Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben jetzt den Aktivierungslink für Ihr Benutzerkonto per E-Mail erhalten.

Vielen Dank für Ihre Anmeldung.

Ihr Konto ist aktiviert. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

Vielen Dank für Ihre Bestellung. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

ENNETBÜRGEN: Seit Blitzschlag im Wachkoma: Kollegen besuchen ihn seit Jahren

Ein Engagement der besonderen Art leisten Freunde und Kollegen von Koni Huser. Sie statten ihm im Pflegeheim regelmässig Besuche ab, wo er seit Jahren im Wachkoma liegt.
Martin Uebelhart
Hanspeter Durrer, Maria Gabriel, Alice Truttmann und Hans Gabriel (von links) gehören zur Gruppe von Leuten, die Koni Huser regelmässig besuchen. (Bild: Martin Uebelhart (Ennetbürgen, 24. Juli 2017))

Hanspeter Durrer, Maria Gabriel, Alice Truttmann und Hans Gabriel (von links) gehören zur Gruppe von Leuten, die Koni Huser regelmässig besuchen. (Bild: Martin Uebelhart (Ennetbürgen, 24. Juli 2017))

Martin Uebelhart

martin.uebelhart@nidwaldnerzeitung.ch

Seit 17 Jahren besuchen Freiwillige abwechselnd Koni Huser im Pflegeheim Nägeligasse. Was der heute 57-Jährige davon mitbekommt, können sie nicht sagen. Koni Huser liegt seit Juni 2000 im Wachkoma, nachdem er während eines Trainings des FC Ennetbürgen auf dem Sportplatz von einem Blitz getroffen worden ist. Huser spielte beim FC Ennetbürgen und auch bei den Buochser Senioren. Für viele in den beiden Vereinen sei sofort klar gewesen, dass sie in irgendeiner Weise helfen möchten, erzählt Hans Gabriel (62) aus Ennetbürgen im Gespräch mit unserer Zeitung.

«Zunächst waren wir etwa 25 Personen, die mit den Besuchen bei Koni angefangen haben», sagt Schreiner Hanspeter Durrer (59), der mit am Tisch sitzt. Andere wiederum hätten nicht mitgemacht wegen der zeitlichen Belastung oder weil ihnen das Schicksal des Ehemanns und zweifachen Familienvaters schlicht zu nahe ging. Heute sind es noch rund zehn Personen, die nach einem Plan den Patienten besuchen.

Spezielle Trainingsgeräte über Spenden beschafft

Koni Huser lag erst während zwei Jahren in den Spitälern von Stans und Luzern. «Dann musste man einen Platz finden für ihn, und er kam in die Nägeligasse», erzählt Hans Gabriel, der in Ennetbürgen ein Coiffeurgeschäft hat. Eine Motivation, bei den Besuchen bis heute mit dabei zu sein, sei der Gedanke, dass es auch ihn hätte treffen können. «An jenem Abend war ich nicht im Training», erinnert sich Gabriel. Ein Blitzschlag gelte als höhere Gewalt und sei weder über die Krankenkasse noch über die Unfallversicherung abgedeckt. Das wurde ein Problem für seine Familie mit zwei schulpflichtigen Kindern. Kurz vor dem Unfall hätten sie Wohneigentum erworben. «Die Familie wurde auf das Existenzminimum gesetzt und musste schauen, wie sie alles bezahlen konnte», berichtet Hans Gabriel. Alles, was ausserhalb der normalen Pflege gemacht werde oder auch zusätzliche Therapien hätten sie selber bezahlen müssen. Sie hätten dann vom FC aus ein Konto für Koni Huser eingerichtet. Mit den eingegangenen Spenden habe man versucht, die Familie zu unterstützen sowie einen Rollstuhl und ein spezielles Trainingsgerät anschaffen zu können.

