Sängerin sagt Balkonkonzert in Kehrsiten aus Angst vor zu vielen Fans ab

Es hätte ein coronakonformes Balkonkonzert werden sollen. Doch ihr Auftritt stosse auf so grosses Interesse, dass sie Zaungäste befürchte, die allenfalls die Abstandsregeln nicht einhalten würden, begründet die Sängerin aus der Ostschweiz ihre Absage.

Matthias Piazza
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Sie hätten nicht schlecht gestaunt, die Kehrsiter, welche im «Château au Lac» neben der Schifflände wohnen. Die Mieter wären am Sonntag überraschend in den Genuss eines Gratiskonzertes gekommen. Auf dem Anlegesteg davor wäre die Ostschweizer Sängerin und Popflötistin Sabrina Sauder aufgetreten. Liegenschaftsbesitzer Hugo Rütimann, den sie von einem anderen Auftritt her kennt, hätte sein Grundstück zur Verfügung gestellt. Die Bewohner hätten sich mit genug Abstand auf dem Gelände verteilt – so zumindest die Idee. «Das Open-Air-Konzert direkt am See wird mit Sicherheit auch in den umliegenden Häusern zu hören sein und je nach Windrichtung sogar auf der anderen Seeseite», schrieb Sabrina Sauder in der Einladung an die Medien voller Vorfreude. 

Sängerin und Popflötistin Sabrina Sauder.

Sängerin und Popflötistin Sabrina Sauder.

Bild: PD

Doch aus dieser Aktion, um den Menschen in der Coronazeit eine Freude zu bereiten, wird nun nichts. Das Konzert entspräche zwar der Coronaverordnung. Es hätte gemäss dem Nidwaldner Gesundheitsamt unter Einhaltung der Hygiene- und Abstandsregeln des Bundesamtes für Gesundheit durchgeführt werden dürfen.

Das Risiko ist der Sängerin zu gross

«Aber das angekündigte Konzert hatte sich herumgesprochen, sodass ich befürchten musste, dass auswärtige Leute dazustossen könnten. Auch gibt es in Kehrsiten viele Spaziergänger», erklärt Sabrina Sauder auf Anfrage. «Ich wollte nicht riskieren, dass Abstandsregeln verletzt werden, und entschloss mich darum schweren Herzens, das Konzert abzusagen.» Die gut gemeinte Idee, den Menschen in der Nachbarschaft eine musikalische Freude zu bereiten, scheine derzeit wohl schwer umsetzbar zu sein, sodass sie lieber die erneuten Lockerungen des Bundes abwarten möchte. 

Karen Dörr, Leiterin des Nidwaldner Gesundheitsamtes, bedauert die Absage. «Das Konzert wäre für das Quartier eine schöne Geste gewesen in dieser speziellen Zeit», meint sie mit Verweis auf ähnliche Konzerte. So erfreuten Musiker von draussen Bewohner des Stanser Alters- und Pflegeheims Nägeligasse mit einem Ständchen, welche diese von den Balkonen aus verfolgten. Alphornbläser spielten vor dem Kantonsspital Nidwalden auf. Und die Obwaldner Musikschüler erfreuten Quartierbewohner am vergangenen Sonntag mit Balkonkonzerten zum Muttertag (Ausgabe vom Dienstag).    

Polizei stellt Nidwaldnern ein gutes Zeugnis aus

Noch bis mindestens 8. Juni sind Versammlungen über fünf Personen verboten. Ob das Verbot verlängert wird, entscheidet der Bundesrat am 27. Mai. «Wir sind grundsätzlich nicht unglücklich, dass dieses Konzert nun abgesagt wurde», sagt dazu Marco Niederberger, Leiter der Nidwaldner Verkehrs- und Sicherheitspolizei. Er teilt die Einschätzung der Künstlerin, dass in diesem Fall der Sicherheitsabstand nicht mehr hätte gewährleistet werden können. Wer das Versammlungsverbot missachtet, muss mit einer Ordnungsbusse von 100 Franken rechnen. Dem Veranstalter eines Konzerts droht bei Missachtung gar eine Anzeige. Im Allgemeinen stellt Marco Niederberger den Nidwaldnern ein gutes Zeugnis aus. «Die Mehrheit respektiert das Versammlungsverbot. Bussen mussten wir nur ganz vereinzelt aussprechen.»

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