ENNETMOOS: Schutzräume: Im Ernstfall haben alle ihren Platz

Über 2700 Schutzräume stehen in Nidwalden für die gut 42000 Kantonsbewohner zur Verfügung. Damit sie im Ernstfall auch wirklich funktionstüchtig sind, finden periodisch Kontrollen statt. Zurzeit ist Ennetmoos an der Reihe.

Philipp Unterschütz
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Hanspeter Albisser prüft eine Schutzraumtüre. (Bild: Philipp Unterschütz (Ennetmoos, 3. Oktober 2017))

Hanspeter Albisser prüft eine Schutzraumtüre. (Bild: Philipp Unterschütz (Ennetmoos, 3. Oktober 2017))

Philipp Unterschütz

<span class="mail_autor">philipp.unterschuetz@</span>nidwaldnerzeitung.ch

Niemand denkt gerne an die Möglichkeit, dass die Schweiz in einen bewaffneten Konflikt verwickelt werden könnte, oder an eine Umwelt- oder Naturkatastrophe. Trotzdem soll das Land stets vorbereitet sein – allen Menschen steht ein Platz in einem Schutzraum zu. Allein in Nidwalden gibt es über 2700 Schutzräume. «Nach wie vor gilt für Neubauten, auch für Einfamilienhäuser, eine Schutzraum-Baupflicht. Ausgenommen sind jedoch Industrie- Gewerbe und öffentliche Bauten», erklärt Hans Peter Lipp, der in Nidwalden für Zivilschutzbauten zuständig ist.

Über seinen Tisch gehen auch alle Baubewilligungen für Schutzräume. «Wenn in einem Gebiet genügend Schutzräume vorhanden sind, kann man diese Pflicht mit einem Ersatzbeitrag abgelten.» Dieser beträgt 800 Franken pro Platz – festgelegt vom Regierungsrat – und kann sich je nach Grösse des Schutzraums bis auf 400 Franken reduzieren. Die Beiträge sind zweckgebunden und werden vom Kanton beispielsweise für die periodische Schutzraumkontrolle verwendet. Man habe in Nidwalden nur gerade ein bis zwei Gebiete, die mit Schutzräumen noch unterdotiert seien, sagt Lipp. «Sobald dort gebaut wird, werden zusätzliche Schutzräume verlangt.»

Ennetmoos ist eine Pilotgemeinde

Schutzräume nützen nur dann, wenn sie stets funktionstüchtig sind. Das Bundesamt für Bevölkerungsschutz schreibt deshalb vor, dass mindestens alle zehn Jahre sämtliche Schutzräume inspiziert werden müssen. Aufgrund dieser Kontrollen haben die Eigentümer allfällige Mängel zu beheben. Eine rollende Planung und permanente Aufgabe für Hans Peter Lipp.

Im September und Oktober ist nun die Gemeinde Ennetmoos an der Reihe. Für die rund 2100 Einwohner stehen 190 Schutzräume zur Verfügung. Ausgeführt werden die Kontrollen nach Voranmeldung durch die Firma Abri Audit AG, die sich auf solche Überprüfungen spezialisiert hat und Büros in Zürich, Bern und Lausanne führt. Ein Pilotprojekt, sagt Hans Peter Lipp. «Würden wir das vom kantonalen Zivilschutz machen lassen, müssten wir angesichts der kurzen Wiederholungskurse so viele Leute schulen, dass sich das nie lohnen würde.» Zudem verspricht sich der Kanton eine bessere Qualität der Kontrollen, wenn es immer die gleiche Person macht. «Wenn es funktioniert, wäre ein nächster Schritt, dass wir von der Firma zwei bis drei Gemeinden gleichzeitig kontrollieren lassen.» Bevor der Kanton 2013 den baulichen Zivilschutz selber übernahm, war ein externes Architekturbüro für Bewilligungen und Kontrollen zuständig.

Meist sind nur kleine Mängel zu beanstanden

Schutzraum, Betonhülle, Notausstieg, Fluchtröhre, Schutzraumabschlüsse, Belüftungssystem, Panzertüren und -deckel: inklusive Abschlussgespräch mit den Inhabern braucht Hanspeter Albisser rund eine halbe Stunde für die Kontrolle eines Schutzraums. Albisser ist bei der Abri Audit AG zuständig für Nidwalden. Und auch wenn seine Arbeit in Ennetmoos erst Ende Monat abgeschlossen ist, kann er bereits ein gutes Zeugnis ausstellen. «Die meisten Schutzräume waren bisher in sehr gutem Zustand, oft handelt es sich nur um kleine Mängel, die behoben werden müssen», erzählt er, während er einen Gasfilter in einem Belüftungssystem überprüft. Am häufigsten müsse er bemängeln, dass die Abdeckungen der Fluchtschächte nicht gesichert seien.

Kontrolleur über die Schultern schauen

Seine Rapporte speist Albisser in die Datenbank des Kantons ein, Ende Oktober werden dort die vorgefundenen Mängel analysiert und die Eigentümer vom Kanton aufgefordert, diese zu beheben. Dass die Kooperation hier in Ennetmoos, wie auch andernorts, sehr gut sei, betont Robert Bolleter, Geschäftsführer der Abri Audit AG. «Unsere Mitarbeiter wurden bei den Kontrollen noch nie grundsätzlich abgelehnt. Die Leute sind anfänglich manchmal etwas skeptisch, aber nach der Besprechung sind sie meist positiv eingestellt.» Viele würden zuschauen und seien interessiert an der Lüftung oder staunten, dass der Raum im Ernstfall unter Überdruck stehe.