers wurden den Schülern zur Auswahl angeboten. Von Äpfeln, Beeren, Trauben und Honig über Kastanien, Korn und Kartoffeln bis zu Fisch, Fleisch und Milch. «Bei der Wahl hat auch die Fastfood-Mentalität etwas durchgeschlagen», schmunzelt Sando Jöri. «Mit Abstand am beliebtesten war nämlich die Verarbeitung von Kartoffeln zu Chips, dann folgten mit etwas Abstand Äpfel und Korn/Brot. Es können aber alle eines ihrer drei beliebtesten Themen besuchen.»

Die Pommes-Chips waren auch erste Wahl für Nicole und Sara, die dünn geschnittene Kartoffelscheiben auf Backblechen würzen. «Unsere schmecken zwar, aber die gekauften sind halt doch noch besser. Das Salz richtig zu dosieren, ist ganz schön schwierig.»

Probieren geht über Studieren

Die Produkte des Milch-Ateliers stehen bereits kühl: verschiedene Joghurts, Cremen, Kräuterbutter und Mozzarella. Jetzt sind sie noch am Butterbrezeli backen. «Da muss natürlich auch rege probiert werden, ob die Bretzeli wirklich gut schmecken», schmunzelt Monica Kern, Klassenassistenz an der Oberstufe. Und in der Beerengruppe sortieren Teodora, Esma und Elisa die geernteten elf Kilo Preisel- und Heidelbeeren für die Konfi, die in der Küche von Marie und Gioia gekocht wird. «Ich glaube, die kommt gut», lacht Gioia über den duftenden Kochtopf.

Derweil füllt man im Fleisch-Atelier eine feine Mischung für Schweinsbratwürste in Wurstdärme ab. «Immer schön im Rhythmus drehen und pressen, damit sie gleichmässig werden», weist Lehrer Bebbi Imhof seine Schüler an. 20 Kilo Bündnerfleisch und je acht Kilo Schweins- und Wildbratwürste produzieren sie. Am Montag war der seit über 30 Jahren passionierte Jäger mit seiner Gruppe in Flüelen auf der Jagd und erlegte zwei Rehgeissen. «Das war extrem spannend», schwärmt Raphael, der zum ersten Mal auf der Jagd war. «Ich habe das Jagdfieber richtig gespürt.»

Hinweis: Am Mittwoch Abend ist Markt mit den Produkten der Schüler und mit musikalischer Unterhaltung von 17.30 bis 20 Uhr im Gemeindesaal Ennetbürgen.

Teodora und Esma (rechts) sortieren Preiselbeeren für die Konfi. (Bild: Corinne Glanzmann / Neue NZ)

Teodora und Esma (rechts) sortieren Preiselbeeren für die Konfi. (Bild: Corinne Glanzmann / Neue NZ)