ENNETBÜRGEN: Zwei alte Hasen auf der Bühne

Ab Samstag wird in der Mehrzweckhalle wieder Theater gespielt. Kaum jemand bringt mehr Erfahrung auf die Bühne als Fredy Gabriel (66) und Werner Frank (67).

Edi Ettlin
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Werner Frank (links) und Fredy Gabriel freuen sich auf die neue Spielsaison der Theatergruppe. (Bild: Edi Ettlin (Ennetbürgen, 18. Januar 2017))

Werner Frank (links) und Fredy Gabriel freuen sich auf die neue Spielsaison der Theatergruppe. (Bild: Edi Ettlin (Ennetbürgen, 18. Januar 2017))

Edi Ettlin

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Die Spannung steigt in der Theatergruppe Ennetbürgen. Es laufen die letzten Proben für die Komödie «Sey letschti Wunsch», die am Samstag Premiere feiert. Bis alles sitzt, stehen diese Woche noch mehrere Durchläufe auf dem Programm. Heuer habe er etwas viel Lampenfieber, sagt Fredy Gabriel verschmitzt. Dies überrascht, denn Gabriel, der einen Wirt spielt, steht bereits zum 50. Mal auf der Ennetbürger Bühne. Doch Werner Frank, der neben ihm in die Rolle des Oberkellners schlüpft, bestätigt: «Eine Anspannung ist schon da – und die braucht es auch. Schliesslich will man dem Publikum fürs Geld etwas bieten.»

Auch Werner Frank blickt auf 43 Rollen zurück und kennt die Ennetbürger Theatergeschichte in- und auswendig. «Damals bin ich als Mitglied der Jungmannschaft ins Theater hineingewachsen», erinnert er sich. Fredy Gabriel erging es ähnlich. Im «Kreuz» seien Spieler gesucht worden, da habe er zugesagt. Vier bis fünf Aufführungen spielte die Jungmannschaft bereits damals pro Saison. Erfolgreich, wie Gabriel bestätigt: «Der Kreuz-Saal war jeweils gestossen voll.»

Mit Grossvaterrolle und Herzinfarkt gestartet

Dass die Jungmannschaft das Theater organisierte, hatte aber nicht nur Vorteile. Weil für die Rollen nur junge, ledige Männer zur Verfügung standen, musste Frank von Anfang an ältere Männer spielen. «Meine erste Rolle war ein Grossvater, der einen Herzinfarkt hatte», erzählt er, und Fredy Gabriel fügt lachend bei: «Inzwischen müssen sie uns nicht mehr auf alt schminken.» Bei ihm ist es so, dass er seit jeher für die komödiantischen, die schalkhaften Figuren ausgesucht wird. «Die lustigen Rollen sind die dankbarsten», sagt er. «Ich war oft der Knecht oder der Diener.»

Auch Werner Frank dürfte dieses Jahr für den einen oder anderen Lacher sorgen, wenn er als Oberkellner die erlesensten Weine auf Französisch vorstellt. Dass Frank, der eine Zeit lang Hauptrollen gespielt hat, dieses Jahr nur wenig Text lernen muss, stört ihn nicht: «Es ist gut, wenn ich jetzt etwas Verantwortung ab­geben kann.»

Immerhin ist es nicht zuletzt Werner Franks Verdienst, dass heute jüngere Spieler für die grösseren Parts bereitstehen. Zeitweilig sei es schon schwierig gewesen, in Konkurrenz zu den wachsenden Fasnachtsaktivitäten genug Spieler zu finden. Nach der Theaterzeit der Jungmannschaft formierte sich 1972 innerhalb der «Birger Jugend» eine von Frank geleitete Theatergruppe. Mit viel Durchhaltewillen ging es aufwärts. Ein Jahrzehnt später wurde die Gruppe zum eigenständigen Verein. «Unsere Erfahrung ist gewachsen und uns zugutegekommen», sagt Frank. So hat sich die Theatergruppe einen festen Platz in der Nidwaldner Theaterlandschaft erobert.

Von den ehemals gespielten Bauernstücken ist man etwas weggekommen. Auch tragische oder historische Stücke, etwa über die Franzosenzeit, kommen beim Ennetbürger Publikum nicht mehr so gut an. «Wir wollen in erster Linie unterhalten», erklärt Werner Frank. Und so kommen heute Lustspiele oder Schwänke aufs Programm. Der Erfolg gibt der Theatergruppe Recht. «Wir haben das Glück, dass uns Leute aus der ganzen Zentralschweiz oder von weiter her besuchen», sagt Frank. «Ich werde oft auf das Theater angesprochen, und das freut mich natürlich sehr.»

Denkwürdiges Auswärtsspiel in Zürich

Einen Erfolg, an den sich beide Spieler gerne erinnern, gab es in der Spielsaison 1980. Damals lud das legendäre Zürcher Bernhard Theater die Ennetbürger mit der Produktion «Fort midem Dräck» zu einem Gastspiel ein. Also packte man das Bühnenbild in einen Lastwagen und fuhr mit der ganzen Truppe nach Zürich. «Da haben wir gesehen, auf welch kleiner Bühne unsere grossen Idole spielen», erinnert sich Werner Frank, und Fredy Gabriel bestätigt: «Das war etwas Grosses.»

Gross ist auch das Ennetbürger Theater geworden. Seit 1994 spielt es in der Mehrzweckhalle, und mit dem Lokal ist auch der Aufwand gewachsen. Jetzt sorgt die Theatergruppe selber für die Bewirtung, der Probenplan ist auf über 40 Termine angewachsen, und beim Bühnenbild gibt man sich schon lange nicht mehr mit einem Alphüttli und einer Tanne zufrieden. Weil nach wie vor auf Teamwork gesetzt wird, hilft Fredy Gabriel jetzt auch beim Bühnenbild mit. «Als Pensionierter habe ich ja Zeit dazu», sagt er.

Nach dem Grund für ihr jahrzehntelanges Engagement gefragt, erstaunt es darum nicht, dass beide übereinstimmend sagen: «Wir haben eben eine gute Kameradschaft auf und hinter der Bühne.» Und während das aktuelle Stück den letzten Schliff erhält, hofft Werner Frank, dass diese Kameradschaft ansteckend wirkt: «Ich wünsche mir, dass auch die Jungen da hineinwachsen und das Ennetbürger Theaterleben fortsetzen.»

Ein Leichenessen in mehreren Gängen

Mit dem Stück «Sey letschti Wunsch» bringt die Theatergruppe Ennetbürgen ein Leichenmahl auf die Bühne der Mehrzweck­halle. Die Komödie von Roland Moser beginnt unmittelbar nach der Beisetzung des Schaustellers August Achermann. Auf Wunsch des Verstorbenen organisiert die Witwe ein mehrgängiges Leichenessen für den engsten Familienkreis. Das Familientreffen wird jedoch schnell zur Farce. Gang für Gang summieren sich die Sticheleien, Seitenhiebe und Wortgefechte und lassen das Familientreffen auf den Höhepunkt zusteuern. (EE)

Hinweis
Vom 28. Januar bis 18. Februar wird das Stück elfmal aufgeführt. Plätze können unter www.theatergruppe-ennetbuergen.ch oder telefonisch über die Nummer 079 643 72 52 reserviert werden.