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ENNETBÜRGEN: Untere Nas: Seltene Bäume, Käfer und Vögel

Seit 2010 ist die «Untere Nas» am Bürgenberg ein Naturwaldreservat. Nun führt die heimische Kulturkommission der Bevölkerung vor Augen, wie viel Seltenes dort jede und jeder entdecken kann.
Romano Cuonz
Im Naturwaldreservat Untere Nas in Ennetbürgen gibt es ihn noch, den sonst selten gewordenen Schwarzspecht. (Bild: Romano Cuonz)

Im Naturwaldreservat Untere Nas in Ennetbürgen gibt es ihn noch, den sonst selten gewordenen Schwarzspecht. (Bild: Romano Cuonz)

Romano Cuonz

redaktion@nidwaldnerzeitung.ch

«Witerga, der Nase na, ganz firä ad Nas, bis det, wo’s nimme witer­gad, bis z usserscht uise, bis da, wo me schier im Wasser stad ...», skandiert eine überaus gewitzte und engagierte Moderatorin Elsbeth Flüeler im Ennetbürger Gemeindesaal. Sie leitete auf Initiative der örtlichen Kulturkommission ein Podiumsgespräch, bei dem eines der wohl grössten und wichtigsten Naturwaldreservate der Zentralschweiz vorgestellt wird: die Untere Nas am Bürgenberg. Der Abend mit Gemeindepräsident Toni Odermatt, Korporationsrat Urs Baumgartner, dem Nidwaldner Forstingenieur Matthias Ott und dem Käferforscher Roman Graf stösst beim Publikum auf allergrösstes Interesse. Unzählige Details zu ihrem Naherholungsgebiet möchten die Leute an diesem Abend erfahren.

Urs Baumgartner: «Drei Besitzer»

«Der Nidwaldner Naswald umfasst rund 111 Hektaren und ist eigentlich Eigentum der Korporationen Buochs, Beckenried und Ennetbürgen», erklärt Genossenkorporationsrat Urs Baumgartner. «Wir sind aber sehr stolz, dass er mittlerweile ein Naturwaldreservat ist und darum auch Ihnen allen hier im Saal gehört!» Dann zeigt Baumgartner auf, wie dies möglich wurde. Nachdem im Naswald in alten Zeiten vom See her viel Holz gefrevelt worden war, kam er 1619 unter die Aufsicht der drei Korporationen. Diese nutzten dort Holz. Doch der Transport über den See war sehr teuer und gefährlich, gegen den Bau einer Strasse aber erwuchs viel Widerstand von Seiten des Landschaftsschutzes. Die letzten Holznutzungen erfolgen denn 1990.

2010 wurde der Naswald in ein Naturwaldreservat überführt. Zusammen mit dem Luzerner Reservat am Bürgenberg ergibt dies ein geschütztes Gebiet von rekordverdächtigen 240 Hektaren. «Wir können hier das Naherholungsgebiet Ennetbürgen aufwerten und dazu viele seltene Bäume, Pflanzen und Tiere schützen», rühmt Baumgartner den Beschluss der Behörden.

Matthias Ott: «Totes Holz ein Plus»

Auch der Nidwaldner Forstingenieur Matthias Ott geizt an diesem Abend nicht mit Lob. «Dieses gelungene Naturwaldre­servat verdanken wir den Waldeigentümern, ohne ihren Goodwill wäre der Kanton Nidwalden dem Ziel, 10 Prozent der Waldungen in Reservate umzuwandeln, nicht näher gekommen.» Dank dem Naswald sei man nun doch schon bei 6,5 Prozent angelangt. Neben der Tatsache, dass jeder genutzte Kubikmeter Wald Öl, Stahl, Beton oder Plastik ersetzen könne, gebe es eben auch noch eine andere, postuliert Ott: «Wir sind es nächsten Generationen schuldig, die Vielfalt an Bäumen, Blumen und Tieren in Wäldern zu erhalten, und dazu ist totes Holz, wie man es im Naswald findet, ein grosses Plus.»

Ott überrascht seine Zuhörer mit Zahlen und Fakten: «Im Naswald gibt es 17 Waldgesellschaften mit teils sogar europaweit bedeutenden Bäumen. Da ist die seltene Kastanie ein­gebürgert, oder es gibt auch wunderschöne frei stehende Eichen.» Gross sei die Zahl der Orchideen. Gleich 52 Vogelarten, darunter auch eher seltene Spechtarten, diverse Amphibien, Echsen und Schlangen habe man gezählt. Selbst grössere Wildtiere wie Rehe fänden im Naswald Schutz. «Leider», so Ott, sei dieser natürliche Wald auch ein Wunschbiotop für Zecken: «Vor ihnen müssen sich Wanderer unbedingt gut schützen!», warnt der Forstmann.

Roman Graf: «Viele Totholzkäfer»

Geradezu fasziniert hören die Besucher zu, als der Käferforscher Roman Graf von seinen Studien berichtet, die er in den letzten Jahren im Naswald machen durfte. «Der Naswald ist in dieser Hinsicht sicher das wertvollste Naturwaldreservat der Zentralschweiz», hält er fest. «Wir haben hier von 27 Artengruppen binnen kurzem 14 nachgewiesen.» Darunter befänden sich auch solche, die schweizweit oder gar europaweit vom Aussterben bedroht seien.

Geradezu märchenhaft hören sich die Namen dieser Klein- und Kleinstlebewesen an, die Graf gefunden hat, und die man im Naswald bewundern könnte, wenn man sie denn sähe: «Wildbiene, Faulholzrüssler, Widerbock, Kiefernglanzkäfer, Schöner Rindenrüssler oder gar Altholz-Randplattenkäfer ...» Apropos: Die ungeliebten Zecken seien Milben und nicht etwa Käfer, wie oft geglaubt werde, präzisierte der Fachmann.

Hinweis

Am Samstag, 6. Mai, findet vormittags im Naswald unter fachkundiger Leitung eine Begehung statt. Weitere Informationen folgen unter www.ennetbuergen.ch

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