ENNETBÜRGEN: Sie bringt Glamour in die «Villa»

Julia Meade aus Sarnen studiert Schauspiel in Zürich. Am Montag drehte sie im Hotel Honegg ihre schauspielerische Visitenkarte.

Geri Wyss
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Drehten im Hotel Villa Honegg eine Szene mit dramatischer Färbung: Julia Meade (rechts) und Christina Brandenberg. (Bild Geri Wyss)

Drehten im Hotel Villa Honegg eine Szene mit dramatischer Färbung: Julia Meade (rechts) und Christina Brandenberg. (Bild Geri Wyss)

Zwei aufreizend gekleidete Damen sind aufgewühlt. Es sind zwei Edelprostituierte, die einen Mord auf dem Gewissen haben. Die Polizei ist ihnen auf den Fersen. Was, wenn ihr Plan nicht klappt, mit dem sie den Verdacht gegen sich entkräften wollen? Ihre Stimmen klingen nervös, die Nerven liegen blank. «Wir ziehen die Sache jetzt einfach gemeinsam durch», sagt die eine Prostituierte, gespielt durch die Sarnerin Julia Meade. In den Augen der anderen blitzt Angst auf.

Diese kurze Szene hat am Montag eine Crew der European Film Actor School (Efas) in Zürich gedreht. Als Kulisse dient ein Seminarraum des Hotels Villa Honegg in Ennetbürgen. Im gediegenen, edlen Ambiente bewegen sich die beiden Schauspielerinnen, die 23-jährige Julia Meade und ihre Schulkollegin Christina Brandenberg (22). Zu ihrem letzten Jahr an der Efas gehört das Erarbeiten eines sogenannten Show-Reels, ein Zusammenschnitt verschiedener Szenen, in welchen Julia Meade ihr Können zeigt. Mit diesem Show-Reel kann sie sich auf ihrer Homepage und bei Agenturen vorstellen.

Gratis-Location im «Honegg»

Es ist Knochenarbeit. Immer wieder werden die kaum zweiminütige Szene oder Teile davon gedreht, hier ist ein Einsatz nicht ganz präzise, da ein kleiner Versprecher passiert, dort ein störendes Geräusch zu hören. Den ganzen Nachmittag ist die Crew, bestehend aus Klassenkameradinnen und -kameraden von Julia Meade, am Drehen. Nur der Kameramann ist kein Schauspielstudent. Und als Regisseur fungiert der Rektor der Efas höchstpersönlich, Rolf Sarkis.

Julia Meade brauchte auch Ausdauer, bis sie einen geeigneten Raum für ihren Dreh hatte finden können. Sie hatte verschiedene Hotels in Luzern und Zürich angefragt. Zimmer hätte sie bekommen, jedoch die Hälfte des regulären Preises zahlen müssen. Da für die Erarbeitung der Show-Reels kein Budget vorhanden ist, suchte sie weiter. «Der Direktor des Hotels Honegg, Peter Durrer, hat uns den Raum dann grosszügigerweise kostenlos zur Verfügung gestellt», erzählt Julia Meade. Das Thema Film ist im «Honegg» ja nicht fremd: Das 5-Sterne-Superior-Hotel auf dem Bürgenstock führt Kino-Diners durch und verfügt über ein eigenes Kino.

Eine Schule fürs Leben

«Spannend an der Schauspielerei ist vor allem die Herausforderung, wie ich in einen Charakter hineinschlüpfen und die Emotionen zum Ausdruck bringen kann», sagt Julia Meade. Wenn sie beispielsweise eine wütende Frau spielen müsse, dann könne sie dies mit ihrer Mimik und geballten Fäusten, also gewissermassen rein technisch, zeigen. «Oder aber ich rufe eigene emotionale Erfahrungen aus meinem Leben ab oder denke an etwas, das Wut auslöst.» Im Idealfall sei es eine Mischform aus beidem, was gutes Schauspiel ausmache. Die Ausbildung an der Schauspielschule sei auch eine Lebensschule, ist Julia Meade überzeugt. «Alles bisher Erlebte in meinem Leben hatte Bedeutung und half mir mit, mich zu verbessern.» Sie habe sich durch die Ausbildung selber besser kennen und beobachten gelernt, erzählt sie weiter.

Mit richtiger Kinoerfahrung

Während ihrer gymnasialen Ausbildung hatte Julia Meade professionellen Jazzgesangsunterricht genossen. Durch das Singen erhielt sie erste Rollen in Theatern und Musicals. Nach der Matura folgte ein Zwischenjahr mit verschiedenen Jobs. Aus grundsätzlichem Interesse an der Schauspielerei rief Julia Meade auch den Obwaldner Musiker und Filmemacher Luke Gasser an. «Ich konnte im Film ‹Härdepfel im See› am Set in der Toncrew mithelfen. Da packte es mich richtig», erzählt Meade. Später stand die junge Frau bei Luke Gasser auch vor der Kamera. Im zweiten Anuk-Film «Die dunkle Flut» verkörperte sie die Kriegerin Heller Mond, und im Film «Making of Jesus Christ» spielte sie Maria Magdalena. «Luke Gasser hat mich auch im Hinblick auf die Schauspielschule sehr unterstützt, er ist zu einer Art Mentor geworden.»