ENNETMOOS: Verschwindet Schlucht von der Wanderkarte?

Entweder bestreitet die Gemeinde alleine den Unterhalt, oder er wird gestrichen: Das Stimmvolk soll über den Wanderweg durch die Rotzschlucht entscheiden.

Philipp Unterschütz und Oliver Mattmann
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Der Wegeinstieg in die Schlucht vom Rotzloch her. (Bild Richard Greuter)

Der Wegeinstieg in die Schlucht vom Rotzloch her. (Bild Richard Greuter)

Philipp Unterschütz und Oliver Mattmann

«Begehung nur auf eigene Gefahr». So oder ähnlich könnte es bald auf Schildern am Wanderweg durch die Rotzschlucht in Ennetmoos heissen. Dies, wenn im Herbst die Gemeindeversammlung einen Kreditantrag ablehnen würde. «Entweder wir unterhalten den Weg und übernehmen die Kosten, oder er wird aus dem kantonalen Wanderwegnetz gestrichen», erklärt Gemeindepräsident Peter Scheuber. Aus Sicherheitsbedenken wegen Steinschlaggefahr auf einem rund 100 Meter langen Abschnitt war die Gemeinde bereits 2013 bei der kantonalen Fachstelle für Wanderwege vorstellig geworden. Ihr Antrag: Der Weg durch die Rotzschlucht ist aus dem Nidwaldner Wanderwegnetz zu streichen.

Steinschlagschutz ist kostspielig

So weit ist es aber noch nicht. Der Kanton hat in der Zwischenzeit ein geologisches Gutachten erstellen lassen. «Die Steinschlaggefahr in diesem Gebiet ist nachgewiesen», kommentiert Rudolf Günter, Leiter der kantonalen Fachstelle für Wanderwege, das Ergebnis. «Der Geologe kommt aber zum Schluss, dass das Risiko mit Massnahmen auf ein akzeptables Mass gesenkt werden kann.» So schlägt er in erster Linie eine Sperre übers Winterhalbjahr und periodische Kontrollen durch den Wanderwegverantwortlichen der Gemeinde vor. Bei besonderen Feststellungen wie etwa vermehrtem Steinschlag müsste die Situation neu beurteilt werden. Eine weitere Möglichkeit seien regelmässige Felsreinigungen, die sich in der Vergangenheit bewährt haben.

Stimmbürger sollen entscheiden

Auch Steinschlagschutznetze wären eine Variante, dürften aber mit hohen Kosten verbunden sein. Welche Massnahmen die Gemeinde letztlich umsetzen würden, sei noch unklar, sagt Peter Scheuber. «Nach ersten groben Schätzungen würden die Kosten aber die Finanzkompetenz des Gemeinderates übersteigen.» Diese liegt für wiederkehrende Ausgaben bei maximal 25 000 Franken pro Jahr. Der Gemeinderat wolle den Entscheid aber auch bewusst breit abstützen, sagt Scheuber zum Kreditbegehren ans Stimmvolk. «Die Höhe des Antrages hängt davon ab, welche Massnahmen in Angriff genommen werden könnten und zu welchen Kosten», erklärt Peter Scheuber.

Sicherheit ist oberstes Gebot

Daran nicht mehr beteiligen wird sich die Steinag Rotzloch AG, Grundeigentümerin des betroffenen Abschnitts, wie der Vorsitzender der Geschäftsleitung, Roger Schmid, auf Anfrage sagt. Vor dem Umbau ihres Wasserkraftwerks in der Rotzschlucht im Frühjahr 2014 brauchte die Firma den Weg zu Unterhaltszwecken der alten Anlagen. Heute ist das nicht mehr der Fall. Bisher hatten die Gemeinde und die Steinag Rotzloch AG die Kosten aufgeteilt.

Der Kanton selbst steht nicht in der Pflicht. Bis um die Jahrtausendwende habe er noch 50 Prozent an Bau, Unterhalt und Signalisation von Wanderwegen gezahlt, bei der damaligen Aufgabenteilung sei die finanzielle Verantwortung dann aber vollumfänglich den Gemeinden übertragen worden, erzählt Rudolf Günter. Daran ändert auch nichts, dass der Fachstellenleiter von einem Abschnitt mit kulturhistorischer Bedeutung spricht. «Der Weg durch die Rotzschlucht ist nicht nur für Wanderer attraktiv, hier nahm auch die Industrialisierung des Kantons ihren Lauf.» Oberstes Gebot ist und bleibt aber die Sicherheit. Und für die ist die Gemeinde zuständig. Deshalb, so Rudolf Günter, warte man nun den Entscheid der Gemeindeversammlung ab – auch hinsichtlich der aktuellen Überarbeitung des kantonalen Wanderwegnetzes. «Eine Schliessung würde ich allerdings bedauern», gesteht der Fachstellenleiter gegenüber unserer Zeitung.

Anbindung an Stansstader Weg

Ein Interesse am Wanderweg durch die Rotzschlucht hätte grundsätzlich auch die Nachbargemeinde Stansstad. Die Schwierigkeiten und die hohen Kosten für den Unterhalt seien aber hinlänglich bekannt, heisst es von Seiten des Gemeinderates. Man habe dem Ennetmooser Gemeinderat mitgeteilt, dass «für Stansstad die Anbindung an das eigene Wanderwegnetz wichtig ist». Ob dies ohne oder mit Weg durch die Schlucht passiere, müsse Ennetmoos entscheiden.