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Prominenter Hergiswiler will die Whisky-Industrie aufmischen

Seine Erfindung könnte die Whisky-Industrie revolutionieren und den drohenden Fassnotstand abwenden. Bei Dolf Stockhausen braucht ein Whisky nur ein Bruchteil der gewohnten Zeit zur Reife.
Philipp Unterschütz
Dolf Stockhausen degustiert bei sich zu Hause verschiedene Destillate. (Bild: Philipp Unterschütz, Hergiswil, 11. Januar 2019)

Dolf Stockhausen degustiert bei sich zu Hause verschiedene Destillate. (Bild: Philipp Unterschütz, Hergiswil, 11. Januar 2019)

Die Whiskyindustrie hat ein gewaltiges Problem. Ihr geht etwas aus, das für die Qualität und das Aroma von Whisky entscheidend ist: Es herrscht Fassnotstand. Weil Whiskys jahrelang in Fässern reifen, sind aufgrund der steigenden Nachfrage nach Single-Malt-Whisky immer mehr Fässer blockiert. Da ausserdem das Angebot aus den USA stark rückläufig ist, kommt es zwangsläufig zu Engpässen bei qualitativ guten Fässern, wenn die Whiskyindustrie nicht neue Wege beschreitet.

Doch nun könnte von Hergiswil aus eine Revolution beginnen. Dolf Stockhausen (siehe Kasten) hat dort ein Verfahren entwickelt und zum Patent angemeldet, das die Reifezeit und den Fassverbrauch drastisch verringert. «Der Geschmack ist massgebend. Nicht die Zeit», ist der Leitspruch seiner Whisky-Marke Seven Seals, von der es zurzeit drei verschiedene Sorten gibt. Tatsächlich ist es Stockhausen mit seinem Verfahren gelungen, dass sein Whisky schon nach ein bis drei Jahren ein mindestens so gutes Aroma erzielt wie ein Whisky, der 15 bis 18 Jahre im Fass gelagert worden ist.

Die Bestätigung für die Qualität seiner Weltneuheit hat Dolf Stockhausen von einem kompetenten Kenner erhalten. Jim Murray, einer der wichtigsten Whiskykritiker, hielt nach der Degustation im September fest, dass die Produkte von Seven Seals besser seien als ein Grossteil der Produkte aus schottischen Destillerien. Eine Schweizer Wochenzeitung titelte denn auch, die Schotten müssten vor ihm zittern.

Das Verfahren ist noch streng geheim

Dolf Stockhausen sitzt in seiner Hergiswiler Wohnung mit fantastischer Aussicht über den See vor einer Reihe Flaschen mit den Ergebnissen seiner Tests. Der 73-Jährige sagt lächelnd: «Fürchten werden mich die Schotten wohl kaum, aber vielleicht wollen sie mit mir zusammenarbeiten, wenn sie meine Technologie kennen.» Denn diese hat auch den Vorteil, dass sie die Kapitalbindung und den finanziellen Aufwand durch verkürzte Lagerzeit markant reduziert, ebenso den Verdunstungsverlust, den Destillate bei langer Reifezeit haben.

Das Verfahren ist bis zum Eingang des Patents streng geheim. Wenn dieser Schritt erfolgt ist, sollen die Lizenzen Destillerien ausserhalb der Schweiz angeboten werden. Nur soviel verrät Dolf Stockhausen: «Wir machen eigentlich nichts anderes als die Schotten und verwenden die gleichen Rohstoffe, aber wir haben ihren Prozess zu Ende gedacht.» Das bedeutet mitunter, dass keinerlei Chemie eingesetzt wird – der einzige Unterschied beim Reifeprozess ist physikalischer Natur.

Anwendbar wäre das Verfahren übrigens auch für andere Destillate. So sind künftig ausser drei weiteren hochprozentigen Whiskys auch Gin und Rum geplant. Dolf Stockhausen betont, dass für die Qualität von Seven Seals aber auch das eigentliche Whiskydestillat eine entscheidende Rolle spielt. Dieses bezieht er aus der Langatun Distillery AG, die wie die Seven Seals AG zur High Spirits Holding AG gehört, die er vergangenes Jahr mit seinen branchenerfahrenen Partnern Chris Lauper und Christoph Nyfeler gegründet hat.

Jüngste Erwerbung ist die Ladenkette Vinazion AG, über welche ab Ende dieses Monats Seven-Seals-Whiskys erhältlich sein werden. Produziert wird in Aarwangen, aber auch ein zusätzlicher Standort in der Zentralschweiz ist denkbar.

Eigentlich könnte sich der Whiskyliebhaber nach allem, was er in seinem Leben geleistet und erreicht hat, gemütlich zurücklehnen und das Leben geniessen. Kommt für ihn aber nicht in Frage. «Wer rastet, der rostet», sagt Stockhausen. So ist es auch nicht überraschend, dass der Deutsche und seine Frau sich in Nidwalden schnell zu Hause fühlten. «Es gibt Ausländer, die sagen, man könne mit Schweizern nicht so richtig warm werden. Wir haben das nie empfunden.» Man erwarte hier halt, dass Fremde den ersten Schritt tun. «Und das haben wir gerne gemacht. Ich habe mich auch von Anfang an wirtschaftlich eingebracht und bin überzeugtes Mitglied im Rotary Club Stans», erzählt Dolf Stockhausen und lobt das «Erfolgsmodell» der Schweiz. «Das Unternehmertum kann hier gut gedeihen, auch wenn es viele Vorschriften gibt.» Insbesondere seien die Steuern so günstig, dass genug bleibe, um zu investieren.

Unternehmer und Kulturförderer

Aufgewachsen ist Dolf Stockhausen (73) in Nordrhein-Westfalen. Nach Studium in Freiburg und Münster ist er Doktor der Ökonomie. 1999 wanderte er nach Graz aus, wo er später die österreichische Staatsbürgerschaft annahm. 2011 zog er in die Schweiz nach Ennetbürgen, seit 2014 lebt er in Hergiswil. Dolf Stockhausen ist seit 50 Jahren glücklich verheiratet und Vater von zwei Töchtern. Ab 1973 arbeitete er im Familienunternehmen Chemische Fabrik Stockhausen, dessen Leitung er Anfang der Achtzigerjahre übernahm. Das Unternehmen war Weltmarktführer im Bereich von flüssigkeitsspeichernden Kunststoffgranulaten für Hygieneartikel wie Windeln. Nach dem Verkauf des Unternehmens kaufte Stockhausen Teile der Süd-Chemie AG in München, die 2011 von Clariant übernommen wurde. Bis vor drei Jahren sass er im Clariant-Verwaltungsrat. Heute führt er eine eigene Beteiligungsfirma in Stans, die auch einen Drittel an der High Spirits Holding AG hält. Dolf Stockhausen ist Mitglied des Stiftungsrates für das Luzerner Sinfonieorchester, zudem unterstützt er das Stadtorchester Luzern und den Hockeyverein EV Zug. (unp)

Hinweis: www.7sealswhisky.com

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