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Coiffeur Theo Jund (78) hängt die Schere im Stanser Herrensalon an den Nagel

Der letzte traditionelle Herrensalon in Stans schliesst nach mehr als 50 Jahren. Theo Jund geht in Pension - und wird seine Kunden vermissen. Darunter gab es auch welche, die nicht ganz freiwillig kamen.
Zéline Odermatt

«Mein Geschäft ist etwas Originelles; und Originale gibt es in Stans nicht mehr viele», sagt Theo Jund an einem kalten Herbstmorgen. Mitte Dezember schliesst der Coiffeur seine Türen an der Engelbergstrasse 1 mitten im Dorf zum letzten Mal. Hier steht er nun im kleinen Herrensalon, in dem gerade so zwei Sessel mit Lavabo und Spiegeln Platz finden.

An der Wand hängt ein Bild von 1969 und zeigt ihn als jungen Mann mit dichtem Schnauz in einem edlen Anzug. «Ich sehe aus wie ein Gigolo», sagt Theo Jund lachend. Das Bild stammt vom berühmten Nidwaldner Fotografen Arnold Odermatt.

Heute und vor 50 Jahren

Bild: Corinne Glanzmann

Seit 50 Jahren im Stanser Herrensalon

«Du solltest noch nicht aufhören», sagt ein älterer Kunde, der gerade am Gehen ist. Doch für Theo Jund ist es an der Zeit. Mit 78 Jahren möchte er eine etwas gemütlichere Zeit erleben. «Ich habe nun einen jungen Hund. Damit es doch nicht allzu ruhig wird.» Im Haus an der Engelbergstrasse arbeitet er seit 50 Jahren, zunächst als Angestellter, dann als sein eigener Chef. In diesen Jahren gingen so einige Nidwaldner Politiker und Bekanntheiten bei ihm ein und aus. Sie hätten seine flexible Art sehr geschätzt. Termine braucht man keine; für kleinere Wartezeiten sind die Stühle rechts neben der Eingangstür da.

«Meine treuen Kunden sind mir über die Jahre sehr ans Herz gewachsen», sagt der Coiffeur. Und diese kamen nicht nur aus Stans und Umgebung. Aus Luzern, Kriens und sogar Deutschland seien sie gekommen, erzählt Theo Jund und «vom Berg herunter auch.» Jemand sagte ihm einmal:

«Hoffentlich überlebst du mich. Ich will mir keinen neuen Coiffeur suchen.»

Er habe so einigen geholfen, einfach indem er ihnen zugehört habe. Nicht umsonst würden Coiffeure oft auch als gute Psychologen bezeichnet. In seinem Salon sei es immer unterhaltsam gewesen, hier diskutierte man gerne über verschiedene Themen aus dem Leben. Deshalb hatte er auch immer Freude an seinem Job. Einzig die anfänglichen Jahre seien hart gewesen. Mit einem Monatslohn von rund 1400 Franken musste er für seine Familie sorgen.

Theo Jund gibt seinen Herrensalon in Stans auf. (Bild: Corinne Glanzmann, 6. November 2019)

Theo Jund gibt seinen Herrensalon in Stans auf. (Bild: Corinne Glanzmann, 6. November 2019)

Nur einmal, überlegte er sich den Job zu wechseln und fragte den damaligen Direktor der Pilatus Flugzeugwerke, Walter Gubler, um Rat. Er empfahl ihm: «Bleib bei deinem Job, dann bist du weiterhin dein eigener Herr und Meister. Obwohl ich dich gerne mit einer Anstellung unterstützen würde.»

In diesem Beruf habe er sich tatsächlich immer frei gefühlt: «Es kommt darauf an, wie man sich gibt.» Seine aufgestellte Art lebte er auch in seiner Freizeit als Schlagzeuger im Musik-Duo und als Einmannunterhalter mit dem Akkordeon aus.

«Es war hart, am Samstagmorgen jeweils wieder im Salon zu stehen, nachdem wir am Freitagabend in einer Bar gespielt haben.»

Doch die Musik behielt er als seine Leidenschaft. Auch heute macht er noch gerne Musik bei sich zu Hause in Kerns. Nach seiner Pension plant er zudem weiterhin regelmässig im Elsass zu sein. Von dort stammte sein Grossvater. «Ich fühle mich im Elsass sehr wohl», so Jund. Seine Kindheit verbrachte er mit seinen Eltern und seinen zwei Geschwistern in Römerswil, wo die Schreinerei der Familie stand.

Rekruten versteckten sich vor ihm

Seinen beruflichen Werdegang hat Theo Jund einem Pater zu verdanken. Dieser riet ihm damals in der Schule, die er in Montet bei Fribourg besuchte, zum Coiffeur-Beruf. «Er dachte wohl, dass ich die Statur für den Job habe, bei dem man ständig auf den Beinen steht.» Heute schmerze ihn einzig sein Rücken ab und zu. Die Beine seien noch fit.

Am meisten werde er das Zusammensein mit seinen Kunden vermissen. Und mit einer Anekdote über seine Kundschaft entlässt er uns aus dem Herrensalon: «Früher hat der Kommandant der Kaserne in Oberdorf seine Rekruten regelmässig zu mir geschickt.» Diese hätten dann abends in Reih und Glied vor seinem Laden gewartet. «Einige versuchten den Coiffeurbesuch zu umgehen. Wenn das nicht klappte, versuchten sie sich zumindest vor dem Zahlen zu drücken. Sie sagten: ‹Das soll der Bund übernehmen›.»

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