Erneuter Kuh-Angriff auf der Bannalp – Wanderweg ist vorerst gesperrt

Zwei Personen wurden am Wochenende auf der Bannalp ob Wolfenschiessen verletzt, als sie von einer Kuhherde angegriffen worden sind. Nun sind langfristige Massnahmen geplant.

Matthias Piazza
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Es hätte eine gemütliche Wanderung werden sollen. Doch der vergangene Samstag bleibt einem Dutzend jüngeren Schweizer Wanderern wohl ziemlich traumatisch in Erinnerung. Als die Gruppe auf ihrer Wanderung von der Bannalp ob Wolfenschiessen zur Schonegg eine Weide durchquerte, wurde sie von einer Kuhherde angegriffen. Zwei Personen wurden dabei von einer Kuh zu Boden gestossen.
Sie mussten mit Prellungen und einem Schock mit der Rega ins Spital geflogen werden, welches sie allerdings noch am selben Tag wieder verlassen konnten, wie die Gemeinde Wolfenschiessen gestern mitteilte. Bei einer weiteren, ähnlich unschönen Begegnung mit der Kuhherde am selben Nachmittag kam eine andere Wandergruppe mit dem Schrecken davon.

Der Wolfenschiesser Gemeinderat liess daraufhin den Wanderweg aus Sicherheitsgründen bis am kommenden Samstag sperren. Bis dahin wird die Mutterkuhherde in eine andere Weide ohne Wanderweg verlegt und anschliessend zurück ins Tal geholt – rund einen Monat früher als geplant.

Der Bannalpsee – und geradeaus im Hintergrund ist die Schonegg zu sehen, wo sich die Kuhherde bis anhin aufhielt. (Bild: Zéline Odermatt, Walenpfad, 5. August 2019)

Der Bannalpsee – und geradeaus im Hintergrund ist die Schonegg zu sehen, wo sich die Kuhherde bis anhin aufhielt. (Bild: Zéline Odermatt, Walenpfad, 5. August 2019)

Es ist rund ein Monat her, als im gleichen Wandergebiet ein Hund von derselben Kuhherde zu Tode getrampelt und der Hundehalter dabei verletzt wurde. Aus Sicherheitsgründen und auch zur Beruhigung der Viehherde wurde der Weg einige Tage gesperrt und ein Hundeverbot ausgesprochen. Auch dieses wird am Samstag wieder aufgehoben.

Wanderwege führen oft durch Kuhweiden

«Ich habe in der Nacht auf Montag schon nicht so gut geschlafen», sagte gestern Gemeindepräsident Wendel Odermatt auf Anfrage. Von einem unverantwortlichen Verhalten seitens der Gemeinde will er nicht sprechen: «Es ist üblich und auch verantwortbar, dass Wanderwege durch Kuhweiden führen.» Eine Erklärung für die Vorfälle vom Samstag und vom vergangenen Monat hat Wendel Odermatt, selber Landwirt, aber schon. «Mutterkühe verhalten sich anders als Milchkühe. Sie fühlen sich schneller angegriffen, wollen ihre Kälber beschützen und sind sich auch weniger an Menschen gewohnt, da sie nicht gemolken werden.»
Oft genüge ein aggressives Tier, das die anderen Kühe zu einem Angriff anstifte. Herden- und Spieltrieb würden eben auch eine Rolle spielen. Dieses Problem habe man früher weniger gekannt, als auf den Alpen die Milchwirtschaft dominierte. Der Gemeinderat überlege sich zusammen mit dem Älpler und Fachleuten Massnahmen für den kommenden Sommer, um unliebsame Begegnungen zwischen Wanderern und Kühen künftig zu vermeiden. «So einfach ist die Lösung wahrscheinlich nicht, denn wir dürfen ja nicht den Kühen den Weg zur Tränke abschneiden», gibt Wendel Odermatt dabei zu bedenken.

Die Beratungsstelle für Unfallverhütung in der Landwirtschaft und die Dachorganisation Schweizer Wanderwege empfehlen Wanderern, falls Kühe im Wege stehen, Abstand zu halten und in sicherer Distanz um die Herde herumzugehen, sowie die Tiere nicht zu erschrecken und ihnen nicht den Rücken zuzudrehen.

Nicht von den Vorfällen betroffen ist der Walenpfad. Dieser führt vom Brunnigebiet ins Bannalpgebiet.