ENNETBÜRGEN: Jugendliche sollen wieder Anstand lernen

Schulen brauchen Regeln. Regelbruch muss sanktioniert werden. Auch Lehrer sollen Anstand lernen. Dies fordert Jugendexperte Allan Guggenbühl in einem Vortrag.

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Traf bei seinem Referat auf offene Ohren: Jugendexperte Allan Guggenbühl. (Bild Corinne Glanzmann/Neue LZ)

Traf bei seinem Referat auf offene Ohren: Jugendexperte Allan Guggenbühl. (Bild Corinne Glanzmann/Neue LZ)


Der Mann ist ein Publikumsmagnet: An die 250 Leute wollten am Dienstagabend in Ennetbürgen den Jugendexperten Allan Guggenbühl sehen und hören. Guggen­bühl hielt im Rahmen des von der Schulgemeinde initiierten Projekts «Benimm ist in» ein Referat zum Thema «Regeln an Schulen».
 
Regeln werden interpretiert
«Schulen können nur existieren, wenn sie Regeln aufstellen und für alle verbindliche Anstands- und Umgangsformen definieren», stellte der Experte klar. Aufgrund der grossen Vielfalt an Motivationen, Meinungen und kulturellen Hintergründe der heutigen Schulklassen sei dies unabdingbar. Das Problem dabei: «Menschen neigen dazu, solche Regeln gemäss ihrem eigenen Empfinden zu interpretieren.» Das sei zwar normal, doch genau damit hätten die Schulen zu kämpfen. Lehrer und Schüler müssten gemeinsam Richtlinien definieren, welche etwa Pünktlichkeit, Kleiderstil, Umgangssprache und Grussrituale umfassen.

Harte Bestrafung macht Eindruck
Enorm wichtig sei, bei Regelbruch die vereinbarten Sanktionen unverzüglich umzusetzen (siehe Kasten.) Laut Guggenbühl ist das insbesondere bei gewalttätigen Jugendlichen der Schlüssel zum Erfolg: «Gerade bei einer harten Bestrafung fühlen sie sich ernst genommen», wusste der Psychologe, Dozent, Schulberater und Autor zu berichten und schob nach: «Gut wären ein paar Tage Gefängnis  das beeindruckt sie.» Dem Ruf nach schnellen und spürbaren Strafen zum Trotz ist Guggenbühl ein entschiedener Gegner von übereilten Polizeieinsätzen, explizit solchen an Schulen: «Die Wirkung wird massiv überschätzt und macht bei den Jugendlichen kaum Eindruck. Ich rate davon ab», sagte er auf Anfrage. Nur falls Personen unmittelbar bedroht sind, sei die Polizei zu rufen. Diese ist jedoch nicht gleicher Meinung: «Bei ernsthaften Problemen empfehlen wir, sofort die Polizei einzuschalten», sagt Polizeichef Hans-Kaspar Steiner (siehe Interview Seite 19). Im Frühling vergangenen Jahres holten die Ordnungshüter einen Ennetbürger Schüler aus der Klasse, der eine Lehrperson bedrohte. Dass bei den «Tätern» nicht in jedem Fall Einsicht für deren Taten verlangt werden kann, spiele keine Rolle. Wichtig sei jedoch, dass an der Lösung eines Konfliktes alle Parteien einen Beitrag leisten.
 
Luca Wolf

Den ausführlichen Artikel lesen Sie am Donnerstag in der Neuen Nidwaldner Zeitung.