Adolf Ogi über die Politik: Es soll wieder mehr «Freude herrschen»

Alt Bundesrat Adolf Ogi und Hotelier Ernst Wyrsch zogen das Publikum der Pro Senectute in Stans mit ihren Auftritten in den Bann.

Ruedi Wechsler
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Ernst Wyrsch (links) und Adolf Ogi am Rande der Veranstaltung. (Bild: Ruedi Wechsler, Stans, 10. Oktober 2019)

Ernst Wyrsch (links) und Adolf Ogi am Rande der Veranstaltung. (Bild: Ruedi Wechsler, Stans, 10. Oktober 2019)

Ernst Wyrsch und Adolf Ogi unterhielten am vergangenen Freitagnachmittag 440 Besucher in der Mehrzweckhalle in Stans bestens. Sie referierten zum Thema «Glück ist kein Zufall». Organisiert worden war der Anlass von der Pro Senectute Nidwalden. Ernst «Aschi» Wyrsch – mit Buochser Wurzeln –, «Glücks-Coach» und ehemaliger Hoteldirektor des Steigenberger Hotels in Davos, überzeugte mit seinem charmanten Auftritt. Wenn man sich mit dem Glück befasse, so erhalte jeder Mensch die Reflexion im Spiegel. «Bälle vermitteln Denkanstösse und man soll nur annehmen, was einem gut tut», ergänzte der Ehrenpräsident des HC Davos. Menschen seien noch nie so gesund wie heute gewesen, und doch fühlten sie sich noch nie so unwohl wie heute, hielt Ernst Wyrsch weiter fest.

Der Pechvogel denke nach einem Beinbruch: So ein Pech – und versinke im Mitleid. Der Glückspilz sage sich, das andere Bein ist ja noch gesund. Ein Mensch benötige acht Stunden Schlaf und 16 Stunden sei er unter Strom. Er müsse lernen, mehr Zeit für sich zu nehmen. Drei bis vier Mal pro Tag zehn Minuten einfach nichts tun. Eingeschlossen sei da auch das Unternehmertum. Dazu Ernst Wyrsch:

«Wenn der Pfeilbogen 16 Stunden permanent gespannt ist, reagiert der Körper nur über eine Notabschaltung. Er überdreht und ein Burn-out droht. Das ist heute die Krankheit der Tüchtigen und ist alarmierend.»

Dazu gab der Tausendsassa auch wertvolle Tipps: «Schliesse Frieden mit der Vergangenheit, es ist nicht wichtig, was andere Leute über dich denken, sei zufrieden mit dem, was du hast, vergleiche dich nie mit andern, zerbrich dir nicht den Kopf über alles, lächle und sei freundlich.» Tief beeindruckt gab sich der Referent von Bill Clinton. «Der ehemalige US-Präsident erinnerte sich am World Economic Forum in Davos noch ein Jahr danach, was er mit mir besprochen hat. Er hatte immer Zeit für mich», sagte er nicht ohne Stolz. Grosse Bewunderung bringt Wyrsch auch alt Bundesrat Adolf Ogi entgegen. Als Nicht-Akademiker aus Kandersteg habe er mit seiner rustikalen aber imponierenden Kommunikation weltweit viel bewegt.

«Ihre leuchtenden Augen werde ich nie vergessen

Der Angesprochene schaute am Anlass auf seinen Werdegang zurück. «Man muss Menschen mögen» – Worte, die ihm sein Vater mit auf den Weg gegeben habe – sei immer sein Credo gewesen. Tief bewegt erzählte er von einem Besuch in Kabul: «Ich gab den Kindern einen Ball und im Nu war ihr traumatisierter Zustand vergessen. Ich werde ihre leuchtenden Augen nie vergessen», sagte der immer noch topfite Berner-Oberländer. 1999 habe er dem damaligen UNO-Generalsekretär Kofi Annan gesagt, «dass wir die Jugend für eine bessere und friedlichere Welt benötigen», erinnerte sich Ogi an die Zeiten als UNO-Beauftragter.

Beim Gespräch mit Moderatorin Debbie Frank wünschten sich beide, dass man die Menschen so akzeptiert, wie sie sind. Man solle authentisch bleiben, meinte Adolf Ogi. Auf die Frage von Debbie Frank, welche Message die beiden Referenten an die Besucher senden möchten, sagte Ernst Wyrsch: «Man könnte auch fragen, was willst du auf deinem Grabstein geschrieben haben? Ich habe am Überfluss des Lebens teilgenommen, würde auf meinem stehen», sagte er unverblümt. «Gleichzeitig möchte ich den Schweizern mitteilen, wie gut es uns in unserem Land geht.» Adolf Ogi erhofft sich von den Politikern, dass sie von der griesgrämigen und negativen Stimmung wegkommen. Er möchte wieder ein vermehrtes «Freude herrscht».