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Erlebnisbericht vom A2-Stau: Wie der Chauffeur des Bahnersatzbusses fast die Polizei rief

Am Dienstagabend ging auf den Strassen rund um den Lopper wegen eines Unfalls auf der A2 nichts mehr. Ein Erlebnisbericht aus dem Bahnersatzbus.
Zéline Odermatt

Der Feierabend fing gut an. Die Arbeit war früher als sonst erledigt, ich sass pünktlich um 17.53 Uhr im Bahnersatzbus am Bahnhof Stans. Die sechs Räder des Postautos sollten uns direkt nach Luzern bringen. Ein Fehler, wie sich herausstellen sollte. Alternativ hätte ich auch den Zug nach Hergiswil und von dort den Bus nach Luzern nehmen können, da zurzeit an der Zentralbahn-Strecke gearbeitet wird.

Der Buschauffeur begrüsste uns mit den Worten: «Heute könnte es wegen eines Unfalls etwas länger dauern» und entschuldigte sich gleich dafür. Es war die erste Entschuldigung von vielen an diesem Abend. Auf der A2 Richtung Stansstad fuhren alle Autos noch flüssig, der Regen peitschte gegen die Postauto-Scheiben. Ich dachte mir: «Der Chauffeur hat doch übertrieben.»

Ein Lastwagenfahrer fuhr in die Signalisation auf der Autobahn A2. (Bild: Luzerner Polizei)

Ein Lastwagenfahrer fuhr in die Signalisation auf der Autobahn A2. (Bild: Luzerner Polizei)

Die falsche Richtung und ein verpasster Flug

Kurz vor dem Lopper ging dann nichts mehr. Zumindest auf unserer Spur, vor uns Lastwagen, die auf der rechten Autobahnspur Richtung Hergiswil unterwegs waren. Links war die Strecke frei, ich sah in der Dunkelheit fleissig rote Lichter. Diese Spur durch den Kirchenwaldtunnel und die Galerie in Hergiswil schien also schon wieder geöffnet zu sein. Meine Abmachung zum Abendessen schob ich nach hinten. Der Optimismus, dass es auf unserer Spur schon noch vorwärtsgehen würde, war noch vorhanden. Um die Zeit zu vertreiben, las ich auf Facebook einige Kommentare: «Stehe seit 2,5 Stunden im Stau von Sarnen herkommend» oder «Bin seit 2 Stunden in Alpnach am gleichen Fleck. Loppertunnel ist immer noch zu.» Was für arme Leute in Obwalden, dachte ich mir. Zum Glück geht es bei uns im Schritttempo vorwärts.

Da verlor der Chauffeur wohl die Geduld und wechselte auf die linke Spur, die er bis im Tunnel beibehielt, um dann die Abzweigung nach Obwalden zu nehmen. War er falsch gefahren, oder dachte er wirklich von Obwalden her sei man schneller in Luzern? Es bleibt ein Rätsel. Uns sagte er entschuldigend: «Ich muss einen Umweg machen, sonst kommen wir nie an.» Meine Sitznachbarin und ich tauschten einen skeptischen Blick aus. Ob sie auch Facebook-Kommentare gelesen hatte?

Meine Stimmung kippte, als ich auf der Online-Strassenkarte sah, dass von Alpnachstad nach Luzern Allmend mit einer Stunde Verspätung gerechnet werden musste. Ich sagte meine Verabredung ab. Der Mann hinter mir schien seine Pläne auch aufzugeben, nur hatte der Stau bei ihm viel grössere Folgen: Ich hörte ihn auf Englisch am Telefon, wie er erst seinen Flug nach Dubai cancelte. Dann das Hotel.

Ein dringliches Bedürfnis

Da waren wir rund eine Stunde unterwegs – nun auf der Hauptstrasse um den Lopper zurück Richtung Hergiswil. Die Passagiere, gut schweizerisch, blieben ruhig. Einige murrten dann doch leise vor sich hin, als ein junger Mann dem Chauffeur sagte, er müsse mal kurz aufs WC. Der Fahrer liess ihn raus, der Mann verschwand Richtung Seeufer.

Das Postauto vor uns fuhr irgendwann weiter, wir blieben rund 10 Minuten stehen. Als hinter uns die Autos zu hupen begannen, stieg der Chauffeur aus und suchte den Mann. Immer wieder rief er «Hallo, hallo» in die Dunkelheit. Er holte sich sogar einen Velofahrer zu Hilfe, der mit seinem Licht die Böschung zum See absuchte. Ohne Erfolg.

Der Fahrer kam zurück:

«Jemand muss die Polizei anrufen, der Mann könnte im See liegen.»

Diese Wahrscheinlichkeit sah der Rest im Bus als nicht sehr hoch an, weshalb zunächst niemand reagierte. «Der wollte doch einfach laufen», sagte meine Sitznachbarin. Da rief der Chauffeur des vorderen Postautos unseren Fahrer an und sagte, der Mann sei bei ihm. Wir fuhren endlich weiter. Bei mir setzte ein Lachanfall ein ab dem komödiantischen Verlauf meines Abends.

«Möchte sonst noch jemand einen Mondscheinspaziergang machen?» fragte der Busfahrer halb als Witz gemeint. In Hergiswil stiegen dann tatsächlich zwei Leute aus. Der Fahrer fragte diesmal genau nach, was ihre Pläne seien. Er wollte wohl keine weiteren Passagiere «verlieren». Genau zwei Stunden nach unserer Abfahrt kamen wir in Luzern bei der Allmend an. Der Chauffeur entschuldigte sich nochmals. Die Passagiere stiegen in Ruhe aus. Ein einzig Volk von Schweigern.

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