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Entscheid zu Schulreisen wird in Nidwalden ignoriert

Eigentlich dürfte die Volksschule von den Eltern keine Beiträge mehr für Lager, Reisen und Exkursionen verlangen. So hat es das Bundesgericht entschieden. Im Kanton Nidwalden bleibt jedoch alles beim Alten, solange sich keiner beschwert.
Franziska Herger
Schulkinder vergnügen sich auf einer Schulreise mit dem Schiff. (Symbolbild: Manuela Jans)

Schulkinder vergnügen sich auf einer Schulreise mit dem Schiff. (Symbolbild: Manuela Jans)

Reisen und Exkursionen in der Volksschule müssen gratis sein. Mit Ausnahme von 16 Franken pro Kind und Tag für die Verpflegung im Schullager dürfen Schulen daher keine Beiträge von den Eltern mehr verlangen. Das hat das Bundesgericht Ende 2017 entschieden und damit auch in der Zentralschweiz für Aufruhr gesorgt. In Luzern verlangte eine Mehrheit des Kantonsrats eine Beteiligung des Kantons an Schulausflügen. Obwalden passte seine Bestimmungen an, mehrere Gemeinden mussten die Budgets erhöhen (Ausgabe vom 8. Februar). In Nidwalden dagegen hält man am alten System fest, wie Nachfragen unserer Zeitung ergeben.

Andreas Gwerder, Direktionssekretär Bildungsdirektion Nidwalden.

Andreas Gwerder, Direktionssekretär Bildungsdirektion Nidwalden.

Die Beteiligung der Eltern ist in Nidwalden in der Volksschulverordnung geregelt. Diese habe man nicht angepasst, sagt Andreas Gwerder, Direktionssekretär der Bildungsdirektion. «Im Moment gibt es auch keine Pläne für eine künftige Anpassung. Sollten Eltern einen Beitrag rechtlich anfechten, müssen wir allenfalls über die Bücher.» Denn in der Verordnung sind nach wie vor Elternbeiträge von 100 Franken pro Schuljahr auf der Primar- und 200 Franken auf der Oberstufe als zulässig festgehalten, zusätzlich zu 10 Franken pro Tag für die Verpflegung auf Exkursionen, Schulreisen und Schulverlegungen.

Schulen regeln Finanzierung ganz unterschiedlich

Man empfehle den Schulen, einvernehmliche Lösungen zu finden, sagt Andreas Gwerder. «Bisher haben wir keine Hinweise aus den Gemeinden über Probleme oder Beschwerden.»

In Beckenried versuche man, die Elternbeiträge für die insgesamt drei Klassenlager in neun Schuljahren zwischen 80 und 100 Franken für fünf Tage zu halten, sagt Gesamtschulleiter Micha Heimler. «Kein Thema ist es für uns, nicht mehr ins Lager zu gehen.» Auch die sechs Schneesporthalbtage zwischen Neujahr und Fasnacht kosten die Eltern je rund 10 Franken. Heimler findet den Bundesgerichtsentscheid im Grundsatz richtig. «Man soll ihn zwar nicht zu eng auslegen. Aber was nicht mehr geht, ist, dass Eltern bei jedem Ausflug etwas zahlen müssen.» Tagesausflüge, etwa zum Schlittschuhlaufen in Luzern, oder Theaterbesuche in Stans, zahlt in Beckenried neu die Schule, wofür man das Budget «leicht erhöht» habe. Auch die Schulreise werde in der Regel von der Schule übernommen.

In Oberdorf lägen die Beiträge für Schullager schon seit längerem bei rund 16 Franken pro Kind und Tag, führt Schulleiter Markus Abry aus. Für Ausflüge wie Schulreisen, Herbstwanderungen oder den Skitag zahlt die Schule je nach Alter zwischen 20 und 70 Franken pro Schüler und Jahr. «Die restlichen Kosten werden mit Eigenleistungen der Schüler und über die Eltern finanziert», so Abry. «Ginge das nicht, könnten wir wohl bald nicht mehr alle Angebote durchführen.» Man habe aber bisher keinerlei negative Reaktionen von Eltern erhalten. «Im Gegenteil, beim Wintersporttag etwa fanden viele Eltern, es sei toll, dass wir das noch machen.»

Vereinzelte Anfragen von Eltern in Buochs

In Buochs habe es nach dem Bundesgerichtsentscheid vereinzelte Anfragen von Eltern wegen der Beiträge gegeben, sagt Gesamtschulleiter Piero Indelicato. «Ich erklärte dann jeweils, dass alles beim Alten bleibt, wir aber darauf achten, dass die Elternbeiträge für Schullager sich ungefähr im Rahmen der 16 Franken pro Tag bewegen. Das wurde akzeptiert.»

In Buochs gibt es ein Lager für die 5. Primar, letztes Jahr etwa in den Flumserbergen und eines in der 2. Oberstufe, das 2018 in Stäfa stattfand. Die Schule zahlt dafür 120 Franken pro Schüler pro Woche, der Rest muss über Elternbeiträge und die Klassenkasse finanziert werden. Um diese aufzustocken, verkaufen die Schüler etwa Kuchen oder waschen Autos. Bei Exkursionen, zum Beispiel in die Römerstadt Augusta Raurica bei Basel oder ins Nidwaldner Museum, übernimmt die Schule die Hälfte der Kosten, die andere Hälfte tragen die Eltern. Die Schulreise schliesslich wird nur durch Schüler und Eltern finanziert. «Wir folgen der Anweisung der Bildungsdirektion», sagt Piero Indelicato. Wenn sich Eltern beschweren würden, müsste man schauen, was ein Gericht dazu sagt.»

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