Er ist pausenlos im Einsatz für das Bürgenstock Resort: «Die Bevölkerung soll spüren, wie zugänglich wir auch für sie sind»

Seit drei Jahren ist Robert Herr General Manager auf dem Hotelberg. Die Bevölkerung der ganzen Vierwaldstättersee-Region solle spüren, dass das Resort auch für sie zugänglich sei, sagt er in unserer Neujahrsserie Rückblick/Ausblick.

Romano Cuonz
Hören
Drucken
Teilen
Robert Herr, General Manager des Bürgenstock Resorts.

Robert Herr, General Manager des Bürgenstock Resorts.

Bild: Romano Cuonz (18. Dezember 2019)

Am ersten Adventssonntag wurden im Bürgenstock Resort die Lichter eines riesigen Christbaums angezündet. Bereits zum dritten Mal. Mit dabei neben einem Chor auch «Geisslechlöpfer» und Trychler. Auf der Piazza oder auf dem grossen Eisfeld – wo die Bevölkerung zeitweise gratis Schlittschuh laufen kann – freuen sich Hotel- und Tagesgäste miteinander.

Dass es da in Nidwalden auch Leute geben soll, die das neu konzipierte Resort als zu teuer, abgehoben und auf Luxusgäste ausgerichtet empfinden, mag Robert Herr nicht glauben. «An mich persönlich ist diese Kritik nie herangetragen worden», beteuert er. Und fügt hinzu: «Uns ist es wichtig, dass die Bevölkerung der ganzen Vierwaldstättersee-Region spürt, wie zugänglich wir auch für sie sind.» Deshalb mache man für Schiff und Bahn vielseitige Packages mit attraktiven Angeboten für jedes Portemonnaie. Herr:

«Leute, die den Weg hierher finden, sind für uns Botschafter.»

Robert Herr ist, was man einen Weltmann nennt. «Mein Vater ist Schweizer, meine Mutter Amerikanerin, geboren wurde ich in Irland und aufgewachsen bin ich in Deutschland und der Schweiz», schmunzelt er. Bevor er aus dem Libanon auf den Bürgenstock kam, war er für internationale Hotelgruppen in der halben Welt tätig. Begeistert erinnert sich Herr: «Als ich, noch während der Bauphase, erstmals auf dem Hotelberg stand, war ich von Anlage und Vision gleichermassen begeistert.»

Seither bemüht er sich mit 800 motivierten Mitarbeitenden die Zielsetzungen des Resorts bestmöglich zu erfüllen. In fast pausenlosem Einsatz. Sieben Tage die Woche und rund um die Uhr erreichbar. «Mein Tag beginnt beim ‹Morning Briefing› mit Abteilungsleitern», erzählt er. Fragen, die dabei gestellt würden: «Wie war der Vortag? Welche Gäste reisen heute an?» Das Resort basiert auf fünf Pfeilern: Medical Wellness, Kongresse und Konferenzen, Residence-Suiten, Hotels mit Spa und Lokaltourismus. Weil alle gleich zu beachten sind, ist der General Manager tagsüber überall im Resort unterwegs. Trifft da auf einen Abteilungsleiter. Wechselt dort ein paar persönliche Worte mit einer Mitarbeiterin.

«Ich versuche zu verstehen, wo der Schuh drückt und wenn möglich Abhilfe zu schaffen.»

Aufs vergangene Jahr schaut Robert P. Herr sehr zufrieden zurück. «Natürlich gibt es Bereiche, die besser, und andere die noch ausbaufähiger sind», stellt er fest. Dass man über 200'000 Tagestouristen gezählt hat, findet er grossartig. Dazu trage auch die visuell und textlich sichtbar gemachte Geschichte der Hotelpioniere bei. Höchst erfreulich sei, dass man in der Rehaklinik von 23 Zimmern im Durchschnitt 20 belegen konnte.

