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ENNETMOOS: Netze verhinderten riesigen Hagel-Schaden

Die Kirschen bei Filligers überstanden das Hagelgewitter unbeschadet. Dank eines ausgeklügelten Schutzes. Dieser hat aber seinen Preis.
Matthias Piazza
Markus Filliger in seiner durch Netze geschützten Plantage. (Bild Matthias Piazza)

Markus Filliger in seiner durch Netze geschützten Plantage. (Bild Matthias Piazza)

Matthias Piazza

Wer die Kirschenplantage von Markus Filliger und seiner Frau Manuela bestaunen will, muss durch engmaschige Netze schlüpfen. Gut geschützt und eingepackt sind die kostbaren Niederstammbäume. Auf 1100 Quadratmetern warten in langen Reihen fünf verschiedene Sorten Kirschen aufs Pflücken. Sie sind begehrt. Für die grössten und schmackhaftesten erhält er im Direktverkauf 10 Franken pro Kilo. Im Juli und August ist Erntezeit. Auch Himbeeren, Brombeeren, Erdbeeren und Heidelbeeren bieten die Filligers auf dem Bieli-Hof im Ennetmooser Drachenried an. In einer guten Saison pflücken sie bis zu drei Tonnen. Das meiste gelangt in den Direktverkauf, doch auch Läden aus der Region gehören zu ihren Abnehmern.

Kunden würden sauer werden

Den heftigen Hagel vom vergangenen Montag werden die beiden nicht so schnell vergessen. «Wir waren gerade mit dem Ernten von Kirschen beschäftigt, als sich das Unwetter zusammenbraute», erinnert sich Markus Filliger. Sie zogen sich in den Keller zurück und nutzten die Zeit, um Kirschen zu sortieren, bevor es dann wieder zurück auf die Plantagen ging, die den Hagel unbeschadet überstanden hatten – den Netzen sei Dank. Sie schützen übrigens auch vor der gefürchteten Kirschessigfliege.

Seit etwa fünfzehn Jahren sind seine Plantagen durch die engmaschigen Netze geschützt. Und das hat seinen guten Grund. «Der Hagel am Montag hätte einen riesigen Schaden angerichtet und wohl etwa die Hälfte der Ernte zerstört», mutmasst Filliger. Die Hagelkörner hätten die Kirschen beschädigt, Wasser wäre eingedrungen, sie wären verfault. Und das könne er sich nicht leisten – trotz Hagelversicherung, die den Ernteausfall entschädigen würde. «Wenn ich in zwei von drei Jahren die Kunden nicht oder nur mit zweitklassigen Kirschen beliefern könnte, würden sie mit der Zeit die Geduld verlieren und auf andere Lieferanten ausweichen.»

In der höchsten Gefahrenzone

Darum stehe für ihn der Hagelschutz ausser Frage. «Wir liegen hageltechnisch in der Gefahrenzone 1 und sind fast jeden Sommer betroffen.» Doch der Hagelschutz hat seinen Preis. Auf 60 000 bis 70 000 Franken beziffert Filliger die Kosten für die Netze, inklusive dazugehöriger Bewässerung. Eine Investition, die sich auch deshalb lohne, «weil damit die Versicherungsprämien sinken».

Der Aufwand, eine solche Einrichtung zu betreiben, sei allerdings nicht zu unterschätzen. Denn im Winter müssen die Netze demontiert werden, sie könnten unter der Last des Schnees einbrechen. «Den richtigen Zeitpunkt für das Aufstellen und Entfernen zu finden, ist eine Kunst – dazu gehört auch Glück», weiss Filliger aus Erfahrung. Er bewegt sich auf einem schmalen Grat: «Wenn ich die Netze zu früh spanne, riskiere ich, dass sie einem verspäteten Schneefall im Frühling zum Opfer fallen. Warte ich zu lange, könnte mich der Hagel überraschen.» Dasselbe Dilemma, nur in umgekehrter Reihenfolge, hat er im Herbst.

Doch einmal mehr haben seine Vorsichtsmassnahmen genützt: Korb für Korb füllt sich mit tadellosen, erstklassigen Kirschen und Beeren.

Sturm entzweit alte Kastanie

Das heftige Hagelgewitter vom Montag hinterliess auch bei einem berühmten Buochser seine Spuren. Der Sturm entzweite die 150-jährige Rosskastanie auf Ennerberg, der Kuppe mit Ausblick auf ganz Buochs und Ennetbürgen. Auf Facebook drückten viele Buochser ihr Bedauern darüber aus. Kein Wunder: Ihnen bot sich ein schauerlicher Anblick, der Stamm ist bis ins Innere freigelegt.

«50 Prozent des Stammdurchmessers sind weggebrochen», bestätigt Baumpflegespezialist Alois Murer. «Wir kontrollieren den Baum seit zwanzig Jahren und stellten in den vergangenen Monaten Bewegungen im Stamm fest. Noch diesen Sommer hätten wir den Baum verankern wollen. Nun kam der Sturm uns halt zuvor und richtete genau das an, was wir vermeiden wollten», erzählt Murer. Ist das Schicksal dieses altehrwürdigen berühmten Baums nun besiegelt? Der Baumpflegespezialist verneint. «Der Baum hat enorme Abwehrkräfte. Er wird sich so lange als möglich gegen die nun eintretende Holzzersetzung durch parasitäre Pilze wehren. Er steht nun als Monument, das den Kräften der Natur trotzt. Wir haben uns dafür eingesetzt, ihn stehen zu lassen.» So habe man lediglich die verbleibende Krone durch Schnitt entlastet. Ein erhöhtes Sicherheitsrisiko bestehe nicht.

Trotzdem: So einfach steckt der Baum die Attacke nicht weg. Murer rechnet mit einer restlichen Lebenszeit von höchstens noch 10 bis 15 Jahren. Doch für die Zeit danach ist gesorgt. Aus einem Trieb dieser Rosskastanie zieht die Murer Baumpflege GmbH einen genetisch identischen Nachfahren heran, der dann dereinst den Platz seines Vorgängers einnimmt.

Die durch den Sturm entzweite Rosskastanie auf Ennerberg bei Buochs. (Bild Sepp Bernasconi)

Die durch den Sturm entzweite Rosskastanie auf Ennerberg bei Buochs. (Bild Sepp Bernasconi)

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