Umfrage zeigt: Fernunterricht ist in Nidwalden gut angekommen

Die Umstellung vom Präsenz- auf den digital basierten Unterricht ist laut einer Umfrage des Amts für Volksschulen und Sport in Nidwalden sehr gut gelungen. Die Eltern loben die Lehrpersonen. Es gibt aber auch Verbesserungspotenzial.

Florian Pfister
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Der Fernunterricht ist im Kanton Nidwalden sehr gelungen und die Beteiligten sind mehrheitlich mit der Umsetzung zufrieden. Das schliesst das Amt für Volksschulen und Sport des Kanton Nidwalden aus einer durchgeführten Evaluation. In der Umfrage wurden alle Betroffenen befragt: Schulleitungen, Lehrpersonen, Schülerinnen und Schüler von der 3. bis zur 9. Klasse und Eltern. Insgesamt füllten 4545 Personen die Umfrage aus.

Der digitale Unterricht zu Hause erhält überwiegend positives Feedback.

Der digitale Unterricht zu Hause erhält überwiegend positives Feedback.

Symbolbild: Gaetan Bally/Keystone

Vieles ist gut gelungen, die Beteiligten nahmen einiges aus dem Fernunterricht positiv auf. Die Lehrpersonen geben an, dass sie viel vom plötzlichen digitalen Alltag profitiert und zudem weitere Vorteile wie flexiblere Arbeitszeiten geschätzt haben. Zugleich loben sie die Schülerinnen und Schüler. Im Allgemeinen hätten diese zuverlässig gearbeitet. Die Bildungsdirektion schreibt in einer Medienmitteilung zur Evaluation, dass die Kinder die Aufgabenstellungen grossmehrheitlich verstanden haben und auch Rückmeldungen des Lehrpersonals zu den gelösten Aufgaben erhielten.

Zudem wurde von den Schülern die selbstständige Planung der Hausaufgaben geschätzt. Die meisten Eltern berichten, dass ihre Kinder die Aufgaben weitgehend selbstständig lösen konnten und in einem individuellen Lernrhythmus selbstständig und ohne Zeitdruck arbeiten konnten. Die Mehrheit der Beteiligten findet, dass der Zeitaufwand für die Schulaufgaben angemessen war. Ebenfalls geht aus den Rückmeldungen hervor, dass sich viele Schülerinnen und Schüler zu Hause besser konzentrieren konnten, da mehr Ruhe und weniger Ablenkung als im Schulzimmer herrschte.

Die Eltern danken den Lehrpersonen

«Grundsätzlich funktionierte die Zusammenarbeit zwischen der Schule und den Eltern sehr gut», sagt Lea Lowth, Präsidentin des Lehrerinnen- und Lehrerverbands Nidwalden. Auch laut dem Bericht erteilen die Eltern den Lehrpersonen sehr gute Noten für die Gestaltung des Fernunterrichts. Lea Lowth hofft, dass die Arbeit der Lehrpersonen nun wieder mehr geschätzt wird. «Vor allem in der Anfangsphase erhielten wir viele gute Rückmeldungen der Eltern. Sie bedankten sich für die geleistete Arbeit.»

Auch Bildungsdirektor Res Schmid ist davon überzeugt, dass die Lehrpersonen an mehr Respekt gewonnen haben. «Die Eltern konnten direkt sehen, was die Lehrerinnen und Lehrer alles geleistet haben. Es ist eines meiner Kernziele, dass sie in der Gesellschaft wieder eine bessere Stellung erhalten», erklärt er. «Die Lehrpersonen sind die Menschen, die nebst den Eltern am meisten Zeit mit den Kindern verbringen. Die Anerkennung haben sie verdient.»

Leistungsschere hat sich vergrössert

Alle Beteiligten sahen aber auch grosse Herausforderungen und Nachteile des Fernunterrichts. Für die Schulleitungen war das Aufrechterhalten des Kontakts zu allen Beteiligten sehr zeitintensiv und schwierig. Die Lehrpersonen halten fest, dass die umgehende Organisation des Fernunterrichts besonders herausfordernd und mit Mehrarbeit verbunden war. Die Schüler vermissten vor allem die sozialen Kontakte. Für einige Eltern war die Kombination zwischen Homeoffice und Kinderbetreuung eine grosse Schwierigkeit.

Eine überwiegende Mehrheit des Lehrpersonals ist überzeugt, dass sich die Leistungsschere zwischen den Lernenden vergrössert hat. Besonders Schüler, die von ihren Eltern unterstützt werden konnten, waren im Vorteil. Wer keine Hilfe erhielt, dessen Leistungen nahmen eher ab. Das sieht auch Lea Lowth so. «Im Präsenzunterricht sieht die Lehrperson, wenn jemand Schwierigkeiten hat, und kann sofort reagieren. Im Fernunterricht fehlte dieser direkte Austausch oft. Auch die Voraussetzungen waren nicht bei allen im gleichen Mass vorhanden.» So seien die Unterstützung der Eltern und der Zugang zu den digitalen Geräten entscheidend gewesen.

Verbesserungspotenzial sehen daher alle Beteiligten. Für eine allfällige nächste Fernunterrichtsphase wünschen sich die Schulleitungen eine einheitlichere Umsetzung, wie etwa den Einbezug aller Fächer oder das Festlegen von verbindlichen Unterrichtszeiten und Arbeitserwartungen. Schüler und Eltern wünschen sich vermehrt Videokonferenzen. Die Kinder wollen insbesondere bessere Absprache der Lehrpersonen bezüglich Auftragsmenge, Eltern Wochenpläne und eine bessere Zielsetzung durch die Lehrpersonen.

Ausgefallener Schulstoff ist kein Problem

Der Fernunterricht wird die herkömmlichen Schulstunden im Klassenzimmer nicht ersetzen. «Das Leistungsniveau ist nicht dasselbe», sagt Res Schmid. Aufgrund der guten Erfahrungen kann man aber auf den Fernunterricht zurückgreifen. Zum Beispiel könne geholfen werden, wenn jemand Mühe bei den Hausaufgaben hat. «Das Ziel ist, dass wir bei einer allfälligen nächsten Krise besser vorbereitet sind und die Schüler die gleichen Bedingungen haben», sagt Res Schmid.

Nachwirkungen des ausgefallenen Stoffs sieht Lea Lowth nicht. «Alle waren in der gleichen Situation. Nun braucht es eine gewisse Flexibilität der Schulen. Auf das ganze Leben haben diese drei Monate wohl kaum eine Auswirkung. Für ganz viele war diese Zeit in anderer Hinsicht lehrreich.»

Die genauen Resultate der Evaluation finden Sie unter www.nw.ch.