Ennetmoos

Tierheim Paradiesli hilft bedürftigen Hundebesitzern mit Spenden

Das Tierheim Paradiesli in Ennetmoos hat für schlechter gestellte Hundehalter eine Spendenaktion ins Leben gerufen. Diese dürfen beim Tierheim Hundefutter abholen – kostenlos und anonym.

Kristina Gysi
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«Es ist die Zeit des Schenkens», sagt Flavia Purtschert. Ihre Stimme ist durch die Maske gedämpft, aber das Lächeln dahinter erreicht ihre Augen. Die Tierpflegerin des Tierheims Paradiesli in Ennetmoos deutet auf einen Tisch hinter sich. Darauf liegen Dosen und Säcke mit Hundefutter. Daneben, an der Hauswand, hängt ein Plakat mit dem Slogan «Tischlein deck dich». Aus dem Innern des alten Bauernhauses dringt Hundegebell.

«Wir möchten Menschen und ihren Tieren in dieser schwierigen Zeit helfen», erzählt Purtschert. «Deshalb haben wir vor knapp zwei Wochen einen Gabentisch aufgestellt.» Die Idee: Bedürftige Hundebesitzer dürfen zu jeder Tages- und Nachtzeit vorbeikommen und gratis Essen für ihre Tiere mitnehmen. «Man muss nicht vorweisen können, dass man sich die Hundenahrung nicht selbst leisten kann. Wir vertrauen hier auf die Ehrlichkeit unserer Besucher.» Laut Purtschert haben sie bisher nicht mit «Hamsterern» zu kämpfen – im Gegenteil: «Es ist wirklich lieb, wie viele Menschen uns Spenden vorbeibringen. Aber es kommen noch nicht so viele Leute, die auch etwas abholen.»

«Es ist die Zeit des Schenkens», so Flavia Purtschert, Tierpflegerin im Paradiesli.

«Es ist die Zeit des Schenkens», so Flavia Purtschert, Tierpflegerin im Paradiesli.

Bild: Kristina Gysi (Ennetmoos, 23. Dezember 2020)

Dafür gebe es wohl mehrere Gründe. «Wir denken, dass es einige Hundehalter gibt, denen gar nicht wirklich bewusst ist, dass sie das Gratisfutter brauchen könnten und deshalb anständige Zurückhaltung zeigen», mutmasst die 24-Jährige. Genauso gut könne es sein, dass das Tierheim Paradiesli vielen Leuten zu abgelegen ist und noch zu wenige von der Aktion wüssten. «Dem einen oder anderen ist es vielleicht auch unangenehm oder sogar peinlich.» Aus diesem Grund haben die Tierpflegerinnen den Tisch draussen, im Vorhof des Heims, aufgestellt. So können sich die Hundehalter jederzeit bedienen und auch in der Nacht vorbeikommen – falls sie befürchten, dabei gesehen zu werden. «Es hat auf jeden Fall genug!», meint Purtschert lachend und deutet auf den gut bestückten Gabentisch.

Die Nahrungsmittel werden teilweise vom Tierheim selbst, aber auch durch private Spenden zur Verfügung gestellt. Zudem beteiligen sich der Tierschutzverein Ob- und Nidwalden, die Stiftung für vergessen Seelen und die Susy Utzinger Stiftung für Tierschutz am gemeinnützigen Projekt. «Wir haben die Aktion extra in der Weihnachtszeit lanciert. Es passt einfach gut», so Purtschert.

Auch Tierheim kämpft mit Einnahmeverlusten

Zwar könne das Tierheim die zahlreichen Spenden auch selbst gut gebrauchen, denn die finanziellen Einbussen seien derzeit gross. «Die Zahl unserer Feriengäste ist in diesem Jahr drastisch zurückgegangen», erklärt Purtschert. Mit Feriengästen sind jene Hunde gemeint, die während der Ferienzeit ihrer Besitzer in die Obhut der Pflegerinnen gegeben werden. Eine wichtige Einnahmequelle für das Tierheim Paradiesli. Trotzdem wolle man nicht alle Spenden für sich behalten und Menschen unter die Arme greifen, denen es im Moment nicht so gut geht. Die Aktion laufe noch bis mindestens Anfang Januar. «Wir haben kein Zeitlimit, sondern schauen einfach mal, wie es so läuft», erklärt Purtschert. Je nachdem könne man auch noch bis Mitte Januar verlängern.

Auch Jasmin Furrer arbeitet als Tierpflegerin im Paradiesli. Hier mit Hund Georgy.

Auch Jasmin Furrer arbeitet als Tierpflegerin im Paradiesli. Hier mit Hund Georgy.

Bild: Kristina Gysi (Ennetmoos, 23. Dezember 2020)

Hunde sind kein Spielzeug zum Zeitvertreib

Neben den fehlenden Feriengästen habe die anhaltende Krise auch positive Effekte. Laut Purtschert werden zurzeit mehr Hunde aus dem Heim geholt als üblich. «Da viele Leute im Homeoffice arbeiten, haben sie Zeit für einen Hund.» Jedoch sei es falsch, sich einen Hund anzuschaffen, um die Langeweile zu vertreiben. «Wir haken natürlich mehrmals nach, ob für den Hund auch noch nach der Krise gesorgt werden kann.» Wer einen Hund aus dem Tierheim Paradiesli holen will, muss dafür zu mehreren Gesprächen erscheinen und begleitete Ausflüge unternehmen. «Mensch und Tier müssen sich kennenlernen. Wenn es nicht harmoniert, geben wir den Hund nicht weg», so Purtschert. Das komme häufig vor.

«Hunde, die ins Heim kommen, tragen oft einen Rucksack mit sich», erklärt die Tierpflegerin. Sie seien in vielen Fällen keine einfachen Tiere und können deshalb auch nicht direkt durch den alten Besitzer weitervermittelt werden. «Sie eignen sich oftmals nicht als erstes Haustier, da sie genug Erfahrung und Hundekenntnis seitens der Besitzer voraussetzen.» Es gebe viele Menschen, die Hunden in Heimen gerne eine Chance geben würden. «Das ist zwar nett gemeint, kommt aber leider oft nicht in Frage, da der Aufwand teilweise unterschätzt wird.»

Umso schöner sei es dann, wenn ein Hundefreund das passende Tier im Heim findet – und umgekehrt. «Der Hund muss nicht nur dem Herrchen passen. Es muss auch andersrum stimmen», sagt Purtschert und rückt das Hundefutter auf dem Tisch zurecht. Vielleicht landet es in den nächsten Tagen im Napf eines hungrigen Vierbeiners.