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ENNETBÜRGEN: Stehende Ovationen für Emil Wallimann

«Addio Maestro!» Das Jahreskonzert der Musikgesellschaft stand unter einem besonderen Stern: Es war für Emil Wallimann sein letztes nach 27 Jahren.
Kurt Liembd
Als Geschenk erhielt der scheidende Dirigent Emil Wallimann ein Bild, rechts Präsidentin Michèle Ricciardi. (Bild: Kurt Liembd (31. März 2017))

Als Geschenk erhielt der scheidende Dirigent Emil Wallimann ein Bild, rechts Präsidentin Michèle Ricciardi. (Bild: Kurt Liembd (31. März 2017))

Kurt Liembd

redaktion@nidwaldnerzeitung.ch

Dreimal ausverkauft, ein leidenschaftliches Musikkorps, ein grosses Konzerterlebnis, ein begeistertes Publikum und ein Ausnahmekönner als Dirigent. Eigentlich ist damit fast alles gesagt, und man könnte höchstens noch beifügen: «Selber schuld, wer nicht dabei war.» Denn Emil Wallimann (60) wäre nicht Emil Wallimann, wenn er nicht bis zum letzten Stück nach 27 Jahren für hohe musikalische Qualität sorgen würde. Das Konzert, das am Wochenende dreimal über die Bühne ging, war aber nicht nur musikalisch ein Erlebnis, sondern auch deshalb, weil es ein gross inszenierter Abschied eines Dirigenten, Komponisten und Musikpädagogen war, der über ein Vierteljahrhundert Vereinsgeschichte schrieb und auch regional und national das Blasmusikwesen stark mitprägte.

«Ein Glücksfall für Ennetbürgen»

Werner Scheuber, ein enger Weggefährte von Wallimann, brachte es in seiner Laudatio auf den Punkt: «Wir kennen keinen zweiten, der Blasmusik, Jodeln und Volksmusik so erfolgreich miteinander verbinden kann.» Für die ganze Dorfbevölkerung von Ennetbürgen sei Emil Wallimann ein Glücksfall, so Scheuber. Die Zusammenarbeit mit ihm sei während Jahrzehnten geprägt gewesen von gegenseitigem Vertrauen und Wertschätzung. «Emil, du bist ein Naturtalent und ein fleissiger Schaffer. Unter deiner stets souveränen Leitung und durch deine kameradschaftliche Art haben wir uns bei jedem Auftritt immer sicher gefühlt», so Werner Scheuber weiter.

Doch es wurde nicht nur geredet, sondern vor allem musiziert. Mit einem Paukenschlag wurde der genussreiche Abend mit Wallimanns Eigenkomposition «Concertino für Blasorchester» aus dem Jahre 2012 eröffnet. So speziell, wie der ganze Abend war, als so speziell erwies sich das musikalische Märchen «Der gestiefelte Kater». Komponist Franco Cesarini hat die Geschichte zu einem Werk für Erzähler und Blasorchester verarbeitet, dessen Aufführung über 30 Minuten dauert. Mit schauspielerischem Können und Esprit übernahm der als Regisseur bekannte Roli Simitz die Sprecherrolle (er ist aktuell Regisseur des Ennetbürger Theaters 2017). Es war verblüffend, wie die Ennetbürger Musiker die chromatischen Herausforderungen beherrschten, auch wenn das Werk als Ganzes tonal gehalten ist. Witzig und souverän gelangen die Quasi-Tanzformen wie Menuett, Tango, Galopp, Mazurka, Polka oder Marsch zu den amüsant-dramatischen Spässen des listigen Katers.

150 Bilder passend zur Musik

Der zweite Konzertteil bestand aus einem einzigen über 40-minütigen Block, in dem bekannte Abschiedsmelodien zelebriert wurden, darunter Weltmelodien wie «My Way» von Frank Sinatra, «La Passarelle di Addio» von Nino Rota, «Thank You For The Music» von Abba, «Time To Say Goodbye» von Andrea Bocelli und «Addio Maestro» von Emil Wallimann selber. Das Publikum konnte hier nicht nur zur Musik schwelgen, sondern kam auch ­visuell auf seine Kosten. Denn gleichzeitig wurden 150 Bilder aus den letzten 27 Jahren auf Leinwand projiziert – mit unzähligen Aufnahmen von Auftritten im In- und Ausland, vom Rütlischiessen über TV-Auftritte bis zum Zürcher Sechseläuten. Das Resultat waren Standing Ovations für ein aussergewöhnliches Abschiedskonzert.

Michèle Ricciardi (28), seit kurzem Präsidentin, zeigte sich überglücklich und bedankte sich nicht nur beim Dirigenten, sondern auch beim treuen Publikum. Mit interessanten Ansagen führte Jasmin Gabriel durch den aussergewöhnlichen Konzertabend. Doch nach dem offiziellen Teil war das Konzert noch lange nicht zu Ende, denn das Publikum begehrte zahlreiche Zugaben, die meisten in Form von Eigenkompositionen Wallimanns – unter anderen der Festmarsch «Buonaparte», der «Entlebucher Biosphären-Marsch» und volkstümliche Stücke.

Als Höhepunkt schritt Wallimann selber ans Rednerpult und bedankte sich bei allen aktiven und ehemaligen Musikanten und ebenso beim treuen Publikum. Dabei verriet er etwas Überraschendes: Der wichtigste Auftritt sei für ihn immer jener an Fronleichnam gewesen, denn in den langsamen Prozessionsmärschen habe er immer am besten gespürt, ob der Verein Fortschritte gemacht habe.

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