ENNETMOOS: Trotz dickem Bauch eine Überraschung

Vierlinge sind rar auch bei Geissen. Dass alle vier überleben, ist noch seltener. Zu fünft kümmern sich die Felders um den Nachwuchs ihrer Ziege Olga.

Drucken
Teilen
Ivan, Anja und Remo Felder (von links) mit den vier kleinen Geissen. (Bild: Marion Wannemacher)

Ivan, Anja und Remo Felder (von links) mit den vier kleinen Geissen. (Bild: Marion Wannemacher)

Marion Wannemacher

Im Iglu vor der Scheune in der Murmatt ist was los. Kleine Geissen springen durcheinander, meckern fröhlich Ivan, Anja und Remo Felder entgegen. Zwei stellen sich auf die Hinterbeine, um aus dem Iglu zu gucken. Heute ist Fototermin. Ziege Olga hat Vierlinge geboren. Das war eine Überraschung für alle.

«Olga hatte schon einen dicken Bauch», erzählt Lydia Felder. Aber mit Vierlingen hat niemand gerechnet. An einem Morgen vor zwei Wochen, als sie und Ehemann Ruedi von ihrer Wohnung beim Allweg in Ennetmoos hoch auf die Murmatt fuhren, um Kühe und Geissen zu füttern, fanden sie die vier. «Zwei waren unter der Geiss, eins lag bei einer anderen und eins noch ganz woanders», berichtet Lydia Felder. «30 Jahre lang, schon seit er zehn war, züchtet mein Mann jetzt schon Geissen, aber das hat er noch nie erlebt.» Vater Ruedi arbeitet an diesem Nachmittag, Landwirtschaft ist bei den Felders Nebenerwerb.

Wie ein Lottogewinn

«Vierlinge bei Geissen, das ist schon eine Seltenheit», bestätigt Klaus Arnold von der Ziegenzuchtgenossenschaft Nidwalden. Die Chance liege bei Geissen bei einem Prozent, schätzt der Schweizerische Ziegenzuchtverband in Bern. «Und noch seltener ist, dass sie alle überleben. Wenn alles gut geht, ist das natürlich eine Freude», kommentiert Arnold. Die ist bei den Felders tatsächlich gross. «Dass man sie durchbringt, ist schon heikel», weiss Lydia Felder. «Es macht einen auch ein bisschen stolz.» Zwei der vier sind draussen bei den anderen vier gleichaltrigen «Gitzi», die von anderen Geissen abstammen. Die zwei Kleineren von Olgas Nachwuchs sind im Stall beieinander und werden mit einem Schoppen aufgezogen. Zweimal am Tage bekommt jedes drei Flaschen, insgesamt 1,2 Liter feinste Geissenmilch.

Im Wasserbad wärmt Lydia Felder einen Schoppen, prüft die Temperatur, indem sie die Milch auf den Handrücken spritzt. «Wie für ein Baby», sagt sie. Remo und Anja dürfen abwechselnd «schöppeln». Gierig und ungeduldig saugt das Geisslein die Flasche in kurzer Zeit leer.

Wieder in ihrem kleinen Zuhause mit Strohballen und Absperrgitter steckt eins der beiden jungen Geisslein neugierig die Nase hervor und stupst den fremd riechenden Besuch ans Bein. «Geissen sind wie kleine Hunde», findet Ivan und lacht. «Sie erkennen unsere Stimmen. Wenn meine Mutter etwas sagt, springen sie hoch.»

Ziegenfachmann mit elf

Der Elfjährige klingt selbst wie ein Fachmann, wenn er über die Geissen und ihre Geburten redet. «Wenn man am Abend sieht, dass es gut kommt, kann man sie einfach lassen», erklärt er die Situation vor der Geburt. Übrigens: Entstanden sind die weiblichen Vierlinge Anfang August auf einer Alp. Ihr Vater heisst Benno und gehört dem Senner. Es handelt sich um «Gemsfarbige Gebirgsziegen», mittelbraun mit einem schwarzen Aalstrich auf dem Rücken. Zum siebenten Mal hat Olga schon Junge zur Welt gebracht, erst dieses Mal mehr als wie sonst üblich eins oder zwei. Namen haben sie noch keine.

Das Melken ist streng

Drei Liter Milch gibt Olga am Tag. Das Melken ist strenge Arbeit. Ivan hilft jeden Abend, auch Anja (8) und Remo (5) haben ihre Pflichten. Die Milch der Geissen verkaufen Felders nicht weiter. Sie nutzen sie für den Eigenbedarf oder geben sie im Sommer auf der Alp Oberarni in Engelberg in die Geissenkäseproduktion.

«Die Landwirtschaft ist unser Hobby», sagt Lydia Felder. «Wir machen das miteinander. Die Kinder dürfen mithelfen, manchmal ist es auch ein ‹Müssen›. Aber das prägt, wenn sie erleben, wie Geissen auf die Welt kommen, wenn sie mit ihnen spielen und sie ‹schöppeln›.»