ENNETBÜRGEN: Wo bleibt der Nachwuchs?

Blasmusikvereinen gehen die jungen Mitglieder aus. Ein Problem, das Nadia Lischer (18) beschäftigt. Sie hofft, mit ihrer Maturaarbeit Gegensteuer zu geben.

Carina Odermatt
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Nadia Lischer spielt auf ihrer Oboe. (Bild: Corinne Glanzmann (Ennetbürgen, 27. Dezember 2016))

Nadia Lischer spielt auf ihrer Oboe. (Bild: Corinne Glanzmann (Ennetbürgen, 27. Dezember 2016))

Carina Odermatt

redaktion@nidwaldnerzeitung.ch

Die Musik ist ein wichtiger Bestandteil in Nadia Lischers Leben. Als Oboistin spielt sie seit drei Jahren in der Musikgesellschaft Ennetbürgen. Motivierten Nachwuchs wie sie zu finden, ist aber für viele Blasmusikvereine eine zunehmende Herausforderung. «Mit meiner Maturaarbeit möchte ich den Vereinen eine Hilfestellung bieten, damit sie mehr jugendliche Mitglieder gewinnen und diese erfolgreich in das Vereinsleben integrieren können», beschreibt sie ihr Motiv für die Themenauswahl.

Die Gründe für den fehlenden Nachwuchs sind vielseitig. Zum einen gibt es bereits ein sehr breites Freizeitangebot, das stetig wächst. Jugendlichen ist es zudem wichtig, viel Zeit mit ihren Freunden verbringen zu können, und es fällt ihnen schwer, sich für die Probezeiten und Konzerttermine zu verpflichten. Hinzu kommen nicht beeinflussbare Faktoren wie die Einwohnerzahl einer Gemeinde oder die demografische Entwicklung der Bevölkerung. Um herauszufinden, wie Musikvereine jugendliche Mitglieder finden könnten, hat Nadia Lischer Umfragen mit Vereinspräsidenten und jungen Aktivmitgliedern durchgeführt. Sie hat herausgefunden, dass Jugendliche vor allem einem Verein beitreten, weil sie sich musikalisch weiterentwickeln und mit anderen musizieren wollen. Ebenfalls werden die Chancen für einen Beitritt erhöht, wenn im Verein ein gutes Klima herrscht. Nur selten sind Freunde, welche bereits im Verein sind, der Grund dafür.

Durch Ansprechen der Jugendlichen oder einen guten Kontakt zu den Musiklehrern und den Jugendformationen können neue Mitglieder gewonnen werden. Jugendformationen können an eine Musikschule gebunden sein und sind oft die Vorstufe der Musikvereine.

Eine gelungene Integration ist wichtig

«Damit Jugendliche möglichst lange in einem Verein bleiben, ist es wichtig, dass sie gut integriert werden», erklärt Lischer. «Dies gelingt besonders durch Interessensbekundung und durch Anlässe ausserhalb der Probezeiten, wie etwa der gemeinsame Besuch eines Konzerts.»

Um den Vereinen ihre Resultate und Vorschläge bekannt zu machen, hielt die 18-jährige Maturandin aus Ennetbürgen einen Vortrag vor den Vorstandsmitgliedern der 17 Unterwaldner Blasmusikvereinen. Unter den Anwesenden war auch Katja Durrer, Präsidentin der Musikgesellschaft Ennetbürgen. Auch ihr ist das Problem des fehlenden Nachwuchses bekannt. «Wir sind grundsätzlich sehr bemüht, unseren Verein für Jugendliche attraktiv zu gestalten. Wir unterhalten zum Beispiel ein Patensystem, bei dem Neumitglieder von erfahrenen Mitgliedern unterstützt werden. Weiter organisieren wir verschiedenste Anlässe ausserhalb der Probezeiten. Hier verbirgt sich jedoch die Gefahr, dass zu viele Termine die Mitglieder überfordern», erläutert Katja Durrer.

Schnupperjahr offenbar willkommene Plattform

Weiter setzt die Musikgesellschaft Ennetbürgen auf ein sogenanntes Schnupperjahr, in dem Jugendliche einen Einblick in den Verein erhalten und erste Erfahrungen sammeln können. Ein Konzept, das zu funktionieren scheint. Denn der Verein hat ein relativ tiefes Durchschnittsalter von knapp über 30.

Nadia Lischer will mit ihrer Maturaarbeit einen Beitrag dazu leisten, dass auch andere Vereine in Zukunft mehr auf junge Mitglieder zählen können. Sie schaut mit positiven Gefühlen auf das Schreiben ihrer Arbeit zurück: «Ich habe alles erreicht, was mir wichtig war. Für mich persönlich ist der Musikverein die optimale Möglichkeit, um mit anderen zu musizieren und mich musikalisch sowie persönlich weiterentwickeln zu können.»

Was die Ennetbürger Maturandin nach dem Sommer machen will, ist noch unklar. Ein Musikstudium könnte sie sich aber durchaus vorstellen. «Auf jeden Fall wird die Musik auch in Zukunft ein grosser Teil meines Lebens bleiben», zeigt sich Nadia Lischer im Gespräch mit unserer Zeitung überzeugt.