«Bereits als Koni noch im Spital lag, haben wir mit zusätzlicher Bewegungstherapie angefangen», hält Hanspeter Durrer fest. «Die Motivation war, seine Beweglichkeit so gut wie möglich zu erhalten», erläutert Durrer weiter. «Auch im Pflegeheim waren sie froh, dass wir das machen. Je beweglicher er ist, umso einfacher sind für die Pflegerinnen tägliche Verrichtungen wie etwa das Anziehen.» Seine Beweglichkeit habe man ihm auch erhalten wollen im Hinblick auf die Hoffnung, dass er eines Tages aufwache. Schliesslich habe man auch schon lesen können, dass Personen nach Jahren im Wachkoma zurückgekommen seien. Und diese Hoffnungsschimmer hätten durchaus bestanden. Einmal habe er gesprochen, wenngleich es kein richtiger Dialog gewesen sei. «Und heute ist das vielleicht weniger der Fall, aber er hat einem immer nachgeschaut und einen wahrgenommen», sagt Hanspeter Durrer. Was er aber wirklich mitbekommen hat, wisse man nicht. Eine Kommunikation mit Koni sei nicht möglich.

Alice Truttmann (61) bekräftigt das: «Im Gegensatz zu anderen Wachkoma-Patienten, die eher durch einen ‹durchschauen›, schaut Koni einen an.» Alice Truttmann ist erst später zum Grüppchen der Unterstützer für Koni gestossen. «Ich habe ihn vor dem Unglück nicht gekannt», sagt die Hausfrau und gelernte Arztgehilfin. «Ich habe mitbekommen, wie sich seine Vereinskollegen für ihn einsetzen, und beschloss, ebenfalls mitzumachen.» Nicht zuletzt vor dem Hintergrund, dass auch die eigene Familie von einem ähnlichen Schicksal betroffen sein könnte. «Ich mache auch sonst Freiwilligenarbeit, aber bei Koni habe ich mich noch nie gefragt: ‹Warum mache ich das?›» In anderen Bereichen sei das zuweilen schon vorgekommen. Und noch etwas nimmt sie von den Besuchen im Pflegeheim mit: «Manchmal, wenn ich dort rausgehe, denke ich mir: ‹Was hast du gestern wegen einer Kleinigkeit wieder für ein Drama gemacht?›» Etwas, das auch Hans Gabriel kennt: «Man denkt sich, du hast ein gutes Leben. Man ist vielleicht auch ein bisschen zufriedener.»

Die Gruppe will an den Besuchen festhalten

Auch die Dankbarkeit der Familie sei immer wieder motivierend, sagt Hans Gabriel. «Sie ist jeweils dabei, wenn sich die Helfer treffen», erzählt er. Gabriel räumt aber auch ein, dass die Besuche nach 17 Jahren härter seien als ganz zu Beginn, als die Hoffnung, Koni Huser könnte aufwachen, noch grösser war. «Am Anfang hatten wir das Gefühl, wir können ihm helfen. Heute müssen wir uns fast fragen, wie können wir ihm noch helfen.»

Kürzlich habe man bei einem Helfertreffen entschieden, die Bewegungstherapie herunterzufahren. «Seine Extremitäten sind immer steifer geworden», sagt Hanspeter Durrer. «Und wir interpretieren seine Reak­tionen so, dass wir ihn mit gewissen Übungen eher ‹plagen›.» Gleichwohl wolle man an den regelmässigen Besuchen festhalten, sagt Durrer: «Wenn niemand kommt, würde er einfach daliegen. Ich habe das Gefühl, dass ihm das etwas gibt, wenn wir bei schönem Wetter mit ihm nach draussen gehen. Etwas frische Luft tut jedem gut.»

Hinweis

In unserer Sommerserie stellen wir in loser Folge Menschen vor, die sich in der Freiwilligenarbeit engagieren. Alle bisherigen Beiträge unterwww.nidwaldnerzeitung.ch/serien.

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.