ENNETBÜRGEN: Neue Werke mit spannenden Geschichten

Der Skulpturenpark am Rande des Flugplatzes gehört heute mit 50 Werken von 44 Künstlern zu den bedeutendsten landesweit. Gleich vier neue Arbeiten stammen von Kunstschaffenden, die einen Bezug zu Nidwalden haben.

Romano Cuonz
Drucken
Teilen
Der Skulpturenpark Ennetbürgen ist um eine ausserordentlich schöne Skulptur von Josef Maria Odermatt reicher: Präsident Marco Trüssel und Kurator Roland Heini freuen sich riesig. (Bild: Romano Cuonz (Ennentbürgen, 27. Mai 2017))

Der Skulpturenpark Ennetbürgen ist um eine ausserordentlich schöne Skulptur von Josef Maria Odermatt reicher: Präsident Marco Trüssel und Kurator Roland Heini freuen sich riesig. (Bild: Romano Cuonz (Ennentbürgen, 27. Mai 2017))

Romano Cuonz

redaktion@nidwaldnerzeitung.ch

«Der Skulpturenpark Ennetbürgen hat sich in den elf Jahren seines Bestehens stetig verändert, Jahr für Jahr sind Künstler und Arbeiten hinzugekommen», sagt Kurator Roland Heini. Seine Aussage unterstreicht er damit, dass er den Vernissagebesuchern gleich sechs interessante neue Werke bedeutender Kunstschaffender vorstellt: monumentale Werke, teils von einheimischen, teils von auswärtigen Künstlern. Die permanente Ausstellung befindet sich auf dem Land der Ennetbürger Genossenkorporation. Seit ihrer Eröffnung im Jahr 2006 wird sie durch Stiftungen – heute «Skulptur Urschweiz» – organisiert.

Marco Trüssel ist zurzeit Präsident, und Roland Heini arbeitet als Geschäftsleiter und Kurator. Mit beratender Stimme unterstützt auch Stefan Zollinger, Leiter Nidwaldner Amt für Kultur und Museen, die Stiftung. Finanziell tragen den Skulpturenpark namhafte Gönner. Dazu zählen sich auch Genossenkorporation und Gemeinde Ennetbürgen. Die Ausstellung ist ganzjährig offen und frei zugänglich. Gegenwärtig begegnet man als Spaziergänger oder Rollstuhlfahrer auf dem grossen Areal 50 Werken von 44 Künstlern aus der ganzen Schweiz sowie aus Deutschland und Holland. Hier nur einige der bekannten Namen, die im Katalog des Skulpturenparks mit Werken aufgeführt sind: Jo Achermann, Hans-Peter von Ah, Jürg Altherr, Anton Egloff, Heini Gut, Niklaus Lenherr, Jos Näpflin, Kurt Sigrist, Maria Zgraggen ...

Manchmal genügt ein einziges Telefonat

«Jedes unserer 50 Werke hat seine eigene, spannende Geschichte», erzählt Kurator Roland Heini. Oftmals würden die Werke vermittelt. Bisweilen führe die Stiftung auch langwierige Verhandlungen, doch manchmal genüge ein einziges Gespräch am Telefon, um zum Ziel zu gelangen. Ein schönes Beispiel für so eine unkomplizierte Neuerwerbung ist die Stahlskulptur «TUA 1973» des bedeutenden Aargauer Bildhauers Albert Siegenthaler. Dieses monumentale Werk mit runden und eckigen Formen, grünem Innenraum und toter Hülle ist im Besitz der Gemeinde Baar. Im Zuger Städtchen stand es jahrzehntelang vor einem Schulhaus. Als dieses erweitert wurde, verlor die Skulptur ihren Platz. «Auf unsere Anfrage hin war die Einwohnergemeinde Baar sofort bereit, uns das Werk für fünf Jahre auszuleihen», sagt Roland Heini. Und er freut sich: «Ja, Baar hat es gar noch für 18000 Franken revidiert.» Vom Nidwaldner Urgestein Josef Maria Odermatt stehen gleich zwei durch Schmieden und Schweissen gebändigte massive Eisenplastiken beieinander am Bachlauf. «Ohne Titel», wie es heisst. «Die eine gehörte einst der Hergiswiler GfK Switzerland und sollte nach dem Wegzug der Firma in Nidwalden verbleiben», berichtet Heini. «Ein wahrer Glücksfall für uns.» Die zweite sei eine Leihgabe aus Odermatts Nachlass. Überaus interessant ist auch die granitene Skulptur «Schichtung» des Bildhauers Pi Ledergerber. Der 65-jährige Künstler ist in Buochs aufgewachsen und lebt heute in Burgdorf. Wie kein anderer versteht er es, rauen Granit mit Trennscheibenschnitten in feinem Streifenmuster zu schneiden und zu bearbeiten. «Es war unser Wunsch, von ihm etwas hier zu haben», sagt Heini. Genauso verhielt es sich mit der Künstlerin Gertrud Guyer-Wyrsch, die 2013 in Stans als 93-Jährige verstorbenen ist. Sie gilt als eine der überhaupt ersten abstrakten Künstlerinnen der Schweiz. Die «Rote Stele» (2011) aus bemaltem Stahlblech gehört zu ihren späten Werken. Sie hat sie aus Sperrholz modelliert und einem Spezialisten zum Ausführen überlassen.

Dann ist da auch Rochus Lussi. Er bestückt die ausgediente Telefonkabine mitten auf dem Feld bereits mit einer dritten Arbeit: Zusätzlich zum baumelnden Telefonhörer kommen ein flauschiger Teppich und ein ovaler Spiegel hinzu. Aus diesem stösst eine geschnitzte, vergoldete menschliche Zunge. Durch die Seitenansicht und Verdoppelung mutiert sie zu Tierhörnern. «Hier befinden wir uns mitten im Spannungsfeld zwischen Bauernland und Kunst», findet Roland Heini. Die sechste neue Skulptur schuf der Emmer Künstler Hansjürg Buchmeier, der heute in Winterthur arbeitet. Sie trägt den Titel «Superheiliger/St. Antonius».

Hinweis

Der Skulpturenpark Ennetbürgen befindet sich östlich des Restaurants Nidair am Flugplatz Buochs. Er ist frei zugänglich. Details: www.skulpturenpark-ennetbuergen.ch.