Erinnerung an den Franzoseneinfall in Nidwalden

Am Bürgenberg wird das Trauma Nidwaldens auf einem Geschichtsweg konsequent aus zwei Perspektiven aufgearbeitet. Ab sofort ist die Bevölkerung eingeladen, die Ereignisse neu zu erleben.

Philipp Unterschütz
Drucken
Teilen

Exakt 222 Jahre nach dem traumatischen Erlebnis des Franzoseneinfalls fand am Mittwoch in Stansstad die Eröffnungsfeier der Erinnerungswege am Bürgenberg (Ausgabe vom 13. Juni 2020) statt. Gestaltet wurde das Projekt im Rahmen der 600-Jahr-Feiern der Gemeinde Stansstad. Und eigentlich wäre ja auch eine grosse Eröffnungsfeier für die Bevölkerung geplant gewesen. Coronabedingt musste diese leider – wie weitere 22 Anlässe des Stansstader Jubiläumsjahres – auf nächstes Jahr verschoben werden. Der Weg ist aber für die Öffentlichkeit begehbar, die Informationen sind bereitgestellt.

«Bekommt einen Ehrenplatz im Gemeindehaus»: Der Stansstader Gemeindepräsident Beat Plüss (links) erhält von Peter Gautschi, Leiter der Projektgruppe, einen Wegweiser des Erinnerungswegs.

«Bekommt einen Ehrenplatz im Gemeindehaus»: Der Stansstader Gemeindepräsident Beat Plüss (links) erhält von Peter Gautschi, Leiter der Projektgruppe, einen Wegweiser des Erinnerungswegs.

Bild: Philipp Unterschütz (Stansstad, 9. September 2020)

So war es denn beim Schnitzturm eine freudige Übergabe des Weges durch die Arbeitsgruppe an die Gemeinde Stansstad, aber eben nur im kleinen Kreis von 30 Beteiligten. Schon in seiner Begrüssung wies Gemeindepräsident Beat Plüss auf das Besondere des Erinnerungswegs hin. In der Betrachtung der Geschichte und auch des Franzoseneinfalls gebe es immer zwei Seiten. «Und diese zwei Seiten werden mit Leidenschaft, Verantwortungsgefühl und Augenmass tiefgründig aufgearbeitet und ausgewogen dargestellt», sagte Beat Plüss.

Die Übergabe des Erinnerungswegs am Bürgenberg fand im kleinen Kreis vor dem Schnitzturm statt.
12 Bilder
Anstatt einer grossen Eröffnungsfeier für die Bevölkerung konnten wegen Corona nur die Beteiligten teilnehmen.
Der Stansstader Gemeindepräsident Beat Plüss.
Bildungsdirektor Res Schmid kündigte an, dass man für das 225-Jahr-Jubiläum des Franzoseneinfalls 2023 einen Anlass auf die Beine stellen wolle.
Von links: Grafiker Thomas Küng, Kurt Messmer, emeritierter Professor der PHLU, Stefan Zollinger, Leiter Amt für Kultur NW, Bildungsdirektor Res Schmid. Hinten stehend der Stansstader Gemeinderat René Küchler.
Grafiker Thomas Küng erklärt die verschiedenen Elemente und deren Entstehung.
Raffael Schneuwly vom OK Jubiläumsfeiern Stansstad trug in der Projektgruppe viel zum Gelingen des Projekts bei.
Kurt Messmer, emeritierter Professor der PHLU, stellt den Flyer vor, der an relevanten Orten rund um den Bürgenberg aufliegt. Er kann auch im Internet bezogen werden.
Er war der eigentliche Ideengeber für den Erinnerungsweg und konstruierte auch die Mechanik der Türme an den Wegweisern: Fredy Barmettler vom Feldschiessverein Obbürgen.
Der Stansstader Gemeindepräsident Beat Plüss erhält als Eröffnungsgeschenk von Peter Gautschi, Leiter der Projektgruppe und Geschichtsvermittler an der PHLU, einen Wegweiser.
Links Renauld Lallement, stellvertretender Botschaftsrat für Kultur und Wissenschaft an der Französischen Botschaft in Bern, der das Projekt nicht nur unterstützt sondern die Aufarbeitung der Ereignisse ausdrücklich begrüsst.
So sehen die Wegweiser mit den drehbaren «Informationstürmen» aus.

Die Übergabe des Erinnerungswegs am Bürgenberg fand im kleinen Kreis vor dem Schnitzturm statt.

Bild: PD/Silvan Bucher (Stansstad, 9. September 2020)

Geschichtskenntnisse helfen gegen Fake News

Der Weg mit 11 Stationen beleuchtet die Geschehnisse des 9. September 1798 konsequent aus der französischen und der nidwaldnerischen Perspektive. Immer anhand von Einzelschicksalen. Peter Gautschi von der Pädagogischen Hochschule Luzern (PHLU) und Leiter der Projektgruppe erklärte, dass es gerade heute eminent wichtig sei, die Wahrheit zu suchen und sich nicht durch Fake News manipulieren zu lassen. «Fakten und Fiktion zu unterscheiden, gelingt dank der Beschäftigung mit der Geschichte.» Kurt Messmer, emeritierter Professor der PHLU betonte als Mitglied der Projektgruppe, die Wichtigkeit der Geschichtsvermittlung. «Sie muss neu Erforschtes verständlich und wirksam darstellen und dem Publikum näherbringen.»

Frankreich unterstützt das Projekt finanziell

Das gelinge auf den Erinnerungswegen am Bürgenberg zweifelsohne, fand auch Renauld Lallement, stellvertretender Botschaftsrat für Kultur und Wissenschaft an der Französischen Botschaft in Bern. Die Geschichte Frankreichs und der Schweiz habe so viel Gemeinsames. «Die Helvetik ist in der Schweiz eigentlich positiv in Erinnerung. In Nidwalden ist sie aber mit diesem Ereignis verknüpft. Die Aufarbeitung und Betrachtung beider Seiten ist wichtig.» Er wolle auch in Frankreich weitere Forschungen zum Thema anschieben. Frankreich hat das Projekt auch finanziell unterstützt.

Mehr zum Thema