ENNETBÜRGEN: Sein Herz schlägt für Postkarten

Kommt Stefan Christen eine Postkarte in die Finger, landet sie in seiner Sammlung. Und diese ist mittlerweile auf über 20 000 Karten angewachsen.

Matthias Piazza
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Stefan Christen in seinem Postkartenarchiv. (Bild: Corinne Glanzmann)

Stefan Christen in seinem Postkartenarchiv. (Bild: Corinne Glanzmann)

Postkarten aus Argentinien: Fünf Sekunden nach der Suchabfrage liegen die gewünschten Exemplare auf dem Tisch. Spätestens nach diesem mit Bravour bestandenen Test ist man überzeugt, dass Stefan Christen seine Sammlung absolut perfekt verwaltet und im Griff hat. Und das ist doch eine ansehnliche Leistung, wenn man bedenkt, dass sein Bestand an Postkarten in den vergangenen Jahren und Jahrzehnten auf über 20 000 angewachsen ist. «Es sind genau 23 360», präzisiert er – ohne nachschauen zu müssen.

Alles ist fein säuberlich sortiert

«Mich faszinieren einfach die Postkarten und ihre Herkunft, die Orte, Städte, Länder und ihre geografischen Besonderheiten», sagt der 45-jährige Ennetbürger über seine Leidenschaft.

Ein ganzes Zimmer an der Bürgenstockstrasse 4, wo er mit seinen Eltern wohnt, ist seinem Hobby gewidmet. Das ganze Regal an der Wand ist voll mit Karteikästen. Hier drin sind sie abgelegt, die bebilderten Schätze – fein säuberlich sortiert nach Ländern, Kantonen beziehungsweise Bundesländern, Provinzen, Departements und Ortschaften. Jede Karte ist im Excel genaustens erfasst – mit Ort, Land, Datum und weiteren Kriterien. Der PC ist sein Arbeitsinstrument, mit dessen Hilfe er Buchhaltung führt. «Ich kann eine Aufstellung nach jedem Kriterium meiner Wahl machen und merke so auch sofort, wenn ich eine Karte erhalte, die ich schon habe», erzählt er stolz.

Eltern und Bekannte helfen mit

Angefangen habe seine Passion zu Beginn der 1980er-Jahre – die Bestandsführung geschah damals noch mit der Schreibmaschine. «Ich dachte mir, das wäre doch noch ein schönes Hobby.» Seither liess ihn die Faszination nicht mehr los. Kaum ist er von seiner Arbeit bei der Firma Sigrist zurück, widmet er sich wieder seiner Leidenschaft. Und das Ziel ist ehrgeizig: «Ich will alle Postkarten der Welt.» Wie viele das denn eigentlich wären, kann er zwar nicht abschätzen. Aber auf jeden Fall sind die Voraussetzungen günstig. Denn das ganze Umfeld weiss von seinem Hobby, ist erstaunt und begeistert von seinem Sammeleifer, wie er erzählt. Kollegen und Bekannte bringen ihm Postkarten von ihrem Ferienort zurück. Auch die Eltern sind involviert. «Wenn wir verreisen, drückt uns Stefan eine Liste des Ferienlandes in die Hand, damit wir wissen, von welchem Ort oder welcher Stadt er noch eine Postkarte braucht», erzählt sein Vater Erich-Franz Christen.

Der Einzug von E-Mail und Internet ist an seinem Hobby nicht spurlos vorbeigegangen. Einerseits erleichtert es ihm die Arbeit. Doch es gibt auch eine Kehrseite. «Die Leute schicken einander weniger Karten als früher, und auch in den Touristenorten kann man nicht mehr so viele Postkarten kaufen», bemerkt Stefan Christen. Trotzdem ist er zuversichtlich, dass diese Art der Kommunikation nie ganz verschwindet – und er auch in Zukunft seinem Hobby frönen kann. Viele Ansichtskarten hat Stefan Christen auch höchstpersönlich erstanden – auf seinen zahlreichen Reisen in aller Welt. «Komme ich an einem neuen Ort an, kaufe ich Postkarten, die ich noch nicht habe.»

Aus aller Herren Länder

Spezielle Favoriten hat er nicht. Seine Sammlung beinhaltet Karten aus aller Herren Länder – und gar aus anderen Epochen. So sei eine Ansichtskarte gar aus dem Jahre 1873 datiert. Dank seiner akribisch betriebenen Archivierung weiss er, dass er 306 Karten aus Nidwalden besitzt – davon 30 aus Ennetbürgen. Einige davon sind historische Dokumente. Es sind zum Beispiel Aufnahmen von Ennetbürgen aus den 1930er-Jahren. «Doch eine solche Karte ist für mich nicht wertvoller als eine aus der heutigen Zeit», meint Stefan Christen. Handeln will er mit seinem Bestand nicht. So ist er auch nie an Börsen anzutreffen, weder kauft noch verkauft er Postkarten. «Mir gehts nur ums Sammeln, das macht mir Freude.»

Und die Leidenschaft lässt ihn nicht los. «Es gibt bestimmt noch viele Karten, die mir noch fehlen – vor allem aus Amerika und Asien.» Die Schachtel mit den «Neueingängen» ist bereits wieder voll. Es sind dies rund 200 Postkarten alleine aus den vergangenen zwei, drei Monaten, die darauf warten, erfasst, kategorisiert und abgelegt zu werden.