Der Kurator des Hotelmuseums und ehemalige Direktor des Bürgenstock Resorts Jo Müller im Korridor zwischen dem Bürgenstock Hotel und dem Palace Hotel. (Bild: Boris Bürgisser (Bürgenstock, 6. September 2018))
22 Bilder
In den 1950er Jahren entstand diese Aufnahme der Unterwasserbar des Bürgenstock Resorts. (Bild: Boris Bürgisser (Bürgenstock, 6. September 2018))
Im Hotelmuseum auf dem Bürgenstock sind Fotos aus früheren Tagen zu sehen, so etwa von verschiedenen Konferenzen. (Bild: Boris Bürgisser (Bürgenstock, 6. September 2018))
Sofia Loren war einer von mehreren prominenten Gästen, die auf dem Bürgenstock logierten. Die Foto wurde im Jahr 1960 im Golfclub des Resorts gemacht und ist nun im Hotelmuseum ausgestellt. (Bild: Boris Bürgisser (Bürgenstock, 6. September 2018))
Im Korridor lässt sich die Hotelgeschichte des Bürgenstock Resorts nachvollziehen (Bild: Boris Bürgisser (Bürgenstock, 6. September 2018))
Dieses Foto der Unterwasserbar  wurde 1945 aufgenommen. (Bild: Boris Bürgisser (Bürgenstock, 6. September 2018))
Auch Fotos des Hammetschwandliftes und des Felsenweges zieren die Ausstellung.(Bild: Boris Bürgisser (Bürgenstock, 6. September 2018))
Werbebroschüren aus früheren Zeiten finden auch Platz in der Ausstellung. (Bild: Boris Bürgisser (Bürgenstock, 6. September 2018))
Diese Werbebroschüre des Bürgenstock Resorts stammt aus den 1950er Jahren. (Bild: Boris Bürgisser (Bürgenstock, 6. September 2018))
Auf dem Gemälde vorne ist Franz Josef Bucher Durrer, einer der beiden Hotelgründer, zu sehen. (Bild: Boris Bürgisser (Bürgenstock, 6. September 2018))
Gespielt wurde bereits in früheren Zeiten, wie diese alten Spielkarten beweisen. (Bild: Boris Bürgisser (Bürgenstock, 6. September 2018))
So sah der Werkzeug-Koffer für die Arbeiter des Hammetschwand Lifts dereinst aus. (Bild: Boris Bürgisser (Bürgenstock, 6. September 2018))
Für die Bürgenstock Bahn bekamen die Besucher früher noch die «edmondsonschen» Billette. (Bild: Boris Bürgisser (Bürgenstock, 6. September 2018))
Die alten Türgriffe erinnern an Fabeltiere. (Bild: Boris Bürgisser (Bürgenstock, 6. September 2018))
Diese Nachttischchen standen dereinst in den Hotelzimmern. (Bild: Boris Bürgisser (Bürgenstock, 6. September 2018))
Dieses Porzellan wurde früher in den Hotels verwendet. (Bild: Boris Bürgisser (Bürgenstock, 6. September 2018))
Auf die Gastronomie legte das Resort bereits in früheren Zeiten Wert. (Bild: Boris Bürgisser (Bürgenstock, 6. September 2018))
Kofi Annan besuchte im Jahr 2004 den Bürgenstock, wie das Foto im Hotelmuseum zeigt. Er war damals Generalsekretär der Vereinten Nationen. (Bild: Boris Bürgisser (Bürgenstock, 6. September 2018))
Dies ist eines der denkmalgeschützten Gebäude aus den 1950er Jahren auf dem Bürgenstock. (Bild: Boris Bürgisser (Bürgenstock, 6. September 2018))
Audrey Hepburn reiste 1954 in der Bürgenstock Bahn ins Resort. (Bild: Boris Bürgisser (Bürgenstock, 6. September 2018))
Die Aufkleber auf dem alten Koffer zeigen es: Der Besitzer logierte im Bürgenstock Hotel. (Bild: Boris Bürgisser (Bürgenstock, 6. September 2018))
Der Kurator der Ausstellung und ehemalige Direktor des Bürgenstock Resorts Jo Müller steht im heutigen Restaurant RitzCoffier im  Place Hotel. Das Restaurant bietet einen Einblick in die Hotelküchen vor 100 Jahren. (Bild: Boris Bürgisser (Bürgenstock, 6. September 2018))

Der Kurator des Hotelmuseums und ehemalige Direktor des Bürgenstock Resorts Jo Müller im Korridor zwischen dem Bürgenstock Hotel und dem Palace Hotel. (Bild: Boris Bürgisser (Bürgenstock, 6. September 2018))

«Mit jedem zufriedenen Gast vergrössert sich unser Bekanntheitsgrad», ist Herr überzeugt. Auch die Sparte Hotellerie sei gut gelaufen. Von Problemen mag Herr nicht sprechen. Schon lieber von Herausforderungen. Eine sei, so der Manager, für alle Produkte mehr und mehr auch eine internationale Klientel zu finden. Namentlich bei Package-Gästen, die Übernachtungen mit Medical-Wellness (Detox oder Weight Loss) verbänden, sei man noch nicht da, wo man gerne wäre.

Herausforderung: Residenzen

Dass in Sachen Gastronomie auf den attraktiven Terrassen im letzten Sommer nicht alle Ziele erreicht werden konnten, habe wohl am Wetter gelegen.

«Vor die grösste Herausforderung in nächsten Jahren stellen uns die Residence-Suiten», verrät Robert Herr. Da hätten die Investoren kürzlich einen Grundsatzentscheid gefällt: Die 67 Suiten und Villen werden für den Verkauf vorbereitet. Das Interesse am Kauf sei grösser als jenes für eine Vermietung. «Dieser Prozess wird uns wohl mehrere Jahre beschäftigen», vermutet Herr. Neue Gebäude seien zunächst auf dem Hotelberg nicht geplant. Nur im Alpine Spa gelte es, von Februar bis März, Baumängel zu beheben. «Da kommen auch einige neue Behandlungsräume dazu», so Herr.

Auch 2020 würden wieder einige grosse internationale Unternehmen alle Hotelzimmer, Veranstaltungsräume und Restaurants beanspruchen. Im Gegensatz zu den goldenen 1950er-Jahren, in denen Namen prominenter Gäste meist publiziert wurden, hüllt sich General Manager Robert Herr heute in Schweigen. «Daten- und Personenschutz gehen vor», sagt er.

Eines ist klar: Vor einem fernöstlichen Massentourismus, wie er derzeit die Stadt Luzern «plagt», bleibt der Bürgenstock verschont. «Aus Asien begrüssen wir vor allem Individualgäste, denen wir ein Gesamterlebnis bieten», sagt Herr. Und weist stolz aufs einmalige Panorama hin, welches sich bewundern lässt. Allein schon aus der Lobby.