ENNETBÜRGEN: Schüler werden Filmstars

Auf dem Rasen ist ein Filmset aufgebaut. Das Informatikzimmer wird zum Schneideraum. Und andernorts ist ein Trickfilmstudio eingerichtet. Das Filmprojekt der ORS-Schüler läuft auf Hochtouren.

Matthias Piazza
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Chanelle (links) und Selma produzieren einen Trickfilm mit Figuren aus Knetmasse. (Bild: Matthias Piazza (Ennetbürgen, 16. November 2016))

Chanelle (links) und Selma produzieren einen Trickfilm mit Figuren aus Knetmasse. (Bild: Matthias Piazza (Ennetbürgen, 16. November 2016))

Diese Woche ist speziell an der Schule Ennetbürgen. Das ist augenfällig. Auf dem Rasen vor dem Schulhaus schreiten am Mittwoch zwei Wildwestfiguren mit einem soeben erbeuteten Schatz von dannen – eingefangen von der Kamera von Manuel. Es laufen die sogenannten Nachdreharbeiten. Das heisst, Szenen, die im ersten Dreh von Anfang Woche nicht ganz überzeugten, werden nochmals gedreht. Es braucht mehrere Versuche. Einmal ist die Kamera nicht auf Aufnahme gestellt, ein anderes Mal kommen dem Dreh Schulkinder in die Quere, die ihre Pause antreten. Schliesslich sind die Szenen zur Zufriedenheit aller im Kasten.

Désirée gefällt ihre Rolle als Western-Rebellin, die sich mit ihrem Komplizen Dion den Schatz unter den Nagel reissen kann. «Es ist eine coole Erfahrung, diese Figur aus dem Wilden Westen zu spielen, ihren Charakter und ihre Verhaltensweise zu übernehmen, welche sich von der unseren ziemlich unterscheidet», meint die Oberstufenschülerin. Ihr Filmpartner Dion ergänzt: «Ich finde es spannend, zu sehen, wie es damals im Wilden Westen zu- und herging.» Und dafür haben die Jungschauspieler keinen Aufwand gescheut. Selbst ein Pony wurde für den Film eingespannt, geritten von Nicole.

Nicht nur auf dem Set sind die Schüler aktiv. Auch das Drehbuch für diesen rund zehnminütigen Western haben sie selber verfasst. Ein bisschen Spannung schwinge aber trotzdem mit, wenn sie das fertige Produkt das erste Mal sehen, gestehen sie.

Sie hauchen den Knetfiguren Leben ein

In einem Schulzimmer sind zur selben Zeit Chanelle und Selma mit ihrem Trickfilm beschäftigt. Sämtliche Figuren und Schauplätze haben sie aus Knetmasse gefertigt, so auch einen voll eingerichteten Raum. Aus rund 500 Fotos entsteht ein Trickfilm. Dabei müssen sie für jede Einstellung die Figuren leicht verändern, sei es etwa die Lippen, damit dann der Eindruck von fliessenden Bewegungen entsteht. Erzählt wird die Geschichte von Kindern, die sich nachts aus dem Haus schleichen und dem Samichlaus begegnen. «Eigentlich wollten wir zuerst etwas mit Halloween machen, aber dafür war es zu spät, so haben wir uns eben umentschieden», sagt Chanelle. Die Projektwoche finde sie cool, auch weil die Hausaufgaben ausfielen.

Zehn Filme sind in diesen Tagen am Entstehen, so auch ein Werbefilm über Ennetbürgen oder ein Trickfilm mit Lego. Von A bis Z tragen sie die Handschrift der Oberstufenschüler, die sie auch selber schneiden und morgen Samstagabend vor Publikum präsentieren.

Lernen, mit Termindruck umzugehen

«Wir veranstalten fast jedes Jahr eine Projektwoche, diesmal zum Thema Technik und Medien. Darauf sprechen die Schüler extrem an, da sie in ihrem Alltag stark damit in Berührung kommen, Stichwort Internet oder Smartphone», erklärt Orientierungsstufenlehrer Sandro Jöri vom Projektteam. «Die Projektwoche ist ein weiterer Beitrag, um die Medienkompetenz der Schüler zu fördern und ihnen das Filmhandwerk näherzubringen.» Zudem habe das Projekt auch einen spannenden und nützlichen Nebeneffekt. «Die Termine stehen. Bis am Freitagmittag wird noch geschnitten, dann folgt ein erster Durchlauf, sodass die Filmvorführung anschliessend steht. Sie müssen ein gutes Produkt termingerecht abliefern. Hier können sie lernen, mit dem Termindruck umzugehen.»

Auf halbem Weg zieht er eine gute Zwischenbilanz. Auch wenn er immer wieder dieselbe interessante Erfahrung bei solchen Projekten macht. «Am Montagvormittag starteten die Schüler mit grosser Euphorie und waren von den ersten Aufnahmen spontan begeistert. Die anfängliche Euphorie wich dann schnell einer ersten Ernüchterung: unscharfe Bilder, störende Nebengeräusche.»

Doch dies gehöre zum Lernprozess. Und so seien die Schüler mit Herzblut bei der Sache, würden auch mal länger in der Schule bleiben, wenn es etwa darum gehe, eine Nachtaufnahme zu machen. Schliesslich möchten sie morgen dem Publikum perfekte Beiträge vorführen.

Hinweis

Der Filmabend der ORS Ennetbürgen: morgen Samstag, 19. November, 18.30 Uhr, Mehrzweckhalle Ennetbürgen.

Matthias Piazza

Désirée (links) und Dion die letzten Szenen für ihren Wild-West- Streifen drehen. (Bild: Matthias Piazza (Ennetbürgen, 16. November 2016))

Désirée (links) und Dion die letzten Szenen für ihren Wild-West- Streifen drehen. (Bild: Matthias Piazza (Ennetbürgen, 16. November 2016))