ENNETMOOS: Er will etwas machen aus seinem Leben

Nico hatte es nicht leicht im Leben. Seit Jahren durfte er bei seiner Gastfamilie jeweils einige Wochen auftanken. Nun bleibt er für eine Ausbildung definitiv.

Drucken
Teilen
Nico (Zweiter von rechts) im Kreis seiner Gastfamilie Anna, Leandro und Maria Minutella (von links). (Bild Corinne Glanzmann)

Nico (Zweiter von rechts) im Kreis seiner Gastfamilie Anna, Leandro und Maria Minutella (von links). (Bild Corinne Glanzmann)

Philipp Unterschütz

Seit er fünf Jahre alt war, kam der heute knapp 19-jährige Nico aus Wuppertal (D) jedes Jahr jeweils für einige Wochen zur Familie seiner Gastmutter Maria Minutella in Ennetmoos. Nico stammt aus schwierigen sozialen Verhältnissen, seine Ferien kamen dank des Kinderhilfswerks Kovive zu Stande, welches sozial benachteiligten Kindern eine Auszeit bei Gastfamilien vermittelt (siehe Kasten). «Nicos Mutter hat psychische Probleme und muss deswegen Medikamente nehmen. Sie war mit der Erziehung der Kinder überfordert», sagt Maria Minutella. Vor rund sieben Jahren berichtete unsere Zeitung bereits über Nicos Ferien in der Schweiz. Damals sagte seine Gastmutter, sie hoffe, dass der 12-Jährige durch die anderen Perspektiven, die er hier sehe, vielleicht einen Kick erhalte, aus seinem Leben etwas zu machen.

Nicos Hilferuf wurde gehört

Und genau das will Nico offensichtlich nun. Sein Ziel ist es, in der Schweiz eine Ausbildung zu machen. Seit zehn Tagen lebt Nico definitiv bei seiner Gastfa­milie in Ennetmoos. «Ich hielt es nicht mehr aus, ich war an einem seelischen Tiefpunkt und hatte fast nur noch Migräne», erzählt Nico. Im Februar habe sie seinen Hilferuf bekommen, er müsse da weg, ergänzt Maria Minutella. «Im ‹Familienrat› meinten meine Kinder, es sei wohl selbstverständlich, dass Nico kommen dürfe, das sei doch gar keine Frage.» Nicos Mutter habe seinen Wunsch unterstützt und freue sich, dass ihr Sohn diese Chance bekomme, meint Maria Minutella, die Nicos Mutter persönlich kennt und mit ihr Kontakt hat.

Hoffen auf Schnupperlehre

Nico habe insofern Glück gehabt, als er bereits als kleiner Bub andere Lebensumstände kennen lernte. «Ältere Kinder können schon sehr von ihrer Lebenssi­tuation geprägt sein, und dann kann es schwierig werden. In den 14 Jahren bei uns lernte er ein Familienleben kennen, das er zu Hause gar nie erlebte», meint Maria Minutella. «Schon vor etwa fünf Jahren sagte Nico, dass er am liebsten einmal ‹Schweizer› werden würde.» Bereits sind acht Briefe mit Anfragen für Schnupperlehrstellen verschickt. Am liebsten würde er Grafik-Designer lernen, aber das sei wohl schwierig, weil man die Berufsmatura haben müsse, meint Nico. Polygraf bei einem Printmedium oder gar Konstrukteur würden ihn ebenfalls interessieren. «Weil ich sehr gerne mit Holz arbeite, könnte ich mir auch eine Ausbildung zum Schreiner gut vorstellen.» Zu den Bewerbungsunterlagen verfasste Maria Minutella einen Begleitbrief, in dem die besondere Situation Nicos erklärt wird. Jetzt heisst es warten und hoffen, dass Nico bald eine Schnupperlehre oder Ausbildung machen kann. Maria Minutella sagt, dass sie gerne noch weitere Bewerbungen verschicken würden. Sie seien für jeden Hinweis sehr dankbar.

Hinweis

Maria Minutella ist für Auskünfte oder Ausbil­dungs­angebote erreichbar unter Tel. 041 610 52 